Iron Man 2

Ironisch versiegelter Militarismus: Robert Downey Jr. und Mickey Rourke in Iron Man 2.

Iron Man 2

„I just successfully privatized world peace“, erklärt Tony Stark aka Iron Man (Robert Downey Jr.) stolz gegenüber Senator Stern (Gary Shandling). Der möchte den eisernen Superhelden, dessen Genese vor zwei Jahren dem Marvel Studio einen Überraschungserfolg bescherte, entwaffnen, oder zumindest den demokratischen checks & balances unterordnen. Die Politiker granteln, die Fans des Iron Man bejubeln auch diesen Spruch. Tony Stark ist zum Showman geworden. Gleich mehrere bombastische, medienstrategisch exakt durchgestylte Auftritte absolviert der Superheld in der ersten Filmhälfte. Hinter der glänzenden Fassade gibt es Probleme: Starks Körper ist mit der Superheldentechnologie, die ihm buchstäblich in die Brust gepflanzt ist, nicht kompatibel. Iron Man siecht langsam dahin, Robert Downey Jr. gibt den halbseidenen Entertainer, der seine eigene Schwäche hinter großen Gesten zu verbergen sucht. Ein schöner Ansatz, aus dem der Film wenig macht.

Iron Man 2

Natürlich bleibt der eigene Körper nicht Iron Mans einziger Gegner. Schon im Prolog bastelt ein langhaariger, verwahrloster Irrer in Moskau an einer Elektropeitsche. Der Irre, der den Kalten Krieg ins Blockbusterkino reimportiert, ist Atomphysiker und wird von Mickey Rourke verkörpert, der sich bald darauf zurecht macht und zum durchgeknallten Hippster mit Szenebrille mutiert. Was natürlich die Monstrosität des Rourke’schen Körpers nur noch absurder zum Vorschein treten lässt. Die Szenen mit Rourke gehören zu den stärkeren im Film. Leider lässt es der Film dann aber nicht bei einem Zweikampf bewenden. Durchaus in der Logik des Genres wächst die Anzahl der Superhelden in der Fortsetzung exponentiell; der Fluchtpunkt noch fast jedes Superheldenfilms: Männer in bunten Rüstungen, soweit das Auge reicht. Ziemlich öde gestaltet sich dieser Fluchtpunkt in Iron Man 2. Ist die erste große Actionszene – während des Grand Prix von Monaco – noch durchaus originell in Szene gesetzt, steht am Ende ein bunt schimmerndes, Kopfschmerzen induzierendes Chaos.

Iron Man 2

Noch ein Zitat: „Everything is achievable through technology!“ Gleich mehrmals fällt dieser Satz im Film, als wolle der sich seiner Sinnhaftigkeit immer wieder versichern. Gesprochen wird er von Tony Starks Vater, der seine Ideologie dem Sohn in die Wiege gelegt hat. Wie schon der Vorgängerfilm ist auch Iron Man 2 dann am besten, wenn Tony Stark in seinem Labor mit den Robotern und Hologrammen allein ist. Wie ein Fisch im Wasser bewegt sich Stark zwischen den Gerätschaften, er kultiviert ein spielerisches Verhältnis sowohl mit den virtuellen wie mit den materiellen Artefakten. Mit dem Roboterarm wird geschäkert, das Hologramm wird zusammengeknüllt und in den Papierkorb geworfen. Ein wenig allegorisiert sich das Blockbusterkino in diesen Szenen selbst: Alles glänzt, Alles ist mindestens zur Hälfte virtuell, alles sieht sündhaft teuer aus und vor allem: alles ist unmittelbar und widerstandsfrei verfügbar, auch was Materie ist, sträubt sich nicht mehr. Alles ist Spielzeug.

Iron Man 2

Genauer: Alles ist Kriegspielzeug. Schon der erste Teil kam selbst fürs Genre äußerst martialisch daher; wollte man diesen in einem Bild zusammenfassen, so würde man wohl das eines Raketenwerfers wählen. Unterlegt von martialischen E-Gitarrenriffs. Iron Man 2 rüstet weiter auf und ist mit ziemlicher Sicherheit der waffengesättigste Film diesseits der Hasbro-Commercials Transformers (2007), FilmTransformers 2 (2009) und G.I. Joe (2009). Waffenproduktion, -distribution und schließlich -einsatz ist fast die einzige und immer die entscheidende Triebfeder des Plots. Tony Starks Gesundheitsbeschwerden erledigen sich fast wie von selbst, die Liebesgeschichte um die ja auch nicht gerade außerordentlich sinnlich benamste Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) beschränkt sich auf das absolut unumgängliche Pflichtprogramm, aber für ausführliche Diskurse über Vorzüge und Nachteile spezifischer Waffensysteme hat der Film immer Zeit. 

Iron Man 2

Tatsächlich darf man sich ganz langsam die Frage stellen, was es mit dieser Generalmobilmachung des amerikanischen Blockbusterkinos auf sich hat. Die neuen Waffenschauen mitten im Mainstream, mitten im Familienfilm, sind rein affirmativ, frei von jenen Ambivalenzen, die selbst den faschistoidesten unter den Cannon/Globus-Produktionen der 80er Jahre eigneten. Die benötigten noch Rechtfertigungen und Ideologien, in deren Widersprüchen sie sich fast zwangsläufig selbst verstrickten. Die militaristische Logik der Iron Man- und Transformers-Filme ist ironisch versiegelt, sie kennt kein Außen mehr, das zu diskreditieren sie sich Mühe geben müsste. Senator Stern ist von Anfang an eine Schießbudenfigur, der „Humor“ des Films funktioniert noch fast jedes Mal nach dem Prinzip: „Haha, meine Waffe ist größer als deine.“

Trailer zu „Iron Man 2“


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