Illuminati

Tom Hanks kehrt zurück als abenteuerlustiger Historiker Robert Langdon. Wird er der neue Indiana Jones – düsterer, europäischer und politisch korrekt?

Illuminati

The Da Vinci Code – Sakrileg (2006) mag zwar ein internationaler Erfolg gewesen sein, doch mangelte es der Verfilmung des Bestsellers von Dan Brown in hohem Maße an stilistischer und narrativer Geschlossenheit. Zu konfus war die Schnitzeljagd nach den verleugneten Nachkommen Jesu Christi inszeniert, zu passiv hetzten die emotional leeren Figuren von Ort zu Ort, zu schal schmeckte die Botschaft eines weichgespülten Theo-Feminismus.

Mit berechtigter Vorsicht nähert man sich also dem Nachfolger Illuminati (Angels and Demons), zumal das Team hinter der Adaption des 2000 erschienenen Romans (in Buchform chronologisch vor Das Sakrileg) gleich geblieben ist. Erneut tut sich Regisseur Ron Howard mit Tom Hanks in der Rolle des Harvardhistorikers und Kirchenskeptikers Robert Langdon zusammen. Die Bilder von Salvatore Tonino fangen Rom ähnlich unterkühlt und farbleer ein, wie schon zuvor Paris und London in stilsicherer Glätte eher Bildschirmschonermotiven des alten Europa denn lebendigen Orten glichen.

Illuminati

Doch allen Vorbehalten zum Trotz offenbart sich Illuminati als durchaus sehenswerter, gedanklich wie inszenatorisch leidlich spannender Blockbuster. Dessen Themen zeigen bei aller Seichtheit in der Behandlung das Potential, in ihrer gewagten Mischung aus historischem Baukastenspiel und aktueller Politik ein leicht zugängliches Panorama unserer spirituell in die Haltlosigkeit driftenden Gesellschaft zu zeichnen.

Die Matrix der Handlung bildet dabei der Kampf zwischen Wissenschaft und Kirche, den fundamentalen Positionen der Welterklärung: Erkenntnis oder Glaube. Der Papst ist tot, und kurz vor dem Zusammentreten der Kardinäle zur Wahl seines Nachfolgers verschwinden die vier aussichtreichsten Kandidaten. Entführt von einer radikalen Vereinigung kirchenfeindlicher Wissenschaftler, den Illuminati. Uralt soll dieser Bund sein, in Verborgenheit existierend seit der blutigen Verfolgung seiner Mitglieder durch den Vatikan. Während sich die Gläubigen am Petersplatz vereinigen, um die Rauchzeichen aus der Sixtinischen Kapelle zu erwarten, fahndet Robert Langdon als unliebsamer Verbündeter der Schweizer Garde in fiebriger Eile nach den Entführern. Unterstützt wird er von der Mikrophysikerin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer), denn auch von ihrem Arbeitsplatz bei der schweizerischen Teilchenbeschleunigungsanlage CERN ist etwas verschwunden – ein Behälter mit Antimaterie, der zur mächtigsten Bombe aller Zeiten umfunktioniert werden kann.

Illuminati

Man merkt schon, es geht hier um ganz große Themen, um die innersten Strukturen der katholischen Kirche, die neuesten Entwicklungen der Wissenschaft. Selbstverständlich: Illuminati ist kurzweilige Unterhaltung, oberflächlich und anmaßend. Die zahlreichen Ungereimtheiten in Plot und Figurenentwicklung tun ihr Übriges. So tut man vielleicht gut daran, sich schlicht dem Größenwahn des Filmes zu ergeben, Langdon und Vetra als die Charakterhüllen zu akzeptieren, die sie sind und den beiden auf vergessenen Geheimpfaden durch Hollywoods Rom zu folgen. Und auch wenn die Jagd nach dem mysteriösen Geheimbund stilistisch und narrativ solches Vertrauen nicht immer würdigt, wenn sie sich manchmal zu sehr in Genrekonventionen des Serienkiller- und des Abenteuerfilms verliert, so inspiriert der Film dennoch in manchem Moment durch seine rohe Imagination. In einer Zeit, da Pontifex Benedikt XVI. mit erzkonservativem Gebaren die Weltöffentlichkeit ein ums andere mal brüskiert, verliert man sich durchaus immer wieder mit Vergnügen in der Erzählung von einer Kirche, der das Wohl ihrer Anhänger und der Gehalt ihrer Botschaft zentrale Anliegen sind, in der Kirchenrecht mit einem Handstreich gebrochen und ein bescheidener Priester zum Kandidaten für das höchste Kirchenamt auserkoren werden kann.

Illuminati

Schade jedoch, dass sich Ron Howard gerade diese Naivität zuletzt verbietet, um in einem finalen Plottwist der politischen Wirklichkeit und ihren Ambivalenzen Rechnung zu tragen. Durch diesen letzten Hakenschlag raubt er der Erzählung ihre simplistische Verve, die sich in erster Linie aus inszenatorischer Rasanz und leicht verdaulicher Heilsverkündung speiste. Denn in ihrem Innersten ist seine neue Dan-Brown-Verfilmung Zeugnis eines gigantischen Versöhnungswunsches. Das oftmals rigorose Traditionsbewusstsein des Katholizismus und der ungezügelte Wissenstrieb der Naturwissenschaften liegen seit der Renaissance in unlösbarem Zwist. In einem himmelsstürmerischen (Vor-)Finale erlangen sie Einheit in einem Bild, das mit visuellem Bombast das Kino wieder einmal zur Bühne der ganz großen Träume des Menschen macht. Die Antimateriebombe detoniert in einem glühenden CGI- Feuerwerk über dem Petersdom, und für einen Moment implodieren die Kategorien des Großen und des Kleinen, der Vernunft und des Glaubens, wenn der Gottpartikel auf den Gott der Weltreligion prallt.

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Kommentare


Activity

Da ich das Buch gelesen habe kann ich sagen, daß die 1. Hälfte des Filmes nahe am Buch waren. Die 2. Hälfte hatte mit dem Buch nicht mehr allzuviel zu tun. Kritik: 1. Der Tote am Anfang war ihr Vater und nicht ihr Kollege. 2. Der Priester im Brunnen hat nicht überlebt, kann also auch später nicht Papst geworden sein. 3. Auf der Engelsburg waren nur der Killer, Vittoria und Langdon und beim Kampf stürzte der Killer von der Brüstung und kam nicht wie Film bei einer Autobombe ums Leben. 4. Das wichtigste Brandzeichen, der Illuminati-Diamant fehlte komplett, das Zeichen mit den auf dem Kopf stehenden Kreuzen gibt es nicht. 5. Der Camerlengo flog nicht allein sondern mit Langdon im Hubschrauber weg und Langdon sprang dann mit einer Plane aus dem Hubschrauber und landete im Fluß. Der Camerlengo landete mit dem Fallschirm im Buch auf dem Petersdom und brannte, nicht innerhalb des Vatikans wie im Film.
Fazit: Der Film war zwar kurzweilig aber nicht anspruchsvoll und die wichtigsten Szenen haben eindeutig gefehlt.


diego

Hallo, ich habe das Buch erst zweimal gelesen (kürzlich vor Filmstart) anschließend den Film zweimal gesehen. Die Kritik ist sehr treffend formuliert. Natürlich unterscheