Insidious

Sein Faible für vertrackte Fallen bewies James Wan bereits in der Saw-Reihe. Der psychologische Subplot seines neuen Horrorthrillers ist so heimtückisch, wie es der Filmtitel verspricht.

Insidious 03

Schritte ertönen nachts vom Dachboden, Stimmen flüstern durch das Babyfon im Zimmer von Renais (Rose Byrne) kleiner Tochter. Ihr Ehemann Josh (Patrick Wilson) glaubt ihr nicht, obwohl der älteste Sohn Dalton (Ty Simpkins) nach einem Sturz vom Dachboden in einem mysteriösen Koma liegt, und Renai glaubt Josh; bis das gespenstische Flüstern zu einem Schrei wächst: „Sofort!“ – Sofort muss die Familie aus dem Gespensterhaus fliehen.

Nach dem Muster unzähliger Spukfilme inszeniert James Wan diese adrette kleine Horrorgeschichte. Doch sie ist nur Auftakt der eigentlichen Handlung von Insidious. Die inszenatorischen Ideen des Schöpfers der Saw-Filme sind heimtückisch, hintersinnig und voller lauernder böser Absichten. Überdeutlich verkündet es der Filmtitel, in der Gewissheit, dass der Wahrnehmung leicht das entgeht, was offensichtlich scheint. Kaum ist das typische Haunted-House-Szenario etabliert, bricht die Handlung damit. Als suche es Einlass, schleicht das Unheimliche auch vor den Fenstern des nächsten Hauses, doch dies ist nur ein tückisches Manöver. In Wahrheit ist das Grauen längst eingedrungen.

Insidious 02

„It’s not the house that’s haunted. It’s your son“, sagt die Esoterikerin Elise (Lin Shaye) dem Paar. Mit demselben Dialogzitat nimmt Wan den Plottwist im Trailer vorweg. Der vermeintliche Spoiler führt in die Irre. Elises Worte offenbaren keine überraschende Erkenntnis, sie beenden vor dem Publikum und Daltons Eltern das Versteckspiel in ihrem selbstkonstruierten Geisterhaus. Renai steigert sich in den Glauben an Übersinnliches, um die tatsächlichen Ursachen der beunruhigenden Ereignisse zu verdrängen. Sie kennt unbewusst die Erklärung des vermeintlich Unerklärlichen, genauso wie Josh weiß, dass nur Selbsttäuschung die Familie zusammenhält. Elise herauszuwerfen ist seine Reaktion darauf, dass sie an das Verdrängte rührt.

Wie lange die Konfliktverdrängung in der Familie währt, deutet das Fehlen von Joshs Kindheitsfotos im Fotoalbum an. Nicht zufällig entdeckt Dalton die Lücke in der von den Eltern angenommenen Familienbiografie, die das Album symbolisiert. Weist Renai Dalton an, die Alben an ihren Platz zu stellen, mahnt sie ihn indirekt, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Mit kindlichem Gespür für unterdrückte Konflikte forscht ihr Sohn weiter, nun in der elterlichen Psyche, die der Dachboden symbolisiert. Was Dalton findet, erschüttert ihn so schwer, dass er wortwörtlich den Halt verliert. Sein unerklärliches Koma erinnert an die Reaktion auf ein psychisches Trauma.

Insidious 01

Einmal aufgeweckt, lässt sich das Unterdrückte nicht mehr zurückdrängen. Immer beängstigender werden die an Poltergeist (1982) erinnernden Phänomene, die Renai heimsuchen. Als sich die unmittelbare Bedrohung für ihre Kinder nicht länger ignorieren lässt, handelt sie. Sie ergreift einen von zwei nach dem Schema des Haunted-House-Movies möglichen Auswegen: einen Umzug. Die Alternative, das Bestellen eines Geistlichen, Mediums oder Para-Spezialisten folgt später. Logisch betrachtet erscheint Renais Verhalten absurd. Doch der Horrorfilm verfügt wie jedes Genre über eine eigene Logik, der zufolge Renai alles richtig macht. Sowohl Initiator der Saw-Filme als auch Regisseur des originelleren Geisterwerks Dead Silence (2007), ist Wan Spezialist sowohl für die grellen wie für die sanfteren Facetten des Schreckens.

Die Wahrheit grinst dem Zuschauer schon in der ersten Szene entgegen, aus dem fahlen Gesicht einer Alten, die Renai zum ersten Mal sieht. Begegnet ihr die Gestalt das letzte Mal, scheint jenes erste Lächeln noch hämischer. Renais erschöpftes Aussehen lässt erahnen, dass schon lange Ängste an ihr zehren. Indem sie ihr Umfeld wechselt, versucht sie den unterdrückten Konflikten zu entfliehen. Der Filmbeginn zeigt sie am immer gleichen Endpunkt ihrer Fluchtversuche, der gleichzeitig Ausgangspunkt für das nächste Davonlaufen ist: in einem neuen Haus, das unheimlich wird, bevor es zum Heim wird. Das Schnarchen ihres Mannes stört Renais Schlafen. Was er unbewusst tut, raubt ihr die Ruhe – in mehr als einer Hinsicht.

