Kampf der Titanen
Als unterhaltsamer CGI-Glitzer-Kitsch gefällt das Harryhausen-Remake Kampf der Titanen. Nur um die 3-D-Version sollte man einen weiten Bogen machen.
Sam Worthington ist nicht mehr wegzudenken aus dem Action-Blockbusterkino. Nach Avatar und Terminator – Die Erlösung (Terminator Salvation) macht sich der kurzgeschorene Hüne, der schon auf den ersten Blick ein Mann fürs Bewegungskino – und nur fürs Bewegungskino – ist, gleich auf ins nächste Effekt-Spektakel. Diesmal ist sein Auftrag vergleichsweise down-to-earth (keine Anverwandlung ans Mechanische oder digital Imaginäre) und in sieben Worten fassbar: „You were born to kill the Kraken!“ sagt Io (Gemma Arterton) zu Worthingtons Perseus. Mehr braucht der nicht zu wissen. Oben im angemessen grässlich verkitschten Olymp glitzert derweil Zeus’ Rüstung was das Zeug hält und Hades schaut vorbei, schmiedet finstere Pläne und grinst schief. Dass die beiden Götterwidersacher von den Arthouse-Haudegen Liam Neeson und Ralph Fiennes verkörpert werden, ist die sonderbarste Besetzungsentscheidung in diesem Film.
Mit der martialischen Neo-Archaik von Filmen wie 300 (2006), 10.000 BC (2008) oder Mel Gibsons Apocalypto (2006) hat das alles wenig zu tun. Erst recht nicht geht es Kampf der Titanen (Clash of the Titans), wie jüngst Alejandro Amenábars sehr interessantem religionsphilosophischen Agora (2009), um eine historisierte Allegorie. Viel eher atmen Leterriers knallbunte Bilder, ebenso wie die eher offensiv naiven als camp-ironischen Dialoge, den Geist der Harryhausen’schen Vorlage (siehe unten) oder auch der italienischen Hercules- und Maciste-Filme aus den 1960er Jahren. An die wilde Imaginationskraft, die immense formalistische Energie oder gar an die poetische Grandeur von Mario Bavas Vampire gegen Herakles (Ercole al centro della terra, 1961) allerdings kommt diese Monster-Schlachtplatte in keiner Minute heran. Letterier, der sein Handwerk bei Luc Besson gelernt hat, ist kein Genre-Auteur wie Bava, sondern ein Mainstream-Monteur mit Hang zum bombastischen Kitsch und so sieht vieles in diesem ansonsten gut rhythmisierten und äußerst unterhaltsamen Film verdächtig nach animierter Power-Metal-Coverart aus.
Keine 30 Jahre hat sich Hollywood Zeit gelassen für ein Remake der Ray-Harryhausen-Produktion Kampf der Titanen (Clash of the Titans, 1981). Die Ambitionen des Films sind ausschließlich technischer Natur, woran erst einmal wenig auszusetzen ist. Vor allem geht es dem neuen Film darum, die analogen, handgemachten Spezialeffekte der Vorlage ins Digitale zu übersetzen. Und soweit ist das auch ganz gut gelungen. Auf dem Weg zum Kraken lauern, wie schon 1981, jede Menge weitere finstere Monster auf Perseus. Überdimensionierte Skorpione, die mit dem Sprung ins Digitale noch einmal um ein vielfaches gewachsen sind, ein deformierter, leider eher unterdefinierter Hades-Jünger, in dem jede Menge romantisch-verschrobenes Potenzial steckt, schließlich, in einer der gelungensten Sequenzen des Films, die schlangengekrönte Medusa, deren Anblick nur der mechanische, nicht-intentionale Blick der Kamera standhalten kann.
