Jayne Mansfield's Car

Ein Familiendrama in den Südstaaten der USA über nicht mehr junge Männer und ihre Väter.

Jayne Manfields Car 6

Nicht weniger als fünf Vater-Sohn-Konflikte sind es, die den thematischen Kern von Billy Bob Thorntons erster Regiearbeit seit elf Jahren ausmachen. In den meisten steht der Patriarch Jim Caldwell im Mittelpunkt, gespielt von einem herrlich grummeligen Robert Duvall. Sein Verhältnis zu seinen drei Söhnen ist geprägt von Enttäuschung, emotionaler Verhärtung und fehlender Kommunikation.

Klingt wie die Geschichte der Weltkriegsväter und der 68er Söhne, aber Jayne Mansfield’s Car entdeckt dieselben Muster eine Generation vorher: Jim hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, zwei seiner Söhne im Zweiten. Carroll (Kevin Bacon) ist durch seine Kriegserfahrungen zum Pazifisten geworden und lebt als 50-jähriger Hippie in einer Kommune. Skip (Billy Bob Thornton) hat nicht nur seelische Narben davongetragen. Der dritte Bruder (Robert Patrick) hat gar nicht gekämpft und leidet deshalb unter Minderwertigkeitskomplexen.

Jayne Manfields Car 3

Die Geschichte spielt 1969 in den amerikanischen Südstaaten und kommt ins Rollen, als die Mutter der Familie stirbt – die vor 20 Jahren Mann und Kinder verlassen und sich in England neu verheiratet hat. Die Beerdigung soll in den USA stattfinden, und die sowohl gefürchtete als auch mit Spannung erwartete Anreise ihrer bisher unbekannten neuen Familie bringt so manches ins Rollen: die Konkurrenz zwischen den beiden mittlerweile alten Männern, der Zusammenprall von Neuer und Alter Welt (John Hurt als Kingsley gibt einen enorm distinguierten Briten ab), und eben die Vater-Sohn-Konflikte, von denen es bei den Besuchern auch einen gibt.

Als Figur kann neben Duvall vor allem Thorntons Skip überzeugen, der trotz Heldentaten im Krieg emotional ein Kind geblieben ist und den ein oder anderen Tick vorweisen kann. So begeistert er sich erotisch für den ausgeprägten britischen Akzent seiner Stiefschwester Camilla (Frances O’Connor), einer in jeder Hinsicht neugierigen Frau.

Jayne Manfields Car 4

Die Begegnungen zwischen den beiden so unterschiedlichen Familien sind als witzige Konfrontationen inszeniert und haben hohen Unterhaltungswert; über weite Strecken macht Jayne Mansfield’s Car schlicht und einfach wirklich Spaß. Die ernsten Themen werden dabei nicht für billige Witze über dysfunktionale Familien missbraucht, bei aller Komik wird immer Distanz zum Klamauk gehalten. Als es einmal pathetisch zu werden droht, ersetzt ein beherzter Faustschlag die Schere des Cutters. In mehreren Momenten des Innehaltens lässt Thornton die Szenerie in ein Zeitlupentableau münden, was die hübsche Wirkung einer entspannenden Vision entfaltet, einer Lockerungsübung in all der Anspannung. Und eine intensive – und sehr komische – Drogenerfahrung sorgt dann am Ende für den Ausgleich. Überhaupt wagt der Film mehr als die üblichen Familiendramen aus den USA, was daran liegen mag, dass er von russischen Produzenten finanziert wurde.

Dennoch kann man mit Jayne Mansfield’s Car nicht ganz glücklich werden. Manch Konflikt wird zu formelhaft entwickelt und gelöst, viele der (vielleicht zu) zahlreichen Figuren bleiben schemenhaft. Es wirkt schlicht unausgereift, wenn ganz am Anfang zwei schwarze Bedienstete aus Jim Caldwells Haushalt eine eigene Szene bekommen, eng zusammen im Auto, nur um die Vorgeschichte über die Mutter zu erzählen, die ihre Familie verlassen hat. Ein reines Erklärstück für den Zuschauer, das durch eine elegantere Lösung hätte ersetzt werden müssen, denn die beiden Bediensteten spielen danach nicht mehr die geringste Rolle im Film. Eine andere Nebenfigur hat zwei Auftritte als vulgärer Dauerquassler und wird dann ebenfalls schnell vom Drehbuch vergessen.

Jayne Manfields Car 5

Der Vater-Sohn-Topos dagegen wird konsequent durchgehalten. Mit dem fünften Konflikt dieser Art nämlich endet der Film, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: als der 18-jährige Sohn von Bacons kriegstraumatisiertem Hippie sich freiwillig für Vietnam meldet.

Mehr zu „Jayne Mansfield's Car“

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.