Insidious 10

Seine Abwesenheit während der Vorkommnisse erinnert an die kriminalistischen Thriller Gaslight (1944) und Midnight Lace(1960). Deren psychologische Doppelbödigkeit liegt Insidious zugrunde und schimmert selbst durch die kruden Effekte, in denen der letzte Handlungsakt versinkt. Was Renai heimsucht, ist so plastisch, dass es den Hausalarm auslöst. Dass sie das greifbare Übel entweder als unsichtbare Macht oder in grotesken Gestalten wahrnimmt, zeigt das Ausmaß ihres Selbstbetrugs. Das „Monstrum“, das Dalton in eine Zwischenwelt psychischen Traumas drängt, ist einer der Menschen, die ihm am nächsten sind.  Von ihm hat Dalton die Fähigkeit des sogenannten astralen Projektierens geerbt, das seine inneren Schrecken manifestiert; eine überdeutliche Metapher für das gewalttätige Äußern von Stress, das sich vom Vater auf den Sohn überträgt.

Nicht zufällig ist es Joshs Mutter Lorraine (Barbara Hershey), die den Kontakt mit der Geisterseherin Elise herstellt. Ihre persönlichen Dämonen pflegt Joshs Familie gleich einer guten Tradition. Das seelische Erbe lässt sich mitunter noch leichter verstecken als alte Fotos. Doch umso länger es verborgen bleibt, umso schrecklicher wird sein Anblick. Mit diesem Anblick endet Insidious. Und mit einem stereotypen Schreckensschrei, der selten im Horrorfilm so berechtigt ist.

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Kommentare


Anon

Perfekte Beschreibung - sehenswert!
Leider nur etwas mit der Musik übertrieben :-D


Dani

...was für eine nichtssagende und widersinnige Rezension!!!
Was den Plot an sich angeht, finde ich ihn ganz gut beschrieben. Alles, was auf psychologischer Ebene hinzugedichtet worden ist (Dalton forscht in der Vergangenheit der Eltern) halte ich für kompletten Unsinn, sorry!


BSU

ich hab keine psychologische Tiefe in dem Film erkannt. Mag sein, dass ich nicht sensibel genug dafür bin... aber was mich wirklich nervt, dass viele 'Schockmomente' durch plötzlich laut einsetzende Musik entstehen (wild durcheinander fiedelnde hohe Violinen, Klaviersaiten alle aufeinmal anschlagen...)! Und dann diese lächerliche Teufelsfigur... *kopfschüttel*
Am Anfang hab ich mich noch gegruselt. Später habe ich mich eher gelangweilt.


elf

Also der Film war meiner Meinung nach total überzogen, sowohl effektmäßig als auch von schauspielerischer Seite!
Kein Psycho-Gruseln, sondern nur noch lachhaft nach einer dreiviertel Stunde


Jen

Anfangs sehr stark. Gruselig und spannend! Später lässt es etwas nach, wird manchmal fast schon lächerlich (beabsichtigt?). Musik erinnert an Horrorfilme von vor 50 Jahren xD aber trotzdem ziemlich gut. Würde von mir 7 von 10 Punkten kriegen.


garli

Ihr redet von spannend? und nach 45min flacht er ab? Ich lach mich schlapp. Der Film hat weder einen Höhepunkt sondern, besteht nur aus Tiefpunkten. Schauspielerisch etwas überzogen der Film. Handlungstechnisch mag der Film 5\10 bekommen. Psychologisch wertvoll könnte er auch sein. Aber Gruselfaktor 3\10. Wenig wirklich gruselige Momente, und wenn werden sie von schlechter Musik kaputtgemacht. Schauspielerische Leistung 5\10. Die Schauspieler wirken etwas unecht. Für langweilige Abende kann der Film was werden, aber für mehr auch nicht. Was auch immer die Leute hier geraucht oder genommen haben, dass sie etwas an dem Film finden können ist mir schleierhaft, es muss aber eine regelrecht fanatische Wirkung haben. Gebt mir was ab davon.. Faziz: Ich großen und ganzen; lächerlicher Film


Rex

Insidious ist der wohl schlechteste Poltergeistabklatsch der letzten 10 Jahre. Schlecht geschminkte Dämonen, vorhersehbare Schocks, mittelprächtige Darsteller und die wohl dümmlichste Geisterbeschwörungsszene aller Zeiten (ich sag nur Gasmaske). Leute die sich bei diesem Film gruseln sollten sich Reißer wie Heidi oder die Bärenbrüder erst gar net antun. Dieser Film ist Schund und da ändern auch die ganzen positiven Kritiken nix drann. 0/10 Punkten


Kantenkunst

Ich glaube, das hier etwas in den Film hinein psychologisiert wird. Das nur, damit man einen intellektuellen Plot hinter diesem Machwerk rechtfertigen kann. Der Film hat keinerlei Subtext,das war von den Machern wahrscheinlich auch nie vorgesehen. Und was soll diese alberne christliche Teufelsgestalt? Null Punkte!


