Indiana Jones 4: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Harrison Ford und eine Bande kommunistischer Bösewichter jagen einen mysteriösen Kristallschädel. Steven Spielbergs Relaunch des Indiana-Jones-Franchises ist wuchtig, geradlinig und gipfelt in einem reinen Blick.

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Flug- und Schiffsreisen werden durch rote Farblinien auf altmodischen Landkarten versinnbildlicht, der Hut ist Anlass für zahlreiche Späße, die Peitsche kommt zu ihrem Recht und am berühmten John-Williams-Motiv aus den Originalfilmen kommt Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) selbstverständlich auch nicht ganz vorbei. Im Selbstzitat erstarrt der vierte Teil der Serie dennoch nie und ist darüber hinaus über weite Strecken erfreulich unironisch.

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels setzt in Nevada ein, in der Steppe, vor einem Militärstützpunkt. Dr. Jones (Harrison Ford) wird von einer Gruppe russischer Soldaten gekidnappt und ist gezwungen, ihnen zu helfen, eine geheimnisvolle Kiste ausfindig zu machen. Bald befreit er sich und ist wenig später selbst als Schatzsucher unterwegs nach Südamerika.

Doch noch bleibt der Film in Amerika. Die Kommunistenparanoia kostet Dr. Jones die Professorenstelle, da er der Kollaboration verdächtigt wird. Das Franchise hat den zweiten Weltkrieg hinter sich gelassen und ist in den fünfziger Jahren angekommen. Spielbergs fünfziger Jahre gerinnen nicht zur in sich geschlossenen Nostalgiewelt, gerade weil sie zu viele Dinge auf einmal beinhalten: Blinde, tumbe Kommunistenjagd auf der einen, bösartige Kommunisten, die diese Jagd dann doch irgendwie zu rechtfertigen scheinen, auf der anderen Seite. Außerdem einen Atombombentest – der für eines der großartigsten Bilder des Films sorgt: Jones steht im Gegenlicht vor dem lodernden Atompilz – und die neue Jugendkultur in Form von Kneipenschlägereien zwischen Rockern und Studenten.

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Das alles will sich nicht so recht zu einem kohärenten Zeitbild fügen, sondern steht beziehungslos nebeneinander. Vielleicht auch, weil die Figur, die die Beziehungen herstellen sollte, nicht so recht weiß, wie sie das bewerkstelligen sollte. Harrison Fords Indiana Jones stolpert durch diese fünfziger Jahre und gehört nicht richtig dazu, ist das Relikt einer vergangenen Epoche, die seine kolonialistische Attitüde prägte. Er scheint dann froh zu sein, wenn er sich wieder aufmachen darf in Richtung Amazonas, einen geheimnisvollen Kristallschädel zu suchen. Raus aus der komplexen gesellschaftlichen Wirklichkeit und rein ins pulpifizierte Fantasie-Südamerika. Den Eskapismus, den mancher dem Abenteuergenre zum Vorwurf macht, vollzieht Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels in seiner Handlung selbst nach.

Drehbuchautor David Koepp, der bereits Jurrasic Park (1993) und Krieg der Welten (War of the Worlds, 2004) für Spielberg schrieb, weiß, wie eine gute Pulp-Story auszusehen hat. Verfolgungsjagden sind spannender, wenn am Wegrand Killerameisen lauern, drei Riesenwasserfälle sind besser als einer und die Handlungen sind stets auf ein klar definierbares Ziel ausgerichtet. Überraschend geradlinig ist das Drehbuch, erwartbar effektiv die Regie. Centerpiece ist eine gigantische Verfolgungsjagd durch den Dschungel, an der neben den Killerameisen unter anderem Cate Blanchett als stalingetreue Sovjetagentin Irina Spalko im S/M-Look und ein Tarzan gleich lianenschwingender Shia LaBeouf als Indys jugendlicher Sidekick Mutt Williams beteiligt sind.

Mit der vollen Wucht des modernen Actionkinos inszeniert Spielberg nicht nur diese Sequenz. So ist Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels zu allererst eine wilde Achterbahnfahrt, die es in Sachen Intensität durchaus mit Transformers (2007) oder Peter Jacksons ohnehin artverwandtem King Kong (2005) aufnehmen kann.

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Am Ende kommen die Aliens. Weniger die nihilistischen, bösartigen Aliens aus War of the Worlds als die religiös konnotierten, mystischen Aliens aus Unheimliche Begegnungen der dritten Art (Close Encounters of the Third Kind, 1977), ätherische Wesen irgendwo zwischen E.T.s rührendem Antropomorphismus und ehrfuchtserheischender Opazität. Eines eint alle Aliens Spielbergs: Der Mensch ist ihnen hilflos ausgeliefert. Dessen angemessene Reaktion ist das Staunen, der rein passive Blick. Wer den Aliens auf Augenhöhe entgegen tritt, hat schon verloren. In einem solchen reinen passiven Blick auf die unerreichbare Transzendenz, die sich nur im Zauber der digitalen Special effects manifestiert, gipfelt Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels.

Die entsprechende Szene ist eine sonderbare Spiegelung der oben erwähnten Atombombenexplosion, vor der Harrison Fords Figur ebenfalls in untätiger Bewunderung erstarrt. Eine derartige Parallelisierung wird manch einer Spielberg zum Vorwurf machen, schließlich hat die Atombombe nichts Transzendentales an sich, sondern ist historische und soziale Wirklichkeit durch und durch. Vielleicht macht gerade der gefühlte Bruch zwischen beiden Bildern die Probleme des Gegenwartskinos sichtbar, einen wie auch immer gearteten Zugriff auf diese Wirklichkeit zu erlangen. Der Unterschied zwischen fliegender Untertasse und Atompilz ist nicht mehr unmittelbar gegeben.

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Kommentare


wizud

Indiana Jones 4 ist ein schlechter Film.


woody

@
wizud
Samstag, 13-06-09 00:35

Indiana Jones 4 ist ein schlechter Film.


Wie kommst du zu deiner Meinung?
An der starken Regie, den tollen Darstellern und der nostalgischen Abenteuerfilmatmosphäre kann es ja scheinbar nicht liegen.

Du behauptest Indy 4 ist ein schlechter Film, gibt es irgendwelche Gründe dafür?
Die Vorzüge des Films werden ja in dem o.g. Artikel perfekt aufgeführt.






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