Infini – Kritik

Schluss mit geschniegeltem, hochtrabendem Weltraum-Pipapo? Shane Abbess glaubt, mit ein wenig mehr Dreck das Dilemma des aktuellen Science-Fiction-Kinos in den Griff zu bekommen.

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Keine Zeit für lange Umschweife. Man weiß in Infini noch gar nicht richtig, was Sache ist, da eskaliert schon die Situation. Ironischerweise lässt sich gerade die allzu knapp dargelegte Ausgangslage in Shane Abbess’ Science-Fiction-Fantasie nicht so recht auf wenige Sätze herunterbrechen. Körper verschwinden für einige Sekunden im Nichts, tauchen urplötzlich blutüberströmt wieder auf. Sirenen und Hysterie, Gewehrsalven und Geschrei. Nur so viel: Ein Rettungstrupp, der Whit Carmichael (Daniel MacPherson), einen vermissten Rekruten und einzigen Überlebenden einer Seuchenkatastrophe, vom extraterrestrischen Bergbau-Außenposten „Infini“ holen soll, infiziert sich mit einem dort grassierenden, höchst aggressiven Virus.

Sympathischer Stumpfsinn

Infini 03

Ehe man sich’s versieht, ist man schon inmitten eines schmutzigen, groben Actioners angelangt, der sich wie eine ruppige Achterbahnfahrt anfühlt. Stärker als in seiner Form als gut zusammengeschustertes Sci-Fi-Konstrukt ist Infini deswegen in einzelnen Episoden, in denen die ein oder andere schöne filmische Idee aufscheint. Die Dinge geraten aus dem Ruder, als der unbekannte Virus mehr und mehr Besitz vom Verstand der Rekruten ergreift. In einer dynamischen Montage mit Jump Cuts und perspektivischen Wechseln stellt sich ein Bilderrausch ein, der für Desorientierung sorgt. Auch später wird Infini abgefedert von einer ästhetischen Versiertheit, die die Sinne ein wenig zu kitzeln vermag. Die Bilder beginnen langsam zu kippen, als hingen zentnerschwere Gewichte am Objektiv der Kamera; Zeitgefüge zerrinnen, wenn Blutbäche im selben Bild plötzlich rückwärts und vorwärts fließen.

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Im Irrgarten von alienesken Tunneln und Räumen voller lärmender Turbinen und qualmender Rohre dürfen alsbald Leiber mutieren, bluten, kotzen und platzen. Das ist zunächst einmal ganz erfrischend. Viele Science-Fiction-Filme der letzten Zeit, man denke nur an Christopher Nolans Interstellar (2014) oder den reichlich uninteressanten Transcendence (2014), scheiterten letztlich an ihrer unmissverständlich angelegten, aber dann doch nur vorgegaukelten Komplexität. Derartig ambitioniert zeigt sich Infini in weiten Teilen nicht, doch macht ihn das durchaus sympathisch, weil er sich zwischen plastischem Body Horror und Keilereien sichtlich wohlfühlt. Von einer Verarmung des Großteils der Menschheit wird uns anfangs berichtet, von „Datenverfälschung“ bei der Durchführung des sogenannten Slipstreaming, einer Variation des Beamens, mit der die Protagonisten zwischen Erde und Außenposten verkehren, doch allerlei sozialkritischer und philosophischer Impetus wird meist ganz schnell links liegen gelassen.

Dramaturgische Sackgassen in der Milchstraße

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Was nicht heißt, dass Infini gänzlich vor Thesenhaftigkeit gefeit ist. Das Problem ist weniger, dass es sie gibt, als vielmehr, dass sie sich in leeren dramatischen Exklamationen erschöpft, die arg substanzlos bleiben. Heimkehr und Familie werden da zu Leitmotiven, die immer dann notdürftig hervorgekramt werden, wenn Infini tempomäßig ein wenig die Puste ausgeht. Notdürftig deshalb, weil sie sowohl auf inhaltlicher wie auf formaler Ebene extrem verengt werden. Abbess nimmt sich nicht genug Zeit, einen Bezugsrahmen dafür zu entwerfen, der eine Kraft entfesseln könnte, die über sämtliche bewegungschoreografischen und affektbeladenen Intermezzi hinaus auf Trab hält. Die schwangere Lebensgefährtin bangt um ihren Liebsten und bläut ihm ein, ja unbeschadet vom gefährlichen Einsatz zurückzukommen. Mehr gibt es da aber auch schon nicht zu reden und anscheinend auch nicht zu zeigen. Überhaupt sehen wir die heimatliche Umgebung des Protagonisten nur in einer Szene, lediglich eine kurze Einstellung gibt Einblick in die dystopische Erdenwelt des 23. Jahrhunderts.

Infini 01

Wo andere Genrevertreter intellektuelle Bruchlandungen erleiden, weil sie sich trotzdem zu sehr Erzählkonventionen verpflichtet fühlen, da quält Abbess’ Film sich damit, eine Ebene der Reflexion in all seine Schmutzigkeit hineinzuschustern. Manchmal wäre es gar nicht so schlecht – wie im Falle von Infini –, sich nicht zu abgeklärt zu geben und die Figuren einfach auch mal in Blut und Schleim liegen zu lassen. Die üblen Seiten menschlichen Verhaltens, und davon hat der Film reichlich in vielen seiner Action-Parzellen gezeigt, werden hier aber sorgfältigst ausbuchstabiert, um der Notwendigkeit Genüge zu leisten, das angenehm dumpfe Geprügel im Dreck, den diffusen Fluss sämtlicher irgendwie organisch gearteter Flüssigkeiten, mit einer schmissigen, aber wenig profunden Feld-Wald-und Wiesen-Weisheit zu untermauern. Wenn für das Individuum weit weg von zu Hause nur ein Ende des Humanismus folgen kann, dann diffundiert die ewig gleiche Message ziellos in den ewig weiten Weltenraum.

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