Johnny English 2 - Jetzt erst recht

Rowan Atkinson kehrt als Johnny English auf die Kinoleinwand zurück. Diesmal hangelt er sich über den halben Globus hinweg durch altbekannte Gags der Agentenfilmparodie.

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2003 schlüpfte Rowan Atkinson zum ersten Mal in die Rolle als James-Bond-Verschnitt Johnny English und blödelte sich zusammen mit John Malkovich und Natalie Imbruglia durch alle möglichen Agentenfilm-Klischees. Zwar vollzog Atkinson damit gegenüber seiner Figur des infantilen Mr. Bean (1989 -1995), die ihn weltbekannt gemacht hat, einen deutlichen Rollenbruch, doch funktionierte der britische Schauspieler immer noch bestens als Zuschauermagnet und machte den Film zum Erfolg an den Kinokassen. So ist es nicht verwunderlich, dass nun eine Fortsetzung folgt. Der Prominenzanteil ist in Johnny English – Jetzt erst recht (Johnny English Reborn) zwar nicht mehr so hoch, dafür expandierte Regisseur Oliver Parker bei der Auswahl der Schauplätze. Während sich der erste Teil lediglich auf britischem Boden abspielte, führt English seine neue Mission von einem tibetanischen Kloster über Hongkong bis in die französischen Alpen.

Die eigentliche Handlung ist allerdings wie bereits im ersten Teil eher Nebensache. Das Augenmerk richtet sich in erster Linie wieder auf die Performance von Rowan Atkinson. Leider ergibt sich gerade hieraus das Hauptproblem des Films. Atkinson erspielte sich seinen Weltruhm als Mr. Bean durch seinen körperbetonten Humor, der stark an Slapstick-Klassiker wie Buster Keaton erinnert. Besonders seine ausgeprägte Mimik, sein sogenanntes rubber face, ermöglichte ihm eine ganz spezifische Situationskomik zu erzeugen, die allein von der wortlosen Darstellung lebte. Die Rolle des Dummschwätzers Johnny English mitsamt den obligatorischen Actioneskapaden hingegen gibt Atkinson für seine ausgefeilten und nuancierten Darstellungskünste kaum Raum. Auch wenn der Humor der Fortsetzung nicht ganz so derbe ist wie im ersten Teil und wenigstens auf die Fäkalspäßchen verzichtet, geht es dennoch um nichts weiter als die Aneinanderreihung simpler Kalauer. Dafür hätte es keinen Rowan Atkinson gebraucht. Letztlich wird Johnny English – Jetzt erst recht damit vor allem zu einem weiteren Beitrag zu den nur sehr mäßig witzigen Kinofilmen des ehemaligen britischen Komikers par exellence, die seiner Karriere einen unwürdigen Nachgeschmack verleihen.

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Bei der Inszenierung der Gags bewegt sich Parker ebenso wie Peter Howitt beim Vorgängerfilm fast ausschließlich auf erprobten und abgegrasten Pfaden. Die James-Bond-Parodie stellt mittlerweile beinahe ein eigenes Subgenre dar, das seine Anfänge bereits nur wenige Jahre nach der allerersten Bondverfilmung James Bond jagt Dr. No (Dr. No, 1962) mit Werken wie Derek Flint schickt seine Leiche (Our Man Flint, 1966) oder Casino Royale (1967) fand. Die Johnny-English-Filme verwerten nicht nur die altbekannten Gags ihrer vielzähligen Vorläufer wieder, sondern bedienen sich auch kräftig bei anderen Komödien. Beinahe jeder witzige oder witzig gemeinte Moment lässt unschwer ein Vorbild erkennen. Die Figur des Johnny English ist durch die Gegensätzlichkeit von maßloser Selbstüberschätzung und gravierender Vertrotteltheit charakterisiert, durch die er sich immer wieder selbst in chaotische Situationen manövriert, wie man sie von Blake Edwards Inspektor Clouseau (1963-1982) kennt. Eine andere, insgesamt dreimal immer gleich eingesetzte Pointe etwa übernimmt die folgenschwere Verwechslung von zwei sich ähnelnden Personen, die bereits der Polizist Frank Drebin in die Die nackte Kanone (The Naked Gun, 1988-1994) immer wieder erlitt.

Einige gelungene Momente gibt es immerhin doch noch. In einer an die parkourartige Verfolgungsjagd des ersten Craig-Bonds (Casino Royale, 2006) angelehnten Sequenz verweigert sich Parkers Film komplett den wesentlichen Elementen einer solchen Actionszene, anstatt sie einfach in die übersteigerte Lächerlichkeit zu ziehen. Englishs Verfolgung gestaltet sich bewusst unspektakulär, aber effektiv. Er versucht gar nicht erst, über den Zaun zu springen, sondern geht einfach durch die Tür und klettert auch nicht ein Bambusgerüst hinunter, sondern fährt bequem mit dem Lift. Ein anderer belustigender Aspekt ist die offen ausgesprochene Übernahme der Product-Placement-Strategie der offiziellen Bond-Filme. Bei Parkers MI7 verfügen die Spezialagenten nicht nur über einen mit diversen Gadgets ausgestatten Flitzer der Marke Rolls Royce, sondern die komplette Geheimdienst-Abteilung hat ihre Namensrechte an einen asiatischen Technologiekonzern verkauft – English arbeitet somit für die Toshiba British Intelligence.

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Diese rar gesäten amüsanten Momente machen Johnny English – Jetzt erst recht jedoch zu keiner ernsthaften Option für ein vergnügliches Kinoerlebnis – nicht einmal als Lückenfüller bis zum nächsten richtigen Bond.

Trailer zu „Johnny English 2 - Jetzt erst recht“


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