Inside Hollywood

Bei der Verfilmung seines Buches nahm Art Linson nicht nur die ihm vertraute Rolle des Produzenten ein, sondern schrieb auch gleich das Drehbuch. Ob er dazu noch besser die Regie übernommen hätte?

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Der gewöhnliche Arbeitstag des Kinoproduzenten Ben (Robert De Niro) ist gespickt mit großen und kleinen Sorgen. Da wäre etwa ein katastrophales Testscreening, ein exzentrischer Regisseur (Michael Wincott), der sich den Schnittauflagen des Studios hartnäckig widersetzt, wie auch ein Megastar (Bruce Willis als er selbst), der aus „künstlerischen Gründen“ partout nicht das wahrhaftig gewordene Kassengift in Form eines krausen Vollbarts abrasieren möchte und so die Finanzierung von Bens nächstem Blockbuster und zugleich dessen berufliche Zukunft gefährdet. Selbst Bens Privatleben gibt dem routinierten Hollywood-Insider wenig Anlass zur Freude. So erfährt er, dass seine 16-jährige Tochter (Kristen Stewart) mit einem Kollegen seines Alters liiert war. Auch kann Ben nicht den Trennungsschmerz überwinden und trauert nicht nur der Ehe mit seiner Noch-Frau Kelly (Robin Wright Penn) nach, sondern ist zudem auch notorisch eifersüchtig.

Einen sezierenden Blick in das Innere der Traumfabrik Hollywood boten in den letzten Jahren vor allem Fernsehserien. Larry Davids Comedy-Sendung Curb Your Enthusiasm (seit 2000), Mark Wahlbergs autobiografisch angehauchte HBO-Produktion Entourage (seit 2004) und das David-Duchovny-Vehikel Californication (seit 2007) stellen auf ihre jeweilige Art und Weise Analysen der internen Machtmechanismen des vielleicht wichtigsten Industriezweigs der USA dar, der im Fachjargon lediglich „The Business“ genannt wird.

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Meetings mit Agenten und Studiobossen, Zensurprobleme und Stars, die außer Kontrolle geraten, bildeten bereits die Folie von Robert Altmans Satire The Player (1992), in dem auch die finsteren Seiten des Geschäfts beleuchtet werden. Gleichermaßen verbittert gestaltete sich die Robert-De-Niro-Produktion Mistress (1992), in der ein Autor verzweifelt versucht, sein Drehbuch zu verkaufen, und im gleichen Zuge in den moralischen Bankrott gedrängt wird.

Inside Hollywood (What Just Happened, 2008) kommt im Vergleich zu diesen beiden Vorläufern wesentlich entspannter daher und ähnelt dem Temperament nach eher den TV-Sendungen, wenn er auch nicht die Originalität der Produktionen des ehemals kleinen Bruders des Kinos erreichen kann. Die Arbeitswoche des Produzenten Ben ist mehr eine immer wiederkehrende Monotonie von nicht enden wollenden Widrigkeiten als die Tour de Force eines emotionalen Ausnahmezustands, wie ihn etwa die Tim-Robbins-Figur in Altmans The Player durchleben muss. Ben kann zumindest den drohenden Kollaps durch Yoga am Morgen und psychologische Beratungsstunden in der Paartherapie abwenden. Das Drehbuch des Hollywood-Produzenten Art Linson (Fight Club, 1999), der mit Inside Hollywood seine eigene Buchvorlage umarbeitete, bietet so den Ansatz einer subtilen Satire, doch weiß der Regisseur Barry Levinson mit den von Linson ausgeworfenen Ködern nur wenig anzufangen.

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Levinsons routinierter Inszenierung fehlt es vor allem an einer Prise geistreichem Witz, die bei einer Satire gerade auch in der Umsetzung so essenziell ist wie etwa die pointierten Dialoge. Da obliegt es fast ausschließlich den Darstellern, den Film mit Leben zu füllen. War Levinsons gleichsam gediegene Politsatire Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (Wag the Dog, 1997, ebenfalls mit De Niro) noch hoffnungslos unterkomplex gestrickt, so können zumindest Linsons bisweilen schrullige Figuren und eine Reihe von absurd-unterhaltsamen Momenten für Abwechslung sorgen. Letztlich tut Levinsons Films nicht weh, doch ist es nicht auszuschließen, dass er den Zuschauer mit dem Vorsatz zurücklässt, den nächsten Film des Regisseurs doch besser zu meiden, auch wenn sich darin – gewohnheitsmäßig – eine Reihe von Charakterschauspielern tummeln.

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Die misslungene Selbsttherapiestunde der Traumfabrik macht dennoch Lust auf Kino. Willis' Porträt eines Superstars zwischen infamer (gespielter?) Eitelkeit und gnadenloser Selbstironie animiert geradezu, den unverwüstlichen Dinosaurier des Action-Kinos noch einmal in einem Blockbuster zu sehen, ob er nun mit oder ohne Bart darin auftritt. Nicht unwahrscheinlich also, dass Art Linson diesen Film produzieren wird.

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