Justin Bieber 3D - Never say never

Justin Bieber ist ein junger Musiker, dessen Markenzeichen die nach vorne frisierten blonden Haare sind. Jetzt gibt’s ihn in Spielfilmlänge im Kino.

Justin Bieber Never Say Never 07

Fan oder Nicht-Fan? Das ist die Frage, die anscheinend jeder beantworten muss, der sich zu Justin Bieber – Never say never äußert. Dieser Logik folgen jedenfalls die Hundertschaften Kommentare etwa auf der IMDb, wo der Film zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Kritik mit 1,1/10 Punkten bei knapp 30.000 Bewertungen steht. Man muss kein Kenner des Internets oder des Kinos sein, um zu wissen, dass diese Geringschätzung einer Antihaltung entspringt, die selbst Teil des Phänomens ist, das den Erfolg des inzwischen 17-jährigen Musikers Justin Bieber ausmacht. Wie kann man sich also einem solchen Film widmen, ohne direkt Partei zu ergreifen für die vielen, aber leicht verspotteten Bieber-Fans und ohne sich auf die Seite der Gegner zu stellen, die erst aufgrund des Erfolgs des blonden Buben überhaupt ein Bedürfnis verspüren, sich davon abzusetzen?

Justin Bieber Never Say Never 02

Von außen betrachtet wirkt ein Fankult meistens lächerlich, das ist bei den „Beliebers“, wie sich die Bieber-Maniacs in Anspielung auf den Glauben (to believe) auch nennen, nicht anders. Im Konzertfilm/Homemovie Never say never wirken die vorwiegend sehr jungen Mädchen hysterisch und in ihren immer gleichen Wünschen und Aussagen („Ich liebe ihn so sehr“, „Ich werde ihn heiraten“, „Ich bin sein allergrößter Fan“) scheinen sie perfekt konditioniert. Das Fanobjekt selbst ist gut erzogen, höflich, freundlich, in ständigem Kontakt mit seinen Fans via Twitter, und ja, gläubig: Ob vor der Pizza aus dem Karton im Fastfoodladen oder beim Auftritt vor Zehntausenden, Jesus wird gedankt. Insofern bekommt man in diesem Film einen doch sehr guten Eindruck, wie sich ein bestimmtes Nordamerika selbst gerne sieht: Alle sind gleich, und wer an (den christlichen) Gott und sich selbst glaubt, dem stehen alle Türen offen. Diversität gibt es nur im Gleichen: Der Film macht keinen Hehl daraus, dass die Fans austauschbar sind und sie ihre Bedeutung erst aus der großen Masse erhalten, der schieren Menge der Twitter-Follower, der YouTube-Gucker, der Konzert-Gänger. Der vermeintliche Höhepunkt des Films liegt denn auch darin, dass eine besonders große Konzerthalle ausverkauft ist.

Justin Bieber Never Say Never 04

Dass der Film heuchlerisch ist, sollte kaum überraschen, wenn man bedenkt, dass er von den Managern von Justin Bieber produziert wurde. Was wir also zu sehen bekommen, ist eine Dauerwerbesendung in Sachen Bieber: eine Verklärung seines – kurzen – Weges zum Erfolg, jede Menge Aussagen Dritter, die das Ausnahmetalent loben, und einen kleinen Blick hinter die Kulissen seiner Auftritte, mit Tourmanager, Gesangscoach, Agent und ein paar prominenten R&B-Sängern. Der private Teil kommt nicht zu kurz. Mutter und Vater, Großeltern und frühe Wegbegleiter dürfen auch zu Wort kommen, um retrospektiv festzustellen: Der Junge hat uns schon damals völlig aus den Socken gehauen, noch bevor er über YouTube „entdeckt“ wurde. Die Erfolgsgeschichte wird in groben Schritten nacherzählt, wobei Justin Bieber – Never say never darauf getrimmt ist, möglichst harmlos zu wirken und alles Streitbare außen vor zu lassen, so etwa die Bedenken von Biebers Mutter, ihren Sohn einem jüdischen Agenten anzuvertrauen. Diesen Antisemitismus übernimmt der Film immerhin latent, indem er nur die christliche Religion vorkommen lässt. Ein Aspekt, der vor allem die affirmative Perspektive von Justin Bieber – Never Say Never offenbart sowie seinen Mangel an Reflexion. Dazu gehört auch, dass der Film keinerlei ästhetisches oder dramaturgisches Konzept mitbringt, er mischt alle Formate wild durcheinander, von Kindheitsfotos, Archivaufnahmen, YouTube-Videos, neueren und älteren Interviews, sowie ein paar Konzertaufnahmen in 3D. Überraschend ist tatsächlich, dass Step Up 3D-Regisseur Jon Chu nicht in der Lage war, diese für den Film wichtigen Konzertbilder aufregender zu inszenieren. Der 3D-Effekt ist sehr gering, und da sich die Augen alle paar Sekunden wieder auf ein anderes Format konzentrieren müssen, wird er eher zum lästigen Beiwerk. Dass der Film in dieser Hinsicht eine Mogelpackung ist, haben die Macher wohl auch erkannt und recht lieblos auf alte Archivbilder noch nachträgliche 3D-Elemente und -Übergänge aufgesetzt.