Die 3-D-Technik, das eigentliche Verkaufsargument des Films, ist dagegen ein Problem. Sie wurde erst spät Teil des Projekts. Ursprünglich mit klassischen 2-D-Kameras gedreht, wurde dem Film, ähnlich wie jüngst Tim Burtons Alice im Wunderland, die dritte Dimension nachträglich und ein wenig gewaltsam hinzugefügt. „Ein Fantasy-Spektakel mit Sam Worthington in 3-D“ - diese Tagline wollten sich die Produzenten nach dem überwältigenden Kassenerfolg von Avatar (2009) verständlicherweise nicht entgehen lassen. Das Ergebnis ist – in dieser Hinsicht – alles andere als spektakulär. Abgesehen von einer aufwändig gestalteten Kamerafahrt zu Filmbeginn finden sich kaum Szenen, die von der neuen Technik profitieren. Dass Kampf der Titanen die Plastizität der künstlichen Welten des Cameron-Films erreichen könnte, war ohnehin nicht zu erwarten. Dennoch ist es außerordentlich enttäuschend, wie platt-mechanistisch die Tiefendimension des Films ausgestaltet ist. Der 3-D-Trash der Gegenwart nimmt dem Kino – noch (?) – weitaus mehr, als er ihm hinzuzufügen vermag, die kunstlos hintereinander geschichteten Tiefenebenen haben etwas plump Ausstellerisches, das in gewisser Weise auf die ersten Jahrzehnte des Kinos verweist, auf Illusionskünstler wie den allerdings weit weniger plumpen Georges Méliès – und auf deren Ort, auf den Jahrmarkt. Das Beste, was man über 3-D-Effekte dieser Machart sagen kann, ist, dass sie einem nach 15 Minuten kaum noch auffallen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den Film lieber so anschauen, wie er ursprünglich gedacht war – und die guten alten Illusionsräume genießen, die die zweidimensionale Leinwand seit über 100 Jahren auf immer wieder neue, immer wieder faszinierende Art und Weise eröffnet.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 06.04.2010
Kommentare zu Kampf der Titanen
Chris 08.04.2010 14:42
Perseus, nicht Theseus.
Frédéric 08.04.2010 16:46
Danke, ist korrigiert.
Jan 19.05.2010 19:29
Wirklich kein zu empfehlender Film, die 3D effekte waren gruselig und ich bin bei ca. der hälfte eingeschlafen.. Und das in einem Kino.. ich habs selbst nich glauben wollen, als ich kurz vorm ende wieder aufgewacht bin...
Aragon70 24.07.2010 16:05
Es ist mir ein Rätsel wie ein Film mit dermaßen falschen 3D Effekten ins Kino kommen kann. Auf die Art "Die Deppen von Zuschauern merken das eh nicht, hauptsache es ist irgendwie 3D.
Schon bei der ersten Szene passt einfach nichts. Die Köpfe der Personen gehen gefühlte 1 Meter weit nach hinten in die Tiefe. Ich dachte mir allen ernstes es stellt sich gleich heraus das aus dem Kopf des Jungen ein Monster springt.
So geht das durch den ganzen Film. Ständig sind irgendwo Fehler, auf mich wirkte das so als wenn ich wieder in den 50er Jahren wäre was Spezialeffekte in Filmen angeht.
Konsequenterweise hätten sie am Ende den Kraken gleich aus Pappmasche machen können und mit Schnüren bewegen, dann wäre es wenigstens konsequenter Trash :)
Also liebe Filmemacher. Wenn mans nicht gebacken bekommt einen Film ordentlich von 2D nach 3D zu konvertieren sollte mans einfach lassen.
Wenn noch mehr solcher misslungener 3D Experimente ins Kino bringen, werden die Leute imo 3D Kino in Zukunft meiden.
Aber auch richtiges 3D hätte den Film nicht unbedingt zu einem Hit gemacht.
Sunny 17.02.2011 23:15
Ich habe den Film nicht in 3D gesehen und wie man es liest hatte ich da glück...
Ich habe ihn mir auf Dvd gekauft und find ihn sehr gut gemacht.
Dennoch finde ich die Version aus den 80ern besser...
Bei der neuen fehlen einige Titanen finde ihn aber trotzdem gut...
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Kampf der Titanen. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Kampf der Titanen
Originaltitel: Clash of the Titans
USA 2010
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Travis Beacham, Phil Hay, Matt Manfredi
Produktion: Kevin de la Noy, Basil Iwanyk
Bildgestaltung: Peter Menzies Jr.
Montage: David Freeman, Vincent Tabaillon
Musik: Ramin Djawasi
Darsteller: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Gemma Arterton, Jason Flemyng
Kinostart: 08.04.2010
DVD-Angaben
Titel: Kampf der Titanen
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 102 Minuten
Extras: Nicht verwendete Szenen
Verleih ab: 10.08.2010
Verkauf ab: 10.08.2010
Copyright Kampf der Titanen
Fotos : © Warner Bros.
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Beauty
R: Oliver Hermanus
Barbara
R: Christian Petzold
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
Cincinnati Kid
So 12.02, 20:15 Uhr, arte
Neandertal
So 12.02, 20:15 Uhr, kultur (ZDF digital)
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR


























5 Kommentare