Kifferwahn

Die Teufelsdroge Marihuana hat wieder zugeschlagen. Andy Fickman wagt sich an ein Remake eines obskuren Kultfilms aus den dreißiger Jahren. Herausgekommen ist ein fantasievolles, allerdings recht harmloses Musical.

Kifferwahn

Während der Hochzeit des Mitternachtskinos in den siebziger Jahren wurde ein Kleinod der Filmgeschichte wiederentdeckt, das zuvor fast vollständig in Vergessenheit geraten war: Ein seltsamer No-Budget Film aus dem Jahr 1936 namens Reefer Madness. Von einem unabhängigen Produzenten außerhalb des Studiosystems Hollywoods produziert, brillierte der bizarre Streifen durch eine Mischung aus krudem Sensationalismus – Marihuanakonsumenten werden als unzurechnungsfähige Geistesgestörte dargestellt – und einem strikt konservativen Moralismus, der Drogenmissbrauch und vorehelichen Sex als die größten Gefahren für den amerikanischen puritanischen Lebensstil darstellt. Zwar war Reefer Madness nur einer von vielen frühen Exploitationfilmen, die Themen wie Drogen, Prostitution oder organisiertes Verbrechen – allesamt zumindest zeitweise tabu für die großen Studios – mit sehr beschränkten finanziellen Mitteln und entsprechend ungelenken Resultaten behandelten, doch aufgrund seiner Karriere im Mitternachtskino ist er heute mit Abstand der bekannteste.

Selbstverständlich funktionierte die Rezeption des Films in den siebziger Jahren auf grundsätzlich andere Art, als die Produzenten und Regisseur Louis J. Gasnier sich dies vorgestellt hatten. Aus dem vorgeblichen Aufklärungsfilm, der Eltern vor der Gefahr warnen sollte, die ihren Kindern durch die Teufelsdroge Marihuana drohte, war ein amüsantes Zeitdokument der bigotten amerikanischen Gesellschaft der dreißiger Jahre geworden – und ein Partyfilm, der vielfach unter Einfluss eben des Genussmittels betrachtet wurde, welches er eigentlich vom Erdboden verbannen wollte.

Kifferwahn

Heute, noch einmal gut 30 Jahre später, wird die Geschichte des kleinen, obskuren Exploitationfilms um ein weiteres Kapitel reicher. Basierend auf einem von Kevin Murphy und Dan Studney geschriebenem Musical versucht sich Andy Fickman mit Kifferwahn (Reefer Madness: A Movie Musical) an einer Art Remake des Semiklassikers. Wie bereits der englische Titel klarmacht, besteht eine der wichtigsten Änderungen in Bezug auf das Original in der Einfügung zahlreicher musikalischer Sequenzen, die viel Zeit einnehmen und den Reiz des Films ausmachen.

Die Geschichte ist fast identisch mit der des Originals: Der junge Johnny Harper (Christian Campbell), zu Beginn ein Musteramerikaner und Schwiegermüttertraum, gerät in die Fänge des Drogenbarons Jack Stone (Steven Weber). Bald wird sein Leben von der Sucht bestimmt und auch seine Angebetete Mary Lane (Kristen Bell) gelangt in den Dunstkreis der Verbrecher. Nichts, so scheint es, kann Stone, die Inkarnation des Bösen in Menschengestalt, aufhalten.

Das Herzstück des Remakes bilden, wie erwähnt, die fantasievoll und abwechslungsreich ausgearbeiteten Musiksequenzen. Diese wissen aufgrund des hervorragenden Casts zu gefallen, der größtenteils bereits an der Bühnenversion beteiligt war. Highlight diesbezüglich ist Ana Gasteyer als Jack Stones Geliebte Mae Coleman, deren vielseitige Gesangsstimme gleich mehrere Lieder trägt. Die einzelnen Nummern sind teilweise im Stil klassischer amerikanischer Musicals gehalten, entfernen sich aber oft weit von deren Konventionen. Unter anderem finden sich Zombiesequenzen, die Erinnerungen an alte B-Movies wecken, und eine sehr gelungene animierte Hommage an die Trickfilmheldin der dreißiger Jahre, Betty Boop. In diesen Momenten entwickelt sich der Film zu einer Reise durch die abseitigeren, nur allzu oft vernachlässigten Kapitel der Filmgeschichte - zu denen selbstverständlich auch das Exploitationkino im Stile von Reefer Madness gehört. Fickman führt in einer Rahmenhandlung die aus heutiger Sicht obskure Vorführpraxis dieser Streifen vor, die mancherorts als Lehrfilme getarnt, von vorgeblichen Regierungsbeauftragten dem schaulustigen Publikum zugänglich gemacht wurden.

Kifferwahn

Kifferwahn macht aufgrund seines Abwechslungsreichtums über die volle Laufzeit Spaß. Allerdings kann man nicht umhin, in der wilden Mischung aus „South-Park“-Humor und The Rocky Horror Picture Show (1975) einige opportunistische Elemente zu bemerken. Die Kritik an der bigotten Gesellschaft der dreißiger Jahre ist wenig provokant und arbeitet sich an religiösen Eiferern und abstruser Drogenhysterie ab. Schwierigere Themen wie Rassismus und sexuelle Rollenklischees, die auch einen Blick auf die heutige Gesellschaft ermöglichen würden, werden nur äußerst kurz berührt.

Kifferwahn ist pure Nostalgie, nicht mehr und nicht weniger. Daran ist wenig auszusetzen. Allerdings ist Fickmans, passenderweise eigentlich für das Fernsehen produzierter Streifen, weniger ein Kandidat für eine Wiederbelebung des immer zumindest ansatzweise subversiven und radikalen Mitternachtskinos, als eine harmlose, selbstreflexive Spielerei für Filmfreaks, der man aber zumindest eines zugute halten kann: Robert Torti ist der coolste Jesusdarsteller der Filmgeschichte.

 

Kommentare


tikay

Einfach nur schlecht!!


monchichi

der film enthällt auf jeden fall warheit:
WAHNsinig wurd ich!!!!






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