Jennifer’s Body
Karyn Kusamas Kooperation mit Juno-Autorin Diablo Cody wuchert mit den Schauwerten des Stars Megan Fox – und dreht sich doch mehr um andere Dinge als um Sex.
Devil's Kettle in Minnesota ist ein richtiges amerikanisches Kaff. Als die Band „Low Shoulder“ aus der großen Stadt einen Gig in der örtlichen Kneipe spielen will, sind natürlich auch die Schülerinnen Jennifer (Megan Fox) und ihre beste Freundin Anita, genannt Needy (Amanda Seyfried), vor Ort. Leider gerät der Abend aus dem Ruder: Die Kneipe brennt nieder, fast alle Besucher des Konzerts sterben, und Jennifer wird von der Rockband, im Austausch gegen Ruhm und Erfolg, dem Teufel als Menschenopfer dargebracht.
Das geht schief, denn das Ritual des Menschenopfers verlangt eigentlich nach einer Jungfrau, Jennifer hingegen ist alles andere als das. Die Band unterschreibt zwar bald darauf den ersehnten Plattenvertrag, Jennifer aber kehrt, von einem Dämon besessen, von den Toten zurück. Der muss nun regelmäßig mit Menschenfleisch gefüttert werden, und so setzt Jennifer ihre Verführungskünste ein, um männliche Schulkameraden an stille Orte zu locken und dort auszuweiden.
Von der ersten Einstellung an verspricht der Film Sex: Da liegt Jennifer ausgestreckt auf ihrem Bett, und die Kamera steigt langsam an dessen Fußende empor; doch so sexuell aufgeladen der Blick zwischen ihre Beine auch gedreht ist, näher rückt man nicht an Jennifers Körper heran. Das Spiel mit diesem Versprechen von Sex beginnt sogar schon vor dem Film, auf den Werbeplakaten, die Megan Fox in anzüglichen Posen zeigen, in an pornografische Stereotype erinnerndem Schulmädchenoutfit.
Aber das ist ein Trick, denn nackte Körper gibt es in Jennifer's Body ebenso wenig zu sehen wie Sex; wann immer die beiden Protagonistinnen zum Geschlechtsakt ansetzen, kommt spätestens kurz vor dem Höhepunkt etwas dazwischen, und anzüglich wird es nie. Wenn Regisseurin Karyn Kusama (Girlfight, 2000; Æon Flux, 2005) Megan Fox in immer wieder neuer knapper Bekleidung zeigt, so setzt sie ihre Hauptdarstellerin doch nie so lasziv und exploitativ in Szene wie das Michael Bay in Transformers (2007) gemacht hat. Zugleich spielt die star persona der als so einfältig wie frech und sexy vermarkteten Fox natürlich auch für Jennifer's Body implizit eine große Rolle: Da ist es wieder, das Versprechen.
Im Film selbst wird über Sex aber vor allem gesprochen, zwischen Needy und Jennifer ist das immerzu Thema; ihre Unterhaltungen und Streitereien sind voller Anspielungen und Doppelbödigkeiten (die die deutsche Synchronisation womöglich glattbügeln wird). Jennifers Körper, und darauf bezieht sich der Titel, der im Übrigen einem Songtitel von Courtney Loves Band Hole entliehen ist, ist dabei einerseits der zentrale Bezugspunkt des hetero- wie des homosexuellen Begehrens („I go both ways“ verkündet Jennifer am Wendepunkt des Films). Er ist andererseits Heimstatt für den Dämon und damit Ausgangspunkt des Grauens, das Devil's Kettle heimsucht.
Und auch wenn das Drehbuch von Diablo Cody immerzu auf Sex verweist und man nicht umhin kann, im Angesicht des Films, nicht nur in diesem Text, fortwährend davon zu sprechen, das ist nur Oberfläche. Kusama und Cody nehmen den Kleister Sexualität, der das Horrorkino so oft unterschwellig zusammenhält, den man allzu oft in gezückten Messern und monströsen Mäulern wiederzufinden glaubt, und schütten ihn von außen kübelweise über diesen Film: Da wird nichts sublim versteckt, sondern stattdessen mit weiblichen Reizen gewuchert – ihre Brüste, sagt Jennifer, sind wie zielgerichtet einsetzbare Waffen – und dennoch nichts gezeigt.
Kusama und Cody haben verlautbart, es sei ihnen um eine Rückkehr zum Horrorkino der 1970er und 1980er Jahre gegangen, und man merkt diese Referenz in der fast andächtigen Geschwindigkeit, mit der der Film voranschreitet, in den unaufgeregten Schnitten und in den für heutige Verhältnisse mäßig blutigen und vor allem wenig furchtbaren Schreckmomenten. Zugleich ist der Film aber natürlich auf der Höhe der Gegenwart: postmodern und voller Ironie. Die Wortgefechte zwischen Jennifer und Needy sind von Onelinern und Anspielungen getränkt: Cody gibt Teenagern in ihrem Drehbuch, wie schon in ihrem Erstling Juno (2007), eine eigene Sprache, einen eigenen sozialen Code, dessen ironischer Grundton aber auch stets Distanz von der Filmhandlung erzeugt.
