Infernal Affairs II
Die Parallelen sind deutlich: Der Pate (The Godfather) erreichte 1971/72 das bis dahin höchste Einspielergebnis im amerikanischen Kino und wurde mit Auszeichnungen, vor allem bei der Oscarverleihung, nur so überhäuft. Im Mittelpunkt der Geschichte standen Fragen nach Familie, Ehre, Schuld und Opfer, mit Anleihen an biblische Erzählungen und griechische Tragödien, ein epischer Stoff also. In Windeseile wurde eine Fortsetzung gedreht, die in ihrer Rahmenhandlung jedoch als Prequel zu verstehen ist. Drei Dekaden später erschütterte Infernal Affairs Hongkongs Kinowelt...

Die Parallelen sind deutlich: Der Pate (The Godfather) erreichte 1971/72 das bis dahin höchste Einspielergebnis im amerikanischen Kino und wurde mit Auszeichnungen, vor allem bei der Oscarverleihung, nur so überhäuft. Im Mittelpunkt der Geschichte standen Fragen nach Familie, Ehre, Schuld und Opfer, mit Anleihen an biblische Erzählungen und griechische Tragödien, ein epischer Stoff also. In Windeseile wurde eine Fortsetzung gedreht, die in ihrer Rahmenhandlung jedoch als Prequel zu verstehen ist. Drei Dekaden später erschütterte Infernal Affairs (Wu jian dao) Hongkongs Kinowelt. Neben klingenden Kinokassen gab es alle wichtigen Auszeichnungen der Hong Kong Film Awards. Schon im nächsten Jahr wurde die Fortsetzung gedreht – ein Prequel zum Original. Und während sich Francis Ford Coppola dann immerhin bis 1990 Zeit ließ, um den Abschluss der Trilogie zu drehen, lief auch der dritte Teil von Infernal Affairs bereits in den Kinos.
Vor allem im zweiten Teil der Hongkong-Trilogie sind die mutigen Anlehnungen an das amerikanische Familienepos auch inhaltlich deutlich: Wo im ersten Teil noch das als Katz und Maus-Spiel inszenierte Duell zweier Fremder im Mittelpunkt steht, verschieben sich die Koordinaten in der Fortsetzung hin zu einem Beziehungsgeflecht, das Freunde und Feinde, Fremde und Verwandte, Polizisten und Verbrecher auf tragische Weise verbindet. Dabei werden verschiedene Versatzstücke des amerikanischen Meilensteins zitiert: Der Parallelmord des aufstrebenden jungen Gangsterbosses, der das familiäre Patriarchat gerade übernommen hat, an den Köpfen der anderen Triaden; die undichten Stellen und Maulwürfe in den Organisationen; die Flucht des gesuchten Verbrechers ins Exil; der Auftritt als Kronzeuge.

Infernal Affairs II nimmt sich mehr Zeit, erscheint dadurch komplexer und epischer als Teil I, ihm fehlt jedoch ein wenig der Fluchtpunkt. Die beiden Protagonisten des Vorgängers erscheinen hier als junge Erwachsene und eher am Rand der Geschichte. Zentraler sind da schon die unterschiedlichen Charaktere eines Gangsterbosses und eines führenden Polizeibeamten, die sich seit ihrer Kindheit kennen. Die beiden stehen sich im chronologisch später spielenden ersten Teil schließlich als Todfeinde gegenüber, während sie hier eher gegen einen weiteren Gegenspieler kooperieren. Diese Konstellation produziert dialektisch Stärke und Schwäche des Films: Der Tod schwingt immer mit, da einige der hier agierenden Figuren im ersten Teil bereits gestorben sind oder aber – im Sinne der Chronologie – sterben werden. Insofern entwickelt der Film natürlich eine besondere Qualität für Zuschauer, die bereits Teil I kennen, da sie vor dem geistigen Auge beide Filme parallel sehen und miteinander in Verbindung bringen. Gleichzeitig muss der zweite Film aufgrund dieser Ausgangslage aber auch Abstriche in Sachen Spannung hinnehmen: von vornherein ist klar, wer die Vorgeschichte überlebt und wer nicht. Anstelle der elektrisierenden Spannung des ersten Teils tritt Suspense.

Die Verknüpfung beider Teile zu einer Geschichte funktioniert insgesamt - vor allem aufgrund einiger logischer Inkohärenzen - nicht so reibungslos wie in den großen Vorbildern The Godfather Part I und Part II. Francis Ford Coppola konnte mit diesen beiden Filmen auch seinen Ruf als exzellenter Schauspieler-Regisseur festigen und gleich mehrere Schauspieler, die später das amerikanische Kino prägten, einem großen Publikum vertraut machen. Im zweiten Teil fand er mit Robert DeNiro in der Rolle des jungen aufstrebenden Vito Corleone ein kongeniales Äquivalent für Marlon Brando, dem alternden Familienoberhaupt. In dem asiatischen Werk verhält sich dies deutlich anders: die bereits im ersten Teil in Flashbacks agierenden Jungschauspieler Edison Chen und Shawn Yue können im Folgefilm nicht die Qualität von Andy Lau und Tony Leung ersetzen.
Doch auch wenn Infernal Affairs II nicht die Qualität des Originals und selbstredend auch nicht die der ersten beiden Godfather-Teile erreicht, lohnt sich der Griff ins DVD-Regal allemal. Auf den Abschluss der Trilogie darf man schon gespannt sein.
Filmkritik von Sascha Keilholz
Veröffentlicht am 11.11.2004
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Film-Angaben
Titel: Infernal Affairs II
Originaltitel: Wu jian dao 2
Hongkong 2003
Laufzeit: 115 Minuten
Regie: Andrew Lau, Alan Mak
Drehbuch: Alan Mak, Felix Chong
Produktion: Andrew Lau
Darsteller: Edison Chen, Shawn Yue, Anthony Wong, Eric Tsang, Francis Ng
DVD-Angaben
Titel: Infernal Affairs 2
Vertrieb: MC One
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1, DD 2.0/DS), Cantonesisch (DD 5.1, DD 2.0/DS)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 115 Minuten
Extras: Audiokommentar, Trailer, Biografien
Verleih ab: 02.11.2004
Verkauf ab: 11.11.2004
Copyright Infernal Affairs II
Fotos: © MC One
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