Invasion

Nicole Kidman kämpft um ihren Sohn und gegen Körperfresser. Invasion ist bereits das dritte Remake eines Science-Fiction-Klassikers.

Invasion In Don Siegels Die Dämonischen (Invasion of the Body Snatchers) aus dem Jahr 1956 verschanzen sich die Helden während des letzten Filmdrittels in einem Hotel. Die restlichen Bewohner der Kleinstadt haben sich mit einem außerirdischen Virus infiziert, der Menschen äußerlich nicht verändert, jedoch alle Emotionen abtötet und die Betroffenen in perfekte Wirte für die fremden Lebensformen verwandelt. Die Beobachtungen, welche Kevin McCarthy als Dr. Miles J. Bennell und seine Mitstreiter machen, sind erstaunlich: Die Szenen, die sich auf den Straßen vor dem Hotel abspielen sind nicht etwa von unheimlicher Fremdheit sondern von noch viel unheimlicherer Vertrautheit: Ihre Mitbürger gehen bald wieder in gewohnter Manier ihrem Tagwerk nach, als sei überhaupt nichts geschehen. In dieser beeindruckenden Szene verbirgt sich ein Großteil des politischen Potentials des Films, der heute vor allem als Allegorie auf die gesellschaftliche Paranoia im Zuge der Kommunistenjagd der fünfziger Jahre gelesen wird.

51 Jahre später dreht der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel ein Remake des Klassikers. Auch Invasion konfrontiert eine kleine Heldengruppe mit einer von Aliens kontrollierten Kleinstadtbevölkerung. Die Bedrohung, welche die entmenschlichten Mitmenschen ausstrahlen, wird in diesem Fall jedoch deutlich konventioneller in Szene gesetzt. Mit bösartigen, leeren Augen blicken dieselben auf Nicole Kidman, Daniel Craig und deren wenige Mitstreiter. Bei jeder Gelegenheit stürzen sie sich zombiegleich auf alles, was noch nicht ihren Regeln folgt.

Invasion Nicole Kidman übernimmt die Hauptrolle in Hirschbiegels Version. Sie spielt Carol Bennell, eine Psychiaterin, die über ihren Beruf erstmals auf die Veränderungen in ihrem Umfeld aufmerksam wird. Denn nicht nur der Mann ihrer Klientin Wendy Lenk (Veronica Cartwright) benimmt sich in letzter Zeit sonderbar, auch ihrem eigenen Ex Tucker (Jeremy Northam) möchte sie nicht mehr so recht trauen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ben Driscoll (Daniel Craig) und dem Wissenschaftler Dr. Stephen Galeano (Jeffrey Wright) kommt sie alsbald den Gründen der mysteriösen Vorgänge auf die Spur, welche in der Presse einem Grippevirus zugeschrieben werden. Doch zunächst muss Carol ihren Sohn Oliver (Jackson Bond) aus den Klauen der Aliens retten.

Oliver Hirschbiegel (Der Untergang, 2004) hat sich für sein US-Debüt einen bereits etablierten Stoff ausgesucht. Nach Phillip Kaufmans 1978er Version und Abel Ferraras Body Snatchers – Angriff der Körperfresser (Body Snatchers) aus dem Jahr 1993 ist Invasion bereits das dritte Remake, rechnet man Robert Rodriguez’ Highschool-Variante The Faculty – Trau keinem Lehrer (The Faculty, 1998) hinzu, sogar das vierte. Die Vorgänger gelten heute allesamt, mit Ausnahme des Rodriguez-Films, als Klassiker des politisch inspirierten Science-Fiction Films und stellen so eine nicht geringe Hypothek für die Neuauflage dar.

Dies betrifft unter anderem den inzwischen fast vorausgesetzten politischen Subtext. Denn wenn Siegel über die Kommunistenparanoia erzählte, Kaufman über das Vietnamtrauma und Ferrara in der gelungensten Version wahlweise über den zweiten Golfkrieg oder die AIDS-Epidemie, worüber hat uns dann Invasion etwas zu sagen? Die Antwort auf diese Frage liefert einer Radioreportage bereits in der ersten Szene: Naheliegenderweise soll es diesmal um den Irakkonflikt gehen. Überhaupt dringt die Weltpolitik bei Hirschbiegel deutlich offensiver in die Erzählung ein als in den restlichen Verfilmungen. Radio- und Fernsehnachrichten verkünden mit zunehmendem Fortschritt der scheinbaren Grippeepidemie Durchbrüche in Richtung Weltfrieden am laufenden Band und auch die Heilsversprechungen der konvertierten Menschen besitzen diesmal stets eine explizit politische Komponente.

Invasion Allerdings ist Hirschbiegels Film im Grunde der belangloseste und unpolitischste aller Körperfresser-Streifen und zwar gerade weil der Subtext nicht Subtext bleibt, sondern an die Oberfläche drängt. Die Bezüge zum Irak und dem Krieg gegen den Terror sind im Grunde völlig beliebig und erübrigen sich schon in dem Moment, in welchem sie ausgesprochen werden. Als leicht zu durchschauende Ablenkungsmanöver können sie nie über die konzeptuellen Schwächen hinsichtlich Spannungsaufbau und Figurenzeichnung hinwegtäuschen. Über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft in Jahr 2007 hat Invasion so gut wie gar nichts zu sagen.

