Invisible Waves

In dunklen Bildern erzählt der thailändische Regisseur Pen-ek Ratanaruang einen kühl distanzierten Thriller, dessen Plot nicht minimaler hätte ausfallen können.

Invisible Waves

Invisible Waves zelebriert Durchmischung auf allen Ebenen. Arthouse- und Genrekino, eine Riege panasiatischer Stars, ein thailändischer Regisseur und ein in Hongkong lebender australischer Kameramann. Gesprochen wird gebrochenes Englisch, Thailändisch und Japanisch. Der Film beginnt in Macao und endet in Thailand. Selbst die Tageszeiten scheinen durcheinander zu geraten. Die Kamera Christopher Doyles taucht die Tage in ein matt dunkles Licht und eintönige Farben dominieren die Szenerie.

Bereits in Last Life in the Universe (Ruang ra noi nid mahasan, 2003) war diese Mixtur kennzeichnend für das Kino Pen-ek Ratanaruangs. Wie nur wenige asiatische Filmemacher fügt er in seinen Filmen verschiedene Drehorte und Schauspieler unterschiedlicher Nationalitäten zu einem Ganzen. Dabei verzichtet er auf das Herausarbeiten länder- und kulturspezifischer Details, greift vielmehr auf vage und anonyme Orte wie Situationen zurück: Hotelzimmer, Restaurants, Autofahrten.

Invisible Waves

Abermals spielt Tadanobu Asano die Hauptrolle und beweist nach Filmen wie Ichi the Killer (Koroshiya 1, 2001), Zatoichi (2003) und Vital (2004) erneut, dass er zurzeit im asiatischen Kino die unterschiedlichsten Rollen übernehmen kann. In Invisible Waves trägt seine Figur Kyoji nicht nur den gleichen Namen wie in Last Life in the Universe, sondern beide Kyojis nehmen das Geschehen mit einer gleichermaßen stoisch-hingebungsvollen Art auf, die fast schon fatalistische Züge aufweist. Im Auftrag seines Chefs (Toon Hiranyasup) vergiftet er in Invisible Waves dessen Frau und wird anschließend um einer möglichen Verhaftung zu entgehen, nach Thailand geschickt. Unterwegs freundet er sich mit Noi (Gang Hye-jung) an, einer jungen Frau, die ebenfalls auf dem Weg nach Phuket ist. Doch anstatt der erhofften Ruhe verschlimmert sich seine Situation dort nur noch mehr. Der Verdacht, dass sein Chef ihn ebenfalls umbringen möchte, erhärtet sich und auch sein Kontaktmann in Thailand erscheint wenig vertrauenswürdig.

Invisible Waves

Invisible Waves ist mit zahlreichen Spielereien durchsetzt. Kyoji, Noi und Nid sind alles Namen, die auch in Last Life in the Universe vorkommen, nur liefert Ratanaruang dafür keine Begründung. Während in Wong Kar-wais Filmen Days of Being Wild (A Fei jing juen, 1991), In the Mood for Love (Fa yeung nin wa, 2000) und 2046 (2004) die Namensverwandtschaften aus den Geschichten hervorgehen, laufen sie bei Ratanaruang ins Leere. Auch Gags wie Kyojis Kampf mit den Tücken seiner Schiffs-Kabine auf dem Weg nach Thailand dienen mehr einem Selbstzweck denn dramaturgischer Notwendigkeit.

Die Grundkonstellation des Films – Killer auf der Flucht – entspricht dem eines klassischen Genrefilms. Umgesetzt wird dies jedoch mit Mitteln des Kunstkinos. Lange Einstellungen, weitgehender Verzicht auf Schuss-Gegenschuss-Einstellungen und gerade die im Vergleich zum narrativ dichten Genrefilm auffällige Konzentration auf Momente des Stillstandes zeichnen Invisible Waves aus. Entwickelt diese Mischung zu Beginn ihre eigene Faszination, so nutzt sie sich im weiteren Verlauf immer mehr ab. Im Gegensatz zu Filmemachern wie Michelangelo Antonioni, Hou Hsiao-hsien oder Tsai Ming-liang, deren Werk stark mit Momenten narrativen Stillstands assoziiert wird, wirkt diese Vorgehensweise bei Ratanaruang des öfteren aufgesetzt. Letzten Endes erweisen sich diese Leerstellen genau wie die Verwendung der Namen als eine reine Spielerei und werden zu einer überdeutlichen Handschrift des Regisseurs.

Invisible Waves

In Last Life in the Universe folgte der Regisseur mehr dem roten Faden der Geschichte. Zwar durchkreuzte er ebenfalls die Liebesgeschichte zwischen einer jungen Thailänderin und einem Japaner mit Genreelementen, doch versuchte er nicht durch eine möglichst originelle Dramaturgie auf sich aufmerksam zu machen. Dabei gelang ihm ein verträumter Liebesfilm, dessen Charme gerade in seiner Naivität lag. In Invisible Waves dagegen erweist sich Pen-ek Ratanaruangs permanente Verweigerung Kyojis Geschichte in ihrer Einfachheit wiederzugeben als ermüdend. Die Spielereien und das Erzählen durch Leerstellen geben dem Film eine anstrengende Künstlichkeit, die gar nicht nötig gewesen wäre.

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