Kick-Ass

Mit Liebe zum Gegenstand erzählt Matthew Vaughns Comic-Verfilmung von einem Superhelden ohne Superkräfte.

Kick-Ass

Am Comic haftet noch immer ein zweifelhafter Ruf. Auch wenn einzelne Hefte zu Recht immer öfter auch Gegenstand feuilletonistischer Besprechungen werden, kanzeln viele sie dennoch weiterhin als Kinderkram ab. Besonders das Superheldengenre ist nach wie vor von dieser Ignoranz betroffen. Doch die Kritiker haben Unrecht. Produkte, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, machen heute weite Teile der Comiclandschaft aus, und Helden wie „Batman“, „Superman“ oder „Spiderman“ sind quer durch alle Altersgruppen erfolgreich. Der Comic ist ein generationenübergreifendes Medium.

Auch Matthew Vaughn – Regisseur, Drehbuchautor und Produzent von Kick-Ass – ist sich dessen durchaus bewusst. Sein Film, der mit einigen bekannten amerikanischen Komödiengesichtern aufwartet, ist trotz der überwiegend jugendlichen Figuren kein klassischer Teeniefilm, kein reines Zielgruppenkino. Auch vor dem Hintergrund der exzessiven Gewaltorgien, die in Kick-Ass zelebriert werden, drängt sich dennoch die Frage auf, welches Publikum der Film erreichen will. Matthew Vaughn weiß das anscheinend selbst nicht immer ganz genau.

Kick-Ass

Kick-Ass beginnt wie eine konventionelle Highschoolklamotte: Dave Lizewski (Aaaron Johnson), ein ganz normaler Teenager, eher im unteren Teil der Beliebtheitsrangliste seiner Schule angesiedelt. Bei der schönen Katie (Lyndsy Fonseca) ist der Lockenkopf mit dem Kassengestell auf der Nase chancenlos und obendrein werden er und seine Außenseiterfreunde Todd (Evan Peters) und Marty (Clark Duke) auch noch regelmäßig von aufdringlichen Kleinkriminellen abgezogen.

Um sich und andere vom Joch der Unterdrückung und Kriminalität zu befreien, beschließt Dave – nicht gerade mit übernatürlichen Kräften gesegnet – ein Superheld zu werden. Er kauft sich einen grünen Neoprenanzug und beginnt sein Doppelleben als „Kick-Ass“. Als er – nachdem der erste Versuch gründlich schief ging – bei einer erfolgreichen Aktion gefilmt wird, klicken ihn hunderttausende User über Nacht zum Youtube-Star. So werden auch der rachsüchtige Ex-Cop Damon Macready alias „Big Daddy“ (Nicolas Cage) und dessen Tochter Mindy alias „Hit Girl“ (Chloe Moretz) auf ihn aufmerksam. Während „Kick-Ass“ Katzen von Dächern rettet, wollen sie Frank D’Amico (Mark Strong), den wichtigsten Gangsterboss New Yorks, zur Strecke bringen. Ohne es zu wissen, wird auch Dave in die Auseinandersetzung mit D’Amico gezogen, die eigentlich eine Nummer zu groß für ihn ist.

Kick-Ass

Matthew Vaughn, der mit 2004 mit Layer Cake ein eindrucksvolles Regiedebüt ablieferte, lässt seinen Film vielversprechend beginnen. In beinahe lyrischer Qualität bringt er den Typus des Superhelden auf den Punkt. Man müsse keine Superkräfte haben oder von einem fremden Planeten kommen. Um ein Superheld zu werden, brauche man nur „die perfekte Mischung aus Einsamkeit und Verzweiflung“. Mit diesem einfachen Satz dringt Vaughn tief zum Kern der Superheldenfigur und der von ihr ausgehenden Faszination vor.

Wer aber zu diesem Zeitpunkt glaubt, der Satz gebe die Marschrichtung von Kick-Ass vor, liegt falsch. Zwar reflektiert der Film stellenweise als liebevolle Parodie durchaus über das Genre, beschränkt seinen Blick dabei aber eher auf oberflächliche Motive und Konventionen. Dann betont Vaughn wieder Teeniefilm- und Coming-of-Age-Elemente, um am Ende ein Action-Feuerwerk zu zünden, das sich gewaschen hat. Man gewinnt fast den Eindruck, im Laufe von Kick-Ass mindestens drei unterschiedliche Filme zu sehen.