Nina

Der Film ist echt megalangweiig und schlecht gemacht.. sry und ich bin eigdl leicht zu erschrecken..


EheehICh?

Also mal ganz ehrlich. Ich fande den film total super. ich habe ihn mir mit einer freundin angeschaut und wir haben so arg geschriehen :D
Ich finde ihn sehr gut! spannende momente, gruselige figuren, ok der damon war nich soo toll, aber sonst finde ich den film klasse. von mir 9 Punkte! :)


Sandra

Ich fand den Film zu Anfang auch sehr spannend und erschreckend...in den Schreck-Momenten ist mir schon manchmal das Herz in die Hose gerutscht. Am Ende war er eher langweilig, da es keine Schockmomente mehr gab und der Teufel war lachhaft...sonst sehr sehr gut.

PS: meine Meinung ;)


Fred Krüger

Also, da gruselt es mich aber mehr wenn ich in unseren Keller runtergehe, um wieder mal eine Leiche zu vergraben...


szre

Also wer diesen Film als "super" oder "toll" etc empfindet muss feierlich einen an der Waffel haben... Alleine die Story das das Kind in anderen Dimensionen fliegt und nicht zurück kann... Und das halb starke Geisterjäger ihr weiterhelfen mit umgebauten Spielsachen...Oder das eintauchen in die Dimension mithilfe einer umgebauten Gasmaske...ganz ehlich ich habe lange nicht mehr einen so schlechten Film gesehen.
Einige Stellen mögen vllt gut dargestellt sein, das ein oder andere mal gab es auch schauer, aber in anbetracht der Story...Einfach nur ein schlechter Film...würde ich keinem Empfehlen der Wert auf 1 1/2 Stunden seines Lebens setzt ;)


Rufus

Der Film hatte zwar nicht so viele Schockmomente und hat zum Schluss stark nachgelassen aber seit der Szene mit dem Teufelgesicht das auf einmal aufgetaucht ist musste man bei jedem Moment mit Schockern rechnen das hat den Film für mich immer spannend gehalten.Als Horrofilm hat er seinen Zweck erfüllt.Storry hin oder her.


k-r

Miester Horrorfilm aller Zeiten, ich hab (vorallem nach dem Einzug der Geisterjäger) nur noch gelacht. Als Horrorfilm absolut furchtbar, als Komödie dafür top.
0 von 10 Punkten!


Gruseli

Also ich fand denn Film ganz in Ordnung. Ab und zu muss man zwar lachen, weil entweder die Szenen total absurd sind (ich sag nur Gasmaske) oder die Filmmusik total übertrieben. Dennoch gibt es gute und vor allem viele Schocker in dem Film. Ich find die Story ist zwar ziemlich abgedreht, aber doch mal eine Abwechslung zu der typischen Hollywood-Klischee Gruselstory. Geht ein bisschen in Richtung Science-fiction als das mit dem Astralreisen anfängt und auch der Dämon ist recht fantastisch... Wenn man sich darauf einlassen kann, denke ich ist der Film ganz unterhaltsam. Das Ende ist außerdem der Hammer und gibt einen nochmal einen schönen Kick für den Nachhauseweg!


Alpha

OK der film ist Net überall gut angekommen, aber stimmt das, dass der auf einer wahre Begebenheit basieren sein soll? wenn ja da kenne ich auch ein paar FAKTEN ,der ist besser wie The Rite


Alpha

sory das mit dem auf wahre begebenheit ziehe ich zurück weil hate noch teh rite drinn und dachte das war der hir


markus

ich finds erstaunlich, dass man mit so billigen standardgruseleffekten so einen geilen gruselhorror erzeugen kann. und dass der film durch die meiner meinung nach selbstironischen comedyelemente (gasmasken, teufel mit hufen, geisterbahn, etc) trotzdem funktioniert. komik und wirklich funktionierender horror = klasse!


Tariguz

ich persönliche finde den film grauenvoll. aber nicht grauenvoll schlecht. wer sich ein bisschen mit dem thema befasst weiß von was ich rede. ich habe auch schon auserkörperliche erfahrungen gemacht und glaubt mir das ist gar nicht soooo weit hergeholt.


Markus

Immer wieder schön, solche negativen und abwertenden Kommentare über Filme zu lesen, die ich richtig gut finde. Denn es bestätigt mich jedesmal aufs Neue darin, dass es bei Filmen genauso ist wie bei vielen anderen Dingen(z.B. Musik, Kleidung, usw.): Guter Geschmack ist nun einmal nicht jedem gegeben. Danke, Leute :))






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