Karate Kid

Kampfsport mit pädagogischer Botschaft: Das Remake des Teenie-Klassikers setzt auf eine aufwändige Inszenierung und unterzieht seine Hauptfigur einer mehrjährigen Verjüngungskur.

Karate Kid

Wie Karate Kid (1984) eine Coming-of-Age-Geschichte im Gewand eines Martial-Arts-Films erzählte, das war seinerzeit so erfolgreich, dass darauf drei Fortsetzungen und einige Variationen (Karate Tiger, 1986) folgten. Mit seiner Vereinfachung von Karate auf eine Handvoll beeindruckender Tricks trug der Film erheblich zur Popularisierung von asiatischem Kampfsport im Westen bei. Vor allem jugendliche Nachahmer wollten wie Protagonist Daniel den berühmten Kranich-Tritt beherrschen oder wie sein Lehrmeister Mr. Miyagi Fliegen mit Essstäbchen fangen. Und hinter all der Kämpferei verbarg sich auch noch eine pädagogische Botschaft: Karate war nach Miyagis Auffassung betont friedlich und nur für den Notfall bestimmt, und die für den Nahkampf relevanten Armbewegungen lernte Daniel durch nützliche Hausarbeit wie Fensterputzen.

Mit dem Remake von Karate Kid scheint es, als hätten Will und Jada Pinkett Smith ihrem Sohn Jaden eine Freude machen wollen. Die Familienproduktion ist ganz auf den Nachwuchs zugeschnitten, was besonders an einem Punkt deutlich wird: Der vorlaute Dre (Jaden Smith) ist gleich um mehrere Jahre jünger als Daniel. Die Handlung bleibt im Prinzip dieselbe: Ein Junge zieht mit seiner Mutter in eine neue Umgebung, verliebt sich in ein Mädchen und wird darauf zum Prügelknaben eines militaristischen Dōjōs. Mithilfe eines unscheinbaren Hausmeisters wird er darauf in die Technik und Philosophie des Kämpfens eingeführt und tritt seinen Peinigern schließlich in einem öffentlichen Wettkampf gegenüber.

Karate Kid

Es sind eher oberflächliche Veränderungen, die bei Karate Kid vorgenommen wurden. So ist der im Film praktizierte Kampfsport etwa entgegen dem Titel nicht Karate, sondern Kung Fu. Neben einer Aktualisierung durch schnellere Schnitte und zeitgenössische Popmusik distanziert sich der Film auch an einigen Stellen ironisch von seinem Original. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der Mr. Han (Jackie Chan), der neue Mr. Miyagi, eingeführt wird. Während er sein Mittagessen verzehrt, wird er von einer Fliege belästigt, zückt die Stäbchen und erschlägt das Insekt dann doch mit einer Fliegenklatsche.

Auch die Umgebung ist eine andere. Dre und seine Mutter ziehen nicht nach Kalifornien wie im Original, sondern nach China. Bei einer Verfolgungsjagd durch die Gassen der Hauptstadt, einem Schulausflug in die Verbotene Stadt oder einer Massenszene in einer Kampfschule nutzt der Film den exotischen Schauplatz als dekorative Hintergrundkulisse. Schon im Original wurde fernöstliche Philosophie auf Bonsais und kryptische Bauernweisheiten reduziert. Das Remake widmet sich der chinesischen Kultur zwar ortsbedingt vielfältiger – es gibt etwa einen Besuch des jungen Liebespaares in einem chinesischen Schattentheater –, allerdings keineswegs differenzierter.

Karate Kid

Die Qualitäten von Karate Kid liegen allerdings auch woanders. Im Stil eines klassischen Sportfilms wie Rocky (1976) erzählt der Film von einem David-gegen-Goliath-Kampf und dem beschwerlichen Weg dorthin. Dazu gehören mit Musik untermalte Montagesequenzen, die Dre beim Training zeigen, ebenso wie ein weiser Mentor und ein bis zur Karikatur überzeichneter Bösewicht. Wenn man sich nicht auf die Glaubwürdigkeit des Films konzentriert, sondern allein auf seinen Unterhaltungswert, funktioniert Karate Kid auch weitgehend gut. Das Alter des Jungen bleibt allerdings ein Problem. Die ganze Geschichte ist deutlich auf einen Protagonisten im fortgeschrittenen Teenageralter zugeschnitten. Ein elfjähriger Junge wirkt in dieser Rolle, spätestens in den Kampfszenen, unfreiwillig komisch.

Karate Kid

Für eine angenehme Überraschung sorgt dagegen Jackie Chan als Mr. Han. Gerade weil das Remake mehr in Richtung Komödie tendiert, hätte man die üblichen Blödeleien und Slapstickeinlagen vermutet, für die Chan besonders in seinen amerikanischen Filmen berüchtigt ist. Stattdessen verkörpert er eine tragische Figur, einen gebrochenen Mann, der seine Familie bei einem Autounfall verloren hat und sich seitdem von der Außenwelt isoliert. Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass Mr. Han für den halbverwaisten Dre auch eine Vaterfigur ist. Nachdem er beobachtet, wie Dres Mutter ihren Sohn immer wieder ermahnen muss, seine Jacke aufzuhängen, nimmt er diese Tätigkeit als Basis für das Training. Wenn der Film auch qualitativ etwas hinter seinem Original zurückbleibt, seinen erzieherischen Wert hat er sich zumindest bewahrt.

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Kommentare


bri

hat mir super gut gefallen. schauspielerische leistung von jaden smith und chackie chan waren genial.
unterhaltsamer als das original muss ich sagen.






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