Johannes XXIII. – Für eine Welt in Frieden

Mit dem Briten Bob Hoskins in der Hauptrolle verfilmte der Italiener Ricky Tognazzi das bewegende Leben des Papstes Johannes XXIII., den die Gläubigen den „guten Papst“ nannten.

Johannes XXIII. – Für eine Welt in Frieden

Bereits der Vorspann zeigt das Leben Angelo Roncallis, des späteren Papst Johannes XXIII., im Kurzdurchlauf: geboren am Rande der Südalpen als Bauernsohn, durfte die Schule besuchen, später das Priesterseminar, zunächst Sekretär des Bischofs von Bergamo, dann Diplomat des Vatikan in Bulgarien, dann Istanbul, Nuntius in Paris, Ernennung zum Kardinal und Patriarchen von Venedig, 1958 zum Papst gewählt. Unterlegt wird der Zusammenschnitt mit kardinalroter Farbe und der anrührend-kitschigen Musik Ennio Morricones. Dabei blickt immer wieder das gütig lächelnde Gesicht des britischen Charakterdarstellers Bob Hoskins in die Kamera, der in Ricky Tognazzis Film die titelgebende Hauptrolle übernahm.

Johannes XXIII. – Für eine Welt in Frieden

Hoskins spielt den bauernschlauen, schlitzohrigen Roncalli souverän mit einer Mischung aus Güte und Unbeugsamkeit, einen gewieften Diplomaten, der von seinen Gegnern gerne unterschätzt wird. Jedoch muss Tognazzis Versuch, das bewegte Leben Angelo Roncallis detailgenau in 103 Minuten zu erzählen, auch an seinem eigenen Anspruch scheitern – dazu war das Leben dieses Papstes zu komplex. Seine Jugend als Sohn hart arbeitender Bauern endet in Tognazzis Werk als tränenreicher Abschied zwischen dem kleinen Angelo und dem Vater, der ihn ängstlich in die große, unbekannte Welt ziehen lässt. In Wirklichkeit wird es wohl eher so gewesen sein, dass die Eltern ihren Sohn auch deshalb ungern gehen ließen, weil er eine weitere wichtige Arbeitskraft darstellte. Jede Szene in Ricky Tognazzis Film dient der filmischen Verklärung des Lebens des „guten Papstes“, wie ihn der Volksmund nannte. Das Werk, ursprünglich als Miniserie für Silvio Berlusconis TV-Sender Canale 5 gedacht und produziert von der Mediengruppe Mediaset, an der der italienische Regierungschef Hauptanteilseigner ist, ist über weite Strecken unreflektierte, oberflächliche Verklärung.

Mit einem teilweise holprigen Drehbuch, an dem auch Marco Roncalli, der Großneffe des Papstes, mitwirkte, und den eingängigen Melodien Morricones, immer geschickt in hochemotionalen Szenen eingesetzt, um dem Zuschauer zum Mitfühlen zu bewegen, hat Tognazzi einen TV-Film geschaffen, der zumindest in den Zeitgeist passt: Gerüchten zufolge ist die Verfilmung des Lebens Johannes Pauls II. bereits in Auftrag gegeben.

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