Kann das Liebe sein?
Weil er Frauen nicht mehr traut, lässt ein Unternehmer seine Angebetete von einem Privatdetektiv ausspionieren. Kann das Liebe sein? wartet mit eindrucksvollem Schauspielerensemble auf und bietet charmant-seichte Unterhaltung ohne Tiefgang.

Bei diesem Film sind einige alte Bekannte aufeinander getroffen. Nach Intime Fremde (Confidences trop intimes, 2004) und Die Frau des Leuchtturmwärters (L’Équipier, 2004) bringt der Verleih Arsenal mit Kann das Liebe sein? den dritten Film in zweieinhalb Jahren in die deutschen Kinos, in dem Sandrine Bonnaire die weibliche Hauptrolle spielt. Momentan gehört sie hierzulande zu den präsentesten französischen Schauspielerinnen. Pierre Jolivet, Drehbuchautor und Regisseur des Films, ist in Deutschland eine relativ unbekannte Größe – zuletzt startete hierzulande sein Film Fred, den vor zehn Jahren übrigens auch Arsenal auf die Leinwand brachte. Mit den Darstellern Vincent Lindon und François Berléand, sowie dem Koautoren Simon Michael hat er einmal mehr alte Vertraute versammelt, mit denen er bereits jeweils vier andere Filme realisiert hat. Ein Verleih mit seiner Lieblingsschauspielerin, ein Regisseur mit seinen bevorzugten Mitstreitern: Das Erwähnenswerte von Kann das Liebe sein? (Je crois que je l’aime) ist damit eigentlich schon gesagt. Der Rest erschöpft sich leider ziemlich schnell in Belanglosigkeiten. Der erfolgreiche Unternehmer Lucas (Vincent Lindon) verguckt sich in die Kunsthandwerkerin Elsa (Sandrine Bonnaire), die in der Eingangshalle seiner Firma ein Keramikfresko gestalten soll. Weil ihn seine letzte Freundin betrogen hat und der Liebeskummer um ein Haar sein Unternehmen ruiniert hätte, setzt Lucas sicherheitshalber seinen Privatdetektiv Roland (François Berléand) auf Elsa an, der sie überprüfen soll. Auch ohne die Handlung weiter auszuführen, errät der aufmerksame Leser problemlos, wie die Geschichte ausgehen wird. Lucas und Elsa verlieben sich, aber Rolands Überwachungstechnik wird Lucas selbst zum Verhängnis und die Spionage fliegt schließlich auf. Nach dem unvermeidlichen Zerwürfnis kommt es dank eines echten Liebesbeweises zur Versöhnung und zum Happy End.

Es hätte locker gereicht, diese Story als ARD-Freitagabendromanze mit Michael von Au umzusetzen. So gesehen passt sie zur recht konventionellen filmischen Umsetzung, von der Kameraführung bis zum affirmativen Einsatz der Musik. Eine einfach gestrickte Geschichte als solche wäre aber noch lange kein Merkmal für eine zweitklassige Komödie – im Gegenteil. Das beweisen die Filme von Jacques Tati. Denn Komödien funktionieren in vielen Fällen gerade auf der paradigmatischen Ebene des Gags, die die übergreifende Handlung häufig nebensächlich werden lässt.
Ideenarmut bei den Details kann man auch dem Drehbuch von Kann das Liebe sein? nicht wirklich vorwerfen, wobei manche Pointen, vor allem der Dialoge, wirklich gelungen sind. Häufig reicht es aber nur für ein müdes Lächeln. Chinesische Geschäftspartner und japanisches Essen sollen die Geschichte mit einer Prise Exotik würzen und Situationen entstehen lassen, die so manche Nebenfigur komödiantisch überfordern – Lucas’ Chauffeur assoziiert mit „baguettes“ (frz. für „Stäbchen“) natürlich kein asiatisches Essbesteck, sondern Stangenweißbrot. In einem absurden Auftritt gibt ein italienischer Meister der Keramikkunst eine Kurzeinführung in das Metier. Im falschen Moment klingelnde Handys und gegen ihren Zweck missbrauchte Überwachungskameras tragen zu den üblichen komischen Missverständnissen und Verwirrungen bei. Und auch sonst wird übermäßig viel mit Technik gespielt, mit multifunktionalen Fernbedienungen, hochmodernen Wanzen und Bildtelefonen. Mehr als einmal flirtet der Film offen mit Klamauk, am offensichtlichsten beim völlig überraschenden Auftritt eines 200 Kilo schweren japanischen Sumo-Ringers, der nicht in den Fahrstuhl passt. Als Lucas’ Golffreund Rachid (Kad Mérad) zum dritten Mal fragt, ob Elsa denn auch Blow Jobs mache, ist einem die Lust am Lachen vergangen. Solch platte „running gags“ zerstören im Gesamtbild die Wirkung manch gelungener Witze.

Das heterogene Drehbuch mit seinen wirren Einfällen vergeudet geradezu die brillanten Darsteller. Mit einer facettenreichen Mimik entwirft Vincent Lindon einen vielschichtigen Charakter vom souveränen Macker über das unreife Kind zur beleidigten Mimose. Die charismatische Sandrine Bonnaire überstrahlt das ganze Ensemble. Man hätte ihnen ein intelligenteres Drehbuch gewünscht.
Von den sozialen Untertönen, die in Jolivets vorangegangenen Komödien Zim & Co. (2005) und Filles uniques (2003) – beide ohne deutschen Kinostart – mitschwingen, ist in seinem aktuellen Film gar nichts mehr zu spüren. Kann das Liebe sein? ist leichte Unterhaltung ohne Risiko, die man als Bonnaire- oder Lindon-Fan zur Not in Kauf nehmen kann, um die Schauspieler mal wieder auf der Leinwand zu sehen.
Filmkritik von Almut Steinlein
Veröffentlicht am 18.07.2007
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Film-Angaben
Titel: Kann das Liebe sein?
Originaltitel: Je crois que je l’aime
Frankreich 2007
Laufzeit: 90 Minuten
Regie: Pierre Jolivet
Drehbuch: Pierre Jolivet, Simon Michael
Produktion: Frédéric Bourboulon, Pierre Kubel, Marie-Castille Mention-Schaar
Darsteller: Vincent Lindon, Sandrine Bonnaire, François Berléand, Liane Foly, Kad Merad
Kinostart: 19.07.2007
DVD-Angaben
Titel: Kann das Liebe sein?
Vertrieb: Indigo
Bild: k.A., 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DD 2.0/Stereo), Französisch (DD 5.1, DD 2.0/Stereo)
Untertitel: keine
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 90 Minuten
Extras: diverse Trailer
Verleih ab: 07.12.2007
Verkauf ab: 18.01.2008
Copyright Kann das Liebe sein?
Fotos: © Arsenal
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