In Time – Deine Zeit läuft ab

Vom Wert der Zeit: In seinem neuesten Sci-Fi-Thriller nimmt Andrew Niccol den Satz „Zeit ist Geld“ wörtlich, um die Geschichte von Arm und Reich neu zu erzählen.

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Es sind simple Ideen, die in den Arbeiten des Drehbuchautors und Regisseurs Andrew Niccol für Aufsehen sorgen. Gattaca (1997) zeigt eine faschistoide Welt, in der sich eine genetisch optimierte Gesellschaft über die natürlich gezeugten, „invaliden“ Menschen erhoben hat und der Protagonist um seine Anerkennung als Mensch kämpft. In Peter Weirs Die Truman Show (The Truman Show, 1998), für den Niccol das Drehbuch schrieb, steht die Menschlichkeit sprichwörtlich auf dem Spiel in Form einer TV-Reality-Show, worin ein nichtsahnender Naivling sein Leben zur Befriedigung eines voyeuristischen Millionenpublikums fristet, bis er die Wahrheit entdeckt und seine bisherige Identität zusammenbricht. Beide, Vincent in Gattaca wie Truman, verlassen am Ende auf ihre Weise die sie umgebende feindliche Welt.

In seinem neuesten Film In Time – Deine Zeit läuft ab (In Time, 2011) behält Niccol seinen skeptizistischen Blick auf die Gesellschaft bei. Ein armer Tagelöhner bricht zufällig in die Welt der Schönen und Reichen ein. Ausgestattet mit einem unerschütterlichen Gerechtigkeitsempfinden und einer geläuterten Partnerin aus Finanzadelssphären an seiner Seite, wird er den vergeblichen Versuch unternehmen, gegen das System anzurennen und den Wohlstand umzuverteilen.

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Den altbekannten Plot wiegt der Film zumindest anfangs durch eine großartige Prämisse auf. In Time zeigt eine Gesellschaft, in der alle vermeintlichen Elemente menschlichen Glücks in einem Gut zusammenfallen: der Zeit. Die Prämisse „Zeit ist Geld“ wird hier in geradezu sturer Konsequenz zur Idee geformt. In der Welt dieses Films – und glücklicherweise unterbleiben rationalisierende Erklärungsversuche, warum – werden die Menschen mit einer Digitaluhr im Arm geboren. Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres schweigt diese Uhr, um sodann als Countdown noch ein weiteres Jahr zu ticken. Zwar altert der Mensch fortan nicht, jedoch stirbt er, wenn seine Zeit abläuft, es sei denn, er gewinnt Zeit hinzu: Lebenszeit ist die Währung dieser Welt, ein Mittagsessen dauert nicht nur 30 Minuten, es kostet auch 30 Minuten, wie wir gleich in der extrem kompakten Exposition erfahren. Und da sind natürlich die Superreichen, mit Millionen von Jahren auf ihrer Uhr und folglich ewiger Jugend.

Will Sallas (Justin Timberlake), der Mann aus der Unterschicht, kommt durch Zufall zu einem Vermögen an Zeit. Die Handlung kommt in Gang, als Will sowohl vor wegelagernden Zeitdieben wie auch vor den Timekeepern, der Polizei, die verdächtige Vermögensverschiebungen verfolgt, flüchten muss. Als Will seine Mutter verliert, hält ihn nichts mehr in Dayton, dem elenden Ort der arbeitenden Unterschicht. Sein Ziel führt in das der High Society vorbehaltene New Greenwich, eine Wohlstandszone, die sich hinter mehreren Kordons aus Stahlbeton gegen den ärmlichen Rest der Welt abschottet. Dort lernt Will am Pokertisch den Milliardär Weis und dessen Tochter Sylvia (Amanda Seyfried) kennen.

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Als Will in Weis’ Villa von der Polizei verhaftet wird, entführt er die Milliardärstochter. Auch das ist keine sonderlich originelle Idee, und die Begeisterung des Betrachters über die furiose Grundidee ist schon bald arg im Abnehmen – auf etwas, was ihr ebenbürtig wäre, wartet er im Laufe des Films vergeblich. Fortan bedient In Time nur noch müde Genrestandards, die sich im Wesentlichen in einer recht tempoarmen Verfolgungsjagd und zum Ende hin einer Robin-Hood-Volte erschöpfen.

Hieran vermag auch die recht überzeugende Darstellerleistung von Justin Timberlake wenig zu ändern. Sein Will Sallas ist gekennzeichnet von einer fast fatalistischen inneren Ruhe, die ihm eine gewisse Stärke verleiht. Entwickeln kann sich diese Figur mangels Raum hierfür jedoch nicht. Hingegen ist die Figur der Sylvia offensichtlich nur ein der Konvention geschuldeter Sidekick. Die Beziehung zu Will bleibt ebenso eine bloße Behauptung wie ihr Aufbegehren gegen ihre Herkunftswelt. Amanda Seyfried ist mit dieser Rolle bis zur völligen Austauschbarkeit hin unterfordert. Wesentlich überzeugender wirken da bekannte TV-Seriendarsteller wie Olivia Wilde als Wills Mutter oder Vincent Kartheiser als Milliardär Weis, dessen Dauerlächeln einen frösteln lässt.

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Wie in Gattaca und The Truman Show ist die Welt in In Time eine zynische Repräsentation unserer Realität. Doch eine Lösung der Arm-Reich-Antagonismen ist bei Niccol nicht zu erwarten: Seine Helden korrigieren ihre Welten nicht. Sie wenden sich davon ab und haben den Zuschauer bis dahin allenfalls für das Problem sensibilisiert. Auch in In Time sind die „terroristischen“ Aktionen von Will und Sylvia am Ende die klare Abkehr von der Welt und den in ihr herrschenden Mechanismen. Ob sich dadurch etwas ändern kann, bleibt außerhalb des Films, denn es interessiert Andrew Niccol nicht. Und das wäre an sich in Ordnung, würden sich wenigstens die Sensibilisierungswirkungen beim Publikum einstellen. Doch nach der recht gewöhnlichen Kost sind die Wirkungen bestenfalls homöopathisch.

Trailer zu „In Time – Deine Zeit läuft ab“


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Kommentare


Solly4life88

Kommt ein 2 teil von in time ???????


Matto

Die Story hat sich ja wirklich vielversprechend angehört und hatte sicherlich auch eine Menge Potenzial. Leider hat Andrew Niccol daraus nichts machen können und hat um die interessante Story einen mehr als langweiligen, eintönigen und ziellosen Film erstellt, der in meinen Augen gleich wieder vergessen werden sollte.






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