Kekexili - Mountain Patrol

In den einsamen Höhen des Kekexili-Gebirges schlachten Wilderer seltene tibetische Antilopen ab. Regisseur Lu Chuan erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des grausamen Kampfes zwischen Schutzpatrouille und Jägern.

Kekexili - Mountain Patrol

Auf dem Lenkrad liegt, den Kopf auf seinem Unterarm, ein junger Mann, kaum dreißig Jahre alt. Geweckt wird er von Stimmen, Männer zielen mit ihren Schnellfeuerwaffen auf ihn. Er muss aus dem Auto aussteigen, wird gefesselt. In der Nacht sieht er mit an, wie diese Männer mit ihren Waffen wahllos auf eine Horde Antilopen feuern. Während den Tieren das Fell abgezogen wird, redet der Anführer mit dem jungen Mann. Jemand soll ihm die Fesseln durchschneiden. Dann ein Schuss, der Anführer hat den Gefangenen erschossen, hingerichtet. Nun liegt er da zwischen den Antilopen, in der Weite der Landschaft des chinesisch-tibetanischen Kekexili-Gebirges.

Mit drastischen Bildern schildert Lu Chuan in Kekexili – Mountain Patrol die Geschichte des entmenschlichten Kampfes zwischen der Bergpatrouille, die sich bemüht, den Bestand der seltenen tibetischen Antilopen zu bewahren, und den Wilderern, die eigentlich nur versuchen ihre Existenz zu sichern in der kargen, unwirtlichen Landschaft. Ein Menschenleben zählt wenig in den Bergen, wo der einzige Außenposten das Zelt eines ehemaligen Soldaten ist, der die Männer von der Patrouille auf ihrer Verfolgungsjagd bewirtet. „Pass auf Dich auf“ raunt Ri Tai (Duo Bujie), der Anführer der Freiwilligen ihm zu. Eine, angesichts der Lage, lediglich aufmunternde Worthülse, denn was könnte ein Mann ausrichten gegen eine Gruppe Wilderer mit Maschinengewehren.

Kekexili - Mountain Patrol

Erzählt wird dieser Kampf aus der Perspektive des Journalisten Ga Yu (Zhang Lei), der aus Peking anreist, um über die freiwillige Bergpatrouille zu berichten, die es sich unter eben jenem Anführer Ri Tai, einem ehemaligen General, zur Aufgabe gemacht hat, den Wilderern das Handwerk zu legen. Ga Yu begleitet sie auf einer mehrere Tage andauernden Reise durch das Hochgebirge, während der er die Unbarmherzigkeit des Kampfes miterlebt.

Regisseur Lu Chuan bemüht sich in seinem zweiten Spielfilm um Objektivität. Trotz Sympathie mit den Zielen der freiwilligen Bergpatrouille, zeichnet er die Wilderer nicht als grausame Schlächter, sondern erzählt nebenbei ihre Lebensgeschichten. Als ein Bergwächter bei der Verfolgung in großer Höhe beginnt, Blut zu spucken, kann ihm nur einer der Verfolgten das Leben retten. Er war früher Arzt. Andere waren Bauern. Arbeit gibt es kaum dort oben, Leben müssen die Menschen trotzdem. Aber rechtfertigt dies das Abschlachten der Antilopen, denen lediglich das Fell abgezogen wird und deren Kadaver dann einfach auf den Ebenen liegengelassen werden? Lu Chuan schneidet den Anblick von Kadaverfeldern gegen die ausdruckslosen Gesichter der Wilderer. Eine klare Antwort gibt er nicht.

Kekexili - Mountain Patrol

Chuan hat seinen Film zum großen Teil mit Laiendarstellern besetzt, Männern, deren Gesichter vom harten Leben zerfurcht sind. Dagegen setzt er die Weite und Schönheit der Hochgebirgslandschaft: grün-gelbe Täler, eisige, im Licht glitzernde Flüsse, schneebedeckte Bergspitzen. Sie sehen aus wie prächtige Postkartenmotive und dennoch kann man in den Gesichtern der Menschen den ständigen Existenzkampf in der unwirtlichen Natur des Hochgebirges ablesen. Klein wirken die Jeeps vor dieser Kulisse, und unbedeutend. Die Stille der unbewohnten Fläche wird nur durch fahrende Autos, schreiende Männer, gelegentlichen Gesang und das Knattern der Pistolen durchbrochen.

Kekexili - Mountain Patrol

Kekexili orientiert sich formal an der Reportage: Bildunterschriften informieren über den Tag und den Ort, an dem sich die Patrouille befindet, die Ereignisse werden linear erzählt, auch wird immer wieder der Beobachterstatus des jungen Journalisten hervorgehoben. Der Film verweist damit auf seine Quelle: die Aufzeichnungen des Journalisten, der vor Jahren tatsächlich die Bergwacht begleitete und dessen Bericht in China großes Aufsehen erregte. Inzwischen, liest man im Abspann, sei die freiwillige Patrouille von einer Regierungsinitiative abgelöst worden, nachdem der Bericht des echten Ga Yu für einen Eklat gesorgt hatte und auch die Zahl der Antilopen sei wieder gestiegen. Den Männern, die auf der Hochebene erbitterte Kämpfe geführt haben und dem mutigen Journalisten hat Lu Chuan mit Kekexili ein eindrucksvolles, vielschichtiges Denkmal gesetzt.

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