Schon eher lässt der Streifen Rückschlüsse zu auf den Zustand der amerikanischen Filmindustrie im Jahr 2007. Invasion hat eine turbulente Produktionsgeschichte hinter sich. Mit Hirschbiegels ursprünglicher Version waren die Studiochefs unzufrieden und drehten mit Hife der Wachowski-Brüder (The Matrix, 1999) sowie deren Hausregisseur James McTeigue (V for Vendetta, 2006) einige tempohaltigere Szenen nach. Ob die Änderungen dem Film geschadet haben, wie vor allem in Internetforen oft gemutmaßt wird, kann frühestens anhand eines Director’s Cut auf DVD entschieden werden. Zweifel daran sind jedoch angebracht. Denn die actionreichen Szenen in den letzten beiden Dritteln, die wohl McTeigue zuzuschreiben sind, gehören zu den wenigen Stärken des Films. Immer wenn der Streifen sich auf Nicole Kidman und ihren Kampf gegen alienverseuchte Zeitgenossen konzentriert, zeigt sich, dass Invasion trotz aller fehlgeleiteten Ambitionen einiges an Potential besitzt. In diesen Szenen zumindest ist Hirschbiegels Streifen ein solider, unterhaltsamer B-Film. Die Vorgänger freilich waren stets deutlich mehr.

Kommentare


Jemand

Ich hab diesen Film ausgeliehen, weil er erstens zweimal in der Videothek vorhanden war ;) und zweitens mit Nicole Kidman und Daniel Craig zwei bekannte Schauspieler mitspielen, was beides auf einen zumindest nicht ganz trashigen Film hinweist.

Insgesamt fand ich den Streifen ganz ok, kein Highlight, aber auch kein verschenkter Abend.
Die ersten ca. zwei Drittel fand ich ziemlich gelungen - obwohl man sich sehr schnell denken kann, worauf es hinausläuft, wird die Spannung aufgebaut und es gibt auch einige Momente, die ich persönlich nicht unbedingt für Zwölfjährige empfehlen würde - wobei es sicherlich für eine FSK16 zu harmlos ist, FSK 14 fänd ich gut, wenn es das gäbe ;)

Die Schauspieler (auch die Nebendarsteller) leisten, finde ich, ganz gute Arbeit, auch wenn man den charakteren selbst definitiv mehr Tiefgang hätte geben können.

Was den Film von "ganz gut" auf "ok" runtergezogen hat, war das Ende, das ziemlich abrupt kommt. Wer den Film noch nicht kennt und noch sehen will, sollte den nächsten Abschnitt überspringen, da auf den Inhalt bezug genommen wird:

Das Ende kommt nicht nur plötzlich, sondern wirkt auch irgendwie aufgesetzt. Nach der dramatischen Rettung (wie üblich im Helicopter ;) ) folgt die globale Heilung innerhalb von nicht mal fünf Minuten. Dann noch mal der moralische Zeigefinger: So schlecht sind die Menschen - wären sie es nicht, wären sie keine Menschen. Nun gut, gegen diese Erkenntnis habe ich ansich nicht viel einzuwenden, aber dieses Fazit wurde meines Erachtens nicht genug vorbereitet, um glaubhaft zu wirken.
Eine solche Botschaft passt zu einem Szenario wie in "Brave new world" von Aldous Huxley, wo tatsächlich der Weltfrieden dank "entmenschlichter" Menschen erreicht wird - aber in Invasion wirkt die Harmonie, die die Infizierten versprechen, ziemlich unglaubwürdig. Wenn doch angeblich der Frieden wartet, wieso verhalten sich dann die Infizierten so aggressiv und gewalttätig, obwohl sie die zeit auf ihrer Seite haben und eigentlich nur auf das Unvermeidliche warten müssten, wo doch die Opfer sich sowieso nicht dauerhaft entziehen können und irgendwann einschlafen müssen?
Ich habe mich während des Films eher an ein totalitäres Regime erinnert gefühlt, von dem immer mehr Leute "infiziert" werden, und in dem es immer schwieriger wird, sich zu entziehen, wo doch mitmachen so viel einfacher wäre. Die Szenen, in denen Menschen in Polizeiautos gezerrt werden, unterstreichen dies. Meiner Meinung nach hätte man eher diese Schiene weiter ausbauen sollen. Interessant hätte ich auch ein Nicht-Happy-End gefunden, indem sich die protagonistin dann doch anschließt und den Weg des geringsten Widerstandes geht oder sich alternativ für ihr Kind opfert, was zumindest nicht so hollywoodtypisch gewesen wäre und ein bisschen echte ethische Befangenheit aufgeworfen hätte.

So hatte ich eher den Eindruck, man habe nur eine gute, aber nicht ganz neue Idee gehabt, zwei bekannte Schauspieler gecastet und nun nicht mehr recht gewusst, was man mit dem Stoff anfangen sollte. Ich fand den Film bis zum Schluss spannend und unterhaltsam. Aber ich hatte auch den Eindruck, das keine tiefere moralische Botschaft oder Idee dahinter steckte.

Fazit: Gute unterhaltung für einen Abend, aber muss man sich meiner Meinung nach nicht wieder ansehen.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.