Kaboom

The end of the world as we know it: Gregg Araki persifliert seine eigene Teenage Apocalypse Trilogy – bis zur ultimativen Konsequenz.

Kaboom 1

Not with a whimper, but with a bang: Der lautmalerische Titel von Gregg Arakis zehntem Film Kaboom beschreibt den großen Knall, mit dem die Welt, wie wir sie kennen, auseinanderfliegt. Ein durchaus angemessener Titel für jenen Regisseur, der bereits in den 1990er Jahren mit seiner Teenage Apocalypse Trilogy (Totally Fucked Up, 1993, The Doom Generation, 1995, Nowhere, 1997) das wohl seinerzeit gnadenloseste Bild einer vom Exzess allmählich aufgefressenen Jugendkultur (über-)zeichnete und die Protagonisten von Bret Easton Ellis dagegen aussehen ließ wie Klosterschüler auf einem schlechten Trip. Zwischen promiskem Sex, extremem Drogenmissbrauch und allerlei Zitaten aus Populär- und Trashkultur oszillierten diese merkwürdigen, schamlos exploitativen und immer fiebrigen Filme. Mit Kaboom hat er nun, so scheint es jedenfalls, eine oberflächenpolierte Persiflage auf sein eigenes Frühwerk vorgelegt. Vielleicht kommt diese aber knappe zehn Jahre zu spät.

Kaboom 3

In der Welt nämlich, von der Gregg Araki uns erzählt, hat sich seit den 1990er Jahren wenig verändert: Collegestudenten nehmen dort noch immer viele unterschiedliche Rauschmittel, die zu knallbunten Visionen zwischen psychedelisch und albtraumhaft führen, und vögeln vorzugsweise bisexuell in wechselnden Konstellationen miteinander. Smith, der 19-jährige Protagonist von Kaboom, stolpert mit ebenso ungläubigem Blick wie wohl die meisten unter den Zuschauern durch dieses grelle, mit schrägen Charakteren und lakonischen Dialogen flott aufbereitete Szenario, wird in einem Zustand irgendwo zwischen LSD-Trip und Wachtraum von seltsamen Männern mit Tiermasken verfolgt, von der mit übersinnlichen Kräften begabten Stalkerin seiner lesbischen Freundin Stella geplagt, von diversen hetero- wie homosexuellen Liaisons auf Trab gehalten – und findet sich schließlich noch zur Aufbereitung seiner eigenen frühkindlichen Familiengeschichte gezwungen, als er seinen totgeglaubten Vater als Guru einer obskuren Weltuntergangssekte identifiziert. Diese zunächst so offen zerfasernden Handlungsstränge führt Araki dann im großen Showdown auf absurdeste Weise in einer großen Weltverschwörung zusammen, in der tatsächlich sämtliche Protagonisten dieses apokalyptischen Softsexfilms – ganz buchstäblich – unter einer Decke stecken.

Kaboom 2

Das alles ist so abwechslungsreich und unterhaltsam, wie es in der komprimierten Zusammenfassung klingt; es stellt sich gleichwohl die Frage, wie relevant es denn eigentlich noch ist. Zum apokalyptischen Finale jedenfalls spielen Placebo zu ihrem Song The Bitter End auf, eine Band, die um die Jahrtausendwende einmal ziemlich angesagt war und nun bereits seit Jahren uninspiriert Stadionrock herunterspielt. Auch Kaboom erscheint, allem Unterhaltungswert zum Trotz, auch immer ein wenig wie aus einer anderen Zeit – ein Historienfilm jedenfalls eher als ein Porträt gegenwärtiger Jugend- oder Popkultur. Das große Jahrzehnt des Nerdismus ist, jedenfalls im Kino, vorbei, und das weiß Gregg Araki auch – beinahe scheint er es mit Kaboom noch einmal demonstrativ zu einem vielleicht auch persönlichen Abschluss führen zu wollen. Ob er freilich mehr als eine knallbunte Fußnote vorgelegt hat, darüber mögen kommende Jugendkulturen richten.

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