Jakobs Bruder

Ein ungleiches Brüderpaar, gespielt von den Fernsehstars Klaus J. Behrendt und Christoph Maria Herbst, macht sich in diesem Debütfilm gemeinsam auf einen hindernisreichen Weg.

Jakobs Bruder

Mit Roadmovies, einem ur-amerikanischen Genre, ist es in Deutschland so eine Sache. Wie soll man auf diesem eng begrenzten, von langweiligen Autobahnen durchzogenen Raum, in dieser bestens ausgeschilderten Heimat mobiler Effektivität eine interessante, überraschende Reise inszenieren? Detlev Buck ist dafür vor 16 Jahren eine Lösung eingefallen: Seine Helden in Wir können auch anders … waren Analphabeten, und wenn man Verkehrs- und Ortsschilder nicht lesen kann, findet man sich schnell auf einer ganz persönlichen Odyssee wieder. Können die Helden aber lesen, wie Klaus J. Behrendt und Christoph Maria Herbst als ungleiches Brüderpaar Jakob und Lorenz, dann muss man schon Dinge wie einen Motorschaden bemühen, oder sogar eine ganze Flotte von Lkw-Fahrern, die sich –  durch CB-Funk bestens koordiniert – bedrohlich nähern. Nur dann geht es auf die langsamen Nebenstraßen, wo man sich schon mal verfahren kann.

Der Film selbst gerät dabei allerdings nicht auf interessante Abwege. Jakobs Bruder steuert zielstrebig auf seine Lösung zu, unterbrochen nur von typischen Versatzstücken aus der Drehbuch-Werkstatt wie den Auseinandersetzungen der Marke „ungleiches Paar, aneinander gefesselt“: Jakob und Lorenz, die sich seit Jahren nicht gesehen haben, sind nämlich auf dem Weg zu ihrer Mutter (Hannelore Elsner in einer Mini-Rolle). Die, so hat Lorenz betrübt berichtet, sei an Alzheimer erkrankt.

Jakobs Bruder

Ein solcher Standard-Plot bedarf schon einer ungewöhnlichen Umsetzung, um fesselnd zu sein. Aber das Debüt von Regisseur und Mit-Autor Daniel Walta ist zwar eine kompetent und über weite Strecken unterhaltsam zusammengesetzte Geschichte, inhaltlich aber wenig originell und mit nur sehr seltenen visuellen Einfällen erzählt. Zu diesen fernsehtypischen Mängeln, die im Kino mehr auffallen als im Wohnzimmer, kommt noch die Fernsehbekanntheit der Hauptdarsteller, die beide fest mit ihren bekanntesten Rollen verwachsen sind. „Tatort“-Kommissar Behrendt und „Stromberg“-Herbst befinden sich in Jakobs Bruder zwar inhaltlich weit außerhalb, ästhetisch aber tief innerhalb ihres Biotops. Die Lücke dazwischen wissen sie gut zu füllen. Behrendt gibt seine Figur als zugleich verschlossenen, emotional verhärteten und cholerischen Spießer, der Wörter wie „Fräulein“ und „Geschlechtsverkehr“ benutzt. Herbst als Antipode dazu sitzt die Lederjacke locker auf den Schultern, wenngleich sein manchmal durchbrechendes ignorantes Dauergequatsche, ein Relikt seiner Persona als Büroekel Stromberg, nicht recht zu der Sensibilität passen will, die diese Figur dann in anderen Szenen wieder auszeichnet.

Dass Jakob und Lorenz sich auch noch vor einer Kneipe schlagen, ist so wenig eine Überraschung wie das Mädchen (Sophie Rogall), das sie unterwegs aufgabeln und das natürlich seine eigenen Probleme hat. Diese eigenen Probleme sind dann aber gar nicht so verschieden – wie bei allen Personen des Films geht es um die Familie, sei es das Verhältnis zum Bruder, zum Vater oder zum Sohn.

Jakobs Bruder

So fernsehfilmgeprägt, wie die Handlung von Jakobs Bruder ist, so ist auch die Regie. Die Reise führt durch die immer gleiche Landschaft mit Kornfeldern und Windkraftanlagen, dazu werden abwechselnd zwei musikalische Motive gespielt: mal eine gezupfte und mal eine geschrammelte Gitarre. Schlüsselszenen sind als schon zu oft gesehene Standardsituationen inszeniert: Das erste Erkennen zweier Liebender geschieht zum Beispiel, nachdem Geschirr zu Boden gefallen ist und beider Hände sich beim Aufheben der Scherben berühren. Rückblenden werden mit scharnierartigen Schnitten zwischen Gegenwart und Vergangenheit ein- und ausgeführt (ein Wurstbrot, eine Schlägerei, eine Sexszene). Diese Rückblenden, die Schritt für Schritt  von der mehr oder weniger problematischen Familiengeschichte erzählen, sind ausführlicher, als sie sein müssten und unterbrechen den Erzählfluss immer wieder. Das ist etwas viel ins Leere laufender Aufwand für eine Geschichte, die letztlich nur bebildert, dass Familie oft schwierig, aber eben doch auch irgendwie wichtig ist.

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Kommentare


Conny

dieser kritik kann ich nicht zustimmen. ich finde die einfachheit des filmes, die hier kritisiert wurde, gerade gut. auch finde ich, dass behrent und herbst ihre rollen authentisch spielen und keineswegs an tatort oder stromberg erinnern. vorhersehbar ist nicht immer schlecht und hier, war am ende doch eine unvorhersehbarkeit zu trage gekommen, nämlich, dass es der sohn selbst ist, der an alzheimer leidet. und mit diesem wissen ist die einfachheit des filmes rückblickend sehr sinnvoll gewählt, um das motiv, die gefühle innerhalb der familie und auch im hinblick auf die krankheit, zu fokussieren.






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