Itty Bitty Titty Committee

Anna liebt Sadie, die aber weiß noch nicht so recht: Gemeinsam machen sie bei den „Clits in Action“ feministische Aktionen mit viel Rabatz.

Itty Bitty Titty Committee

Für manche Filmtitel gibt es im Deutschen keine Entsprechung, und man kann den Verleihfirmen gelegentlich dafür dankbar sein, einen Originaltitel einfach stehen zu lassen, auch wenn man ihn den meisten Nicht-Muttersprachlern erst erklären muss. Denn „Itty Bitty Titty Committee“ ist dann, hat man diese Übersetzungsleistung erst einmal hinter sich, so sprechend, das allein mit diesem Titel schon viel über den Film gesagt ist.

Dieses „Committee“, dessen Bezeichnung sich der Film also als Namen leiht, beschreibt im amerikanischen Slang die Gruppe jener Mädchen und jungen Frauen, die über Brüste nur geringer Größe verfügen und durch diesen vermeintlichen Mangel in der Hierarchie des Begehrens ebenso weit unten landen wie in der Hackordnung ihrer Schulen: Kleine Brüste bringen’s nicht.

Itty Bitty Titty Committee

Der Film deutet so schon im Titel an, dass er sich durchaus ironisch mit solch fragwürdigen Schönheitskonzepten auseinandersetzen will: Denn hier beschäftigen sich die feministisch engagierten Lesben von „Clits in Action“ – kurz: „C(i)A“ – damit, Werbeplakate mit halbnackt präsentierten Frauen zu überkleben oder Slogans an Schönheitskliniken zu sprühen.

Mit einem solchen Moment setzt die eigentliche Handlung des Films ein, der dann doch eher eine klassische Liebesgeschichte als ein politisches Manifest sein soll: Anna (Melonie Diaz) ist, frisch von der High School, gerade von ihrer Freundin sitzen gelassen worden und überrascht eines Abends Sadie (Nicole Vicius) dabei, wie sie feministische Slogans an die Klinik sprüht, in der Anna am Empfang jobbt.

Natürlich wird Anna sich den „C(i)A“ anschließen (Verliebtheit mag eine Rolle spielen), und natürlich entwickeln sich reichlich Spannungen zwischen den Mitgliedern der Gruppe, amouröser wie politischer Art. Regisseurin Jamie Babbit, die zuletzt mit Weil ich ein Mädchen bin (But I’m a Cheerleader, 1999) einen größeren Erfolg hatte, sonst aber viel fürs Fernsehen arbeitet, nutzt den Rahmen, den sie gesteckt hat, für einen unterhaltsamen Durchmarsch durch die Vielfalt lesbischer Identitäten (bis hin zur wegen ihrer Homosexualität unehrenhaft aus der Armee entlassenen Bombenspezialistin) und den Konflikt zwischen der „zweiten“ und der „dritten“ Welle der Frauenbewegung.

Itty Bitty Titty Committee

Dass der Film nie zu langweiligem Thesenkino wird, liegt vor allem daran, dass Babbit sich vor allem für ihre Protagonistinnen und deren Liebeshändel interessiert und auch immer genug Selbstironie aufbringt. Zugleich schenkt sie der Ausgestaltung der Nebenfiguren, insbesondere Sadies älterer Freundin und feministischer „Veteranin“ Courtney (Melanie Mayron), nicht weniger Aufmerksamkeit als den Hauptpersonen.

Babbit gelingt mit ihrem Film ein kleiner politischer Grundkurs mit den Mitteln der Unterhaltungsindustrie. Als direkte Handlungsanweisung sollte man das sicher nicht unbedingt lesen, aber gerne als Aufruf zum Handeln und dazu, nicht immer nach äußerlicher Perfektion zu streben: Itty Bitty Titty Committee präsentiert einige der schlechtesten Spezialeffekte, die seit langem auf der Leinwand zu sehen waren. Aber darauf kommt es wirklich nicht an.

Trailer zu „Itty Bitty Titty Committee“


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