Kick-Ass

Alle diese Genreversatzstücke weisen mitunter recht interessante Brüche auf. Den unheimlichsten Part hat das elfjährige „Hit-Girl“, das als zurechnungsfähige Variation von Quentin Tarantinos Gogo Yubari aus Kill Bill Vol. 1 (2003) ihre Gegner regelrecht metzelt. Dramaturgische Konventionen werden schlichtweg übergangen, wenn es statt den genreüblichen schüchternen Annäherungen gleich zum Quickie zwischen Dave und Katie vor dem Hinterausgang eines Cafés kommt.

Kick-Ass

An psychologischer Tiefe seiner Figuren lässt Vaughn es hingegen durchweg fehlen. Alle Charaktere sind weitgehend auf ihre Funktionen für den Plot reduziert: der Vater mit dem Rachemotiv, der kaltblütige Mafiaboss oder sein Sohn Chris (Christopher Mintz-Plasse), der endlich vom Vater ernst genommen werden will. Diese Eindimensionalität unterscheidet Kick-Ass von  Gattungsgenossen wie Greg Mottolas Adventureland (2009).

Dennoch ist der Film über weite Strecken recht unterhaltsam, was weniger am banalen Plot, als an den präzisen Dialogen und durchweg soliden Schauspielerleistungen liegt. Leider unternimmt Vaughn gar nicht erst den Versuch, die verschiedenen Teile seines Films in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Schade eigentlich, denn die Idee eines Superhelden ohne Superkräfte ist so romantisch wie genial.

Trailer zu „Kick-Ass“


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Kommentare


Ach Felix....sei doch nicht so streng... (...)
Mag ja stimmen dass der Film keine "psychologische Tiefe" besitzt, oder der Plot "banal" ist, aber das ist es eben was dieser Film auf gar keinen Fall braucht...
Es ist nun mal eine Klamotte, eine Parodie auf Superhelden, eine Geschichte über einen Underdog der mit seinen Freunden den Bodensatz der Highschool Society bildet...Und die Idee, auf der Rangliste aufzusteigen, in dem er sich einen Neoprenanzug kauft, um Verbrecher zu bekämpfen, und so schliesslich die Anerkennung zu erlangen die er nicht auf übliche Art und Weise haben kann, gibt schon dem Film die Richtung, die originell genug ist. Schon der Anfang des Films lässt erahnen dass hier kein intellektueller Schinken zu erwarten ist, sondern eine Komödie gespickt mit schwarzem Humor..
Spätestens dann, als der Held mit dem Messer im Bauch in der Gosse liegt,wohl wissend,dass es mehr als Neoprenanzüge braucht, um Kriminelle zu bekämpfen, beginnt man zu hoffen was dieser Film wird..
Und das ist er geworden, eine gelungene Mischung aus rasanter/brutaler Action, genialem sound, schwarzen Humor und schrägen Charakteren.
Das soll auch so sein, den der film nimmt sich nicht ernst, und soll von den Zuschauern auch nicht ernst genommen werden. Wer "dramaturgische Konventionen", "psychologische Tiefe", oder ähnliches erwartet, soll sich Das weisse Band, oder In the Mood anschauen.. Und dabei einschlafen..
Bei dieser kurzweiligen Unterhaltung mit Biss, wird das gewiss nicht der Fall sein.


Thorsten

"Dramaturgische Konventionen werden schlichtweg übergangen, wenn es statt den genreüblichen schüchternen Annäherungen gleich zum Quickie zwischen Dave und Katie vor dem Hinterausgang eines Cafés kommt."

Was soll denn DER Unfug?!? Diese Szene kam, als die beiden bereits ungefähr eine Woche zusammen sind und MIND. eine Nacht - nämlich die, in der Dave zwecks (doppelter) Demaskierung zu Katie kam - in unzweideutiger Weise miteinander verbracht haben!
Also, man kann doch wohl erwarten, daß ein Film wenigstens anständig GEGUCKT wird...


der Kritiker

Sehr witziger Film .
Einzig die Szene auf dem Schrottplatz, wo die Kaltblütigkeit von it-Girl gerade zu zelebriert wird; hätte nicht sein müssen.
Ein Held sollte immer Gnade walten lassen können.
Das unterscheidet Kick-Ass von It-Girl. It-Girl ist eine heran-gezüchtete Tötungsmaschine; ohne Herz.
Allein die Kakao-Szene,in der Küche,in der sie die Marschmellos betrachtet, die ihr ihr toter Vater zubereitet hat, lassen ein wenig in die eigentliche Tragik der Figur blicken.
Das reicht jedoch nicht um die Figur zu rechtfertigen und zur Heldin zu machen.

...Und das gibt dem Film ein "Geschmäckle", das so nicht sein muss..

Ansonsten: Hervorragend und liebevoll zum Comic inszeniert.






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