Auch aufgemöbelte Geschlechtermodelle gehören zu dieser Postmodernität selbstverständlich dazu. Hier sind nicht nur die Hauptfiguren alle weiblich, ihre Gespräche drehen sich auch meist nicht um Jungs. Irgendwann läuft dann Needy wie eine Prinzessin im pinken Abendkleid durch einen Park – aber eben nicht auf der Flucht vor dem Monster, sondern um ihren Prinzen zu retten. So wird der Horrorfilm des 20. Jahrhunderts verabschiedet, während der Film die Sexualität und die Freundschaft seiner Protagonistinnen in den Vordergrund rückt, das heißt auch: Unsicherheiten und Ängste aus Sicht weiblicher Teenager. (Jennifer's Body ist darin ein dunkleres Gegenüber zu Teeth (2007), in dem die Protagonistin ihre Vagina Dentata schätzen lernt und gegen jene Männer einsetzt, die sie nur als Sexualobjekt betrachten.) Needy – ihr Spitzname markiert schon ihre anfängliche Position in der Freundschaft zu Jennifer – ist dabei die eigentliche Hauptfigur, und ihre Emanzipation von der mächtigeren Sandkastenfreundin das Thema des Films, für das der Männer fressende Dämon in Jennifers Körper fast ein etwas aufgedunsenes Bild ist.
Die Freundschaft zwischen den Mädchen, und das ist das größte Problem in Jennifer’s Body, wird jedoch nie spürbar. Das liegt zum Teil am Drehbuch, das keinen richtigen Blick auf die Gründe und Abgründe ihrer Beziehung erlaubt. Man nimmt vor allem jedoch Fox' und Seyfrieds Spiel die Freundschaft ihrer Figuren nicht ab; Fox verkörpert zwar die nach außen hin distanzierte, arrogante Jennifer überzeugend, in den Szenen mit Seyfried ist aber nichts von jener verborgenen, tieferen Ebene zu spüren, aus der sich angeblich die Beziehung noch speist.
Das ist bedauerlich, zumal Megan Fox den visuell stärksten Moment des Films ganz für sich allein hat. Da steht Jennifer in Needys Küche, schmutzig und blutig und frisch von den Toten auferstanden, und ein Grinsen zieht über ihr Gesicht. Diese Grimasse ist so lebenshungrig, so maliziös und zugleich lusterfüllt, so abgrundtief böse und vielschichtig, wie man es seit langem nicht mehr im Kino gesehen hat.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 31.10.2009
Kommentare zu Jennifer’s Body
Chris 06.06.2010 01:07
Also, ich habe mir den film angeguckt, im kino - also legal :)
und das obwohl der film schon umsonst auf myvideo zuverfügung stand! will ich nur mal erwähnen :)
zurück zum film, die hochgelobte megan fox, die erbin von angelina jolie ...
Warum wird sie so genannt? frau fox konnte mich in diesen film garnicht überzeugen, absolut garnicht, amanda seyfried war da um lengen besser.
Das drehbuch ist simpel, die kamera führung ist gut!
leider war das bild, nicht wirklich hollywood like, man kann es vergleichen mit einen sat1 dienstags film ... über den ich jetzt NICHT lästern will!!! Aber aus hollyood erwartet man dann doch mehr, alles im ganzen gesehen, wäre die rolle von frau fox besser besetzt gewesen mit jeanette biedermann!
Und das meine ich ernst!
bevor ich jetzt gemein werde das fazit,
die schauspieler
Amanda ist super!
Johnny simmons, adam brody, kaden k. Amy Sedari, Jesse Catlien,Jk haben den film dennoch ertragbar gemacht, viele von den noch recht unbekannten schauspielern, haben besser als megan fox gespielt!
Film kaufen?.
nein, mein Tipp - ab in die videothek und ausleihen ... :) meine meinung :)
lena 28.06.2010 16:23
also ich habe denn film noch nicht gesehen werde ihn mir aber bald ansehen ja ((:
i glaube das der film gut werden wird und was ich so im trailer gesehen habe finde ich schon gut wie megan fox spielt ! ich finde sie ist ne tolle schauspielerin XDD !
und ja das wars .. ich freu mich auf den film XD !
angelina 08.12.2011 09:27
Ich finde den Film Relativ gut.ist mal was anderes als diese typischen " horror" filme. er hatt was. manche finden den gut manche eben nicht. ich denek schon das viele leute angesprochen werden mit dem film. aber wie gesagt " hater" gibts immer(: besser gesagt kritiker. also ich find den gut!!!
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Jennifer’s Body
Plakattitel: Jennifer’s Body – Jungs nach ihrem Geschmack
USA 2009
Laufzeit: 102 Minuten
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Regie: Karyn Kusama
Drehbuch: Diablo Cody
Produktion: Mason Novick, Daniel Dubiecki, Jason Reitman
Bildgestaltung: M.David Mullen
Montage: Plummy Tucker
Musik: Theodore Shapiro, Stephen Barton
Darsteller: Megan Fox, Amanda Seyfried, Johnny Simmons, Adam Brody, J.K. Simmons, Amy Sedaris
Kinostart: 05.11.2009
DVD-Angaben
Titel: Jennifer´s Body - Jungs nach ihrem Geschmack
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Italienisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe
Spieldauer: 103 Minuten
Extras: 6 unveröffentlichte Szenen;Videotagebücher (Megan Fox & Johnny Simmons, Amanda Seyfried, Diablo Cody, Dan Dubiecki);
Verleih ab: 05.03.2010
Verkauf ab: 19.03.2010
Copyright Jennifer’s Body
Fotos: © 2009 Twentieth Century Fox
BERLINALE 2012

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