Kill the Boss

Drei Freunde wollen ihre Bosse umbringen. Um ihrem Ziel näher zu kommen, müssen sie sich erst mal durch eine Vielzahl an peinlichen Situationen kämpfen. 

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In der kommerziellen amerikanischen Komödie wird selten das Rad neu erfunden. Doch selbst wenn man sich auf bewährte Muster verlässt, kommt hin und wieder ein Film heraus, der konventionell ist, aber trotzdem frisch wirkt. Regisseur Seth Gordon (Mein Schatz, unsere Familie und ich, Four Christmases, 2008) ist das mit seinem neuen Film Kill the Boss (Horrible Bosses) nicht durchgehend, aber doch überwiegend gelungen. Angelehnt an jüngere Buddy-Filme wie Hangover (The Hangover, 2009) macht es sich Gordon zwischen Fäkalhumor, anzüglichen Witzen und politischer Unkorrektheit bequem.

Kill the Boss handelt von Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis), die seit der High School enge Freunde sind. Jeder von ihnen steht für einen unterschiedlichen Typus Mann aus der Mittelschicht: der duckmäuserische Spießer, der brave Ehemann und der unersättliche Womanizer. Doch die Freunde haben auch eine Gemeinsamkeit: Sie hassen ihre Bosse. Sie werden von ihren ausgenutzt, erniedrigt und sogar sexuell belästigt. Als ihnen ein ehemaliger Klassenkamerad über den Weg läuft, der seinen Job bei Lehman Brothers verloren hat und seitdem gegen Trinkgelder Handjobs verteilt, wollen Nick, Dale und Kurt die Initiative ergreifen: Ihre Bosse müssen sterben.

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Kill the Boss leidet mit seiner Geschichte von drei Schulfreunden, die zufälligerweise auch noch alle das gleiche Problem haben, etwas an seiner überkonstruierten Ausgangssituation. Dabei wird nicht einmal versucht, diese durch dramaturgische Kniffe zu verschleiern. Zum Auftakt wird jeder der Protagonisten mit einer Szene über das Verhältnis zu seinem Chef eingeführt. Ohne untereinander Verbindungen einzugehen, werden die Momente lediglich aneinandergereiht. Im späteren Verlauf der Handlung wird diese Parallelität streckenweise zum Problem, und es gelingt nicht immer, die Erzählstränge souverän unter einen Hut zu kriegen.

Lenkt man den Blick von den dramaturgischen Schwächen auf einzelne Szenen, zeichnen sich die Qualitäten von Kill the Boss schon deutlicher ab. Die Stationen, durch die sich die trotteligen Helden kämpfen müssen, sind hinlänglich bekannt: Mal gerät einer aus Versehen unter den Einfluss von Drogen, dann scheitern die Freunde als Einbrecher, und schließlich suchen sie in der gefährlichsten Bar der Stadt reichlich unbeholfen nach einem Auftragskiller. Man hat das alles schon oft gesehen, und doch entwickelt der Film eine einnehmende Dynamik aus treffsicheren One-Linern und gemäßigtem Slapstick, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Ab und an wird die heterosexuelle Kumpelrunde sogar durch homoerotische Anflüge dekonstruiert.

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Dabei ist es vor allem den Darstellern zu verdanken, dass das so gut funktioniert. Kill the Boss ist bis in die Nebenrollen prominent besetzt, und vor allem die Bosse brillieren als überzeichnete Ekelpakete: Kevin Spacey spielt einen notorisch eifersüchtigen Borderliner, Jennifer Aniston eine pervertierte Männerfantasie mit Hang zu Tourette-Anfällen und Handgreiflichkeiten und Colin Farrell einen zugekoksten Nachwuchszuhälter, der Dicke und Behinderte aus ästhetischen Gründen entlassen will.

Als die Freunde die vermeintlich geniale Lösung gefunden haben, jeweils den Boss des anderen zu töten, kommt auch dies dem routinierten Kinogänger durchaus vertraut vor. Hier geizt Kill the Boss nicht mit filmischen Referenzen – mal mehr (Der Fremde im Zug, Strangers on a Train, 1951), mal weniger Bildungskanon (Schmeiß’ die Mama aus dem Zug!, Throw Momma from the Train, 1987) –, die er in einer Szene auch offen anspricht. Angelehnt an diese beiden Vorbilder bedient sich der Film dann gegen Ende zu ausgiebig im Action- und Thriller-Segment und schießt etwa mit einem Boss, der sich als verkappter Serienkiller entpuppt, übers Ziel hinaus. An solchen Stellen hätte sich Kill the Boss lieber auf seine Stärke konzentrieren sollen: seinen zotigen, albernen Humor. 

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