Kebab Connection

Ob sich seine zukünftige Vaterschaft mit der Produktion des ersten deutschen Kung-Fu-Films vereinbaren lässt, muss der junge Türke Ibo in dieser unterhaltsamen Hamburger Kiezkomödie erst noch mühevoll herausfinden.

Kebab Connection

Zack, der Schlag hat gesessen! Gerade als die Filmkarriere von Ibo (Denis Moschitto) endlich zu starten scheint, offenbart ihm seine Freundin Titzi (Nora Tschirner), dass statt der Dreharbeiten zum ersten deutschen Kung-Fu-Film bald Windeln wechseln auf dem Programm steht.

Während das Hamburger Schanzenviertel nach Ibos spektakulärem Döner-Werbefilm im Martial-Arts-Stil die Imbissbude seines Onkels Ahmet (Hasan Ali Mete) einrennt, versucht Titzi den werdenden Vater auf seine neue Rolle vorzubereiten. Doch dieser will partout seinen machohaften, pubertären Freiheitsdrang nicht ablegen und versagt bereits beim Kinderwagen schieben. So fliegt Ibo nicht nur bei Titzi raus, sondern ebenfalls bei seinen Eltern, die als „gute“ Türken nicht akzeptieren wollen, dass ihr Sohn ein Kind mit einer Deutschen bekommt. Obendrein ist auch der benachbarte Filmproduzent, nachdem Ibo ihm sein Drehbuch mit beeindruckendem Körpereinsatz präsentiert hat, immer noch skeptisch, was die Umsetzung von Die Todesfaust des gelben Rächers betrifft. Schnell sehnt sich Ibo nach Versöhnung mit Familie und Freundin, aber Besserung zu geloben ist meistens leichter gesagt als getan.

Was wie ein Drama anmuten könnte, ist im Fall von Kebab Connection zu einer witzigen Komödie über Ibos steinigen Weg zum perfekten Vater im türkisch-deutschen Umfeld mit Hamburger Lokalkolorit und einer Prise asiatischer Kampfkunst geraten. Fern von Anklage und Täter-Opfer-Konstruktionen verfilmt Regisseur Anno Saul (Grüne Wüste, 1999) in seiner zweiten Kinoarbeit eine Cultural-Clash-Geschichte in humorvoller Light-Version, die dank flottem Sprüchegeklopfe sowie Slapstickeinlagen unterhaltsam ihren Gang geht. Die von Ibo für seine Werbefilme inszenierten Kampfszenen à la Takeshi Kitano (Zatoichi, 2003) und Zhang Yimou (Hero, 2002) verleihen dem Film einen zusätzlichen Reiz. Die fliegenden Schwertkämpfer wirken im Kontext einer deutschen Komödie zum einen orginell deplatziert, zum anderen werfen sie ein erfrischendes Licht auf die Möglichkeiten des deutschen Films, der die in Asien und den USA üblichen Tricktechniken durchaus einzusetzen weiß.

Kebab Connection

Die Idee für Kebab Connection stammt übrigens unverkennbar aus der Feder des deutsch-türkischen Vorzeigeregisseurs Fatih Akin (Im Juli, 2000; Gegen die Wand, 2004). Zu der Erstfassung des Skripts mit gewohnt interkultureller Thematik und Heimatschauplatz Hamburger Kiez, hat er seine Stammproduktionsfirma Wüste Film und ein paar Schauspieler für die Nebenrollen (Bruder Cem Akin, Sibel Kekilli, Adam Bousdoukos, Güven Kiraç) gleich mitgeliefert. Angeblich hat Akin zu Studentenzeiten sogar von einem eigenen Kung-Fu-Film geträumt.

Kung-Fu hin oder her, schlagfertig ist der Film vor allem auf der sprachlichen Ebene. Die Filmfiguren sind alles andere als auf den Mund gefallen, treten gerne in Fettnäpfchen und erscheinen durchweg sympathisch, insbesondere wegen ihrer eingefahrenen Meinungen und Macken, die sie im Laufe des Filmes mit amüsanter Inkonsequenz über den Haufen werfen müssen. Herrlich unlogisch gestaltet sich beispielsweise die Beziehung von Ibo zu seinem Vater (Güven Kiraç), der zwar seinen Sohn verstößt, aber nicht den ungeborenen Enkel, und der nachdrücklich in sicherem Deutsch behauptet, dass er niemals Deutsch spreche.

Die Hauptdarsteller Denis Moschitto und Nora Tschirner zeigen sich dabei von ihrer besten Seite. Moschitto verlässt als unreifer Ibo mit diesem Film verdientermaßen das Schattendasein als Nebendarsteller (Nichts Bereuen, 2001; Verschwende Deine Jugend, 2003; Süperseks, 2004) und MTV-Moderatorin Tschirner überzeugt in der Rolle der Titzi, die kraftvoll und bestimmt ihren Weg als werdende Mutter geht und sich Ibos Ausflüchte nicht gefallen lässt. Sie verkörpert die emanzipierte junge Frau par excellence, die mit einer Mischung aus Angriffslust und Nachsicht die eingefahrene Männergesellschaft aus dem unverdienten Schlaf rüttelt.

Kebab Connection

Das multikulturelle Umfeld der Protagonisten verleiht der altbekannten Klamotte „Freundin kriegt ein Kind und Freund hat ein Problem damit“ mehr Tiefgang, indem mithilfe burlesker Situationen die Xenophobie ad absurdum geführt wird, welche das Leben in einer vorurteilsbelasteten Gesellschaft mit unterschiedlichen Kulturen birgt.

Alles in allem versetzt Anno Saul souverän und pointenreich das Genre der transkulturellen Komödie frei nach den ausländischen Vorbildern East Is East (Damien O’Donnell, 1999), Kick it like Beckham (Bend it like Beckham, Regie: Gurinder Chadha, 2002) und Jalla! Jalla! (Josef Fares, 2000) ins Deutschland von heute. Mindestens genauso lustig, versteht er es, ähnlich wie Gurinder Chadha, die Figuren nicht ausschließlich als eindimensionale Comedy-Charaktere zu zeichnen, sondern nuanciert und dadurch glaubwürdig zu gestalten.

Somit ist Kebab Connection nach dem im jüdischen Milieu spielenden Film Alles auf Zucker (2004) von Dani Levy bereits die zweite größere deutsche Produktion innerhalb eines Jahres bei der ohne schlechtes Gewissen gemeinsam mit einer kulturellen Minderheit über ihre Partikularitäten gelacht werden darf, was bisher hierzulande im Kinofilm nicht wirklich üblich war. Streng genommen ist Kebab Connection nur eine recht platte Liebesgeschichte, von deren Sorte man schon mehr als genug gesehen hat. Aber sie ist so charmant, sympathisch, reflektiert und komisch inszeniert, dass man sich das Lachen beim besten Willen nicht verkneifen kann.

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