Justin Bieber Never Say Never 03

Das Interesse der Fans an Justin Bieber – Never say never wird ein anderes sein, auch werden sie die gleichklingenden Songs voneinander zu unterscheiden wissen. Sie werden sich kaum langweilen, da sie die Gelegenheit bekommen, Justin Bieber mehr als anderthalb Stunden lang zu sehen. Und sie werden mit ihm zittern, wenn er seine scheinbar größte Herausforderung in seinem noch jungen Leben zu meistern haben wird: In der zweiten Hälfte des Films, Achtung, jetzt kommt’s, muss er eine Erkältung durchstehen.

Trailer zu „Justin Bieber 3D - Never say never“


Trailer ansehen (2)

Kommentare


Remmud Ratnemmok

Ich frage mich immer was quälender ist: Den Film zu schauen oder hinterher auch noch einen Text zu verfassen? Aber vielleicht ist es auch eine Möglichkeit nach so viel "nicht nur sauber, sondern rein" sich wieder ein wenig beim realen Texthandwerkern zu beschmutzen. Echte Arbeit, echter Schweiß. Beliebe it or not!


Frédéric

Definitiv das Schreiben. Das Gucken ist ja darauf optimiert, dass es schnell vergeht. Und beim Schreiben wird erst das ganze Ausmaß des Films bewusst. In meiner Vorführung waren aber auch keine kreischenden Mädchen.


shirin

coll freu mich schon ihn zusehen♥♥♥


Le_Frank

@shirin: Wo sind die Ironie Tags?
Meine Schwester hat ihren Töchtern (9u.11)den Filmbesuch verweigert, wohl wissend, das der Reiz des Verbotenen das Verlangen noch steigert. Gerade bei Kindern. Es war mir dann ein Vergnügen, den Kindern in einem sehr unterhaltsamen Gespräch zu vermitteln, wie solche Pop/Medienzombies gemacht werden und welche Absicht dahinter steckt. Hat gewirkt:-)


dr kinokenner

Justin du bist echt der Hammer und der Film ist obergeil!!! Ich habe ihn heute gesehen und er war wundervoll, obwohl ich vorher kein Justin Bieberfan war. Jetzt bin ich es aber definitiv! Also der Film ist spitze, egal was hier viele (unwissende spießiege) langweiler sagen!! also definitiv sehenswert! Und ich würde niemals meinen Kindern verbieten, dort hineinzugehen, da dieser Film ein fach zum Träumen inspiriert!


Meli

Ich fand den Film wirklich toll und das nicht nur, weil ich Justin Bieber schon vorher gemocht habe. Er ist mitreißend, interessant und inspirierend. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr viele der Menschen, die ihn nicht mochten und trotzdem den Film angeschaut haben, ihn toll fanden oder zummindest nicht so schlecht, wie sie sagen. Nur wollen sie es offensichtlich aus irgendeinem Grund nicht zugeben...*feige?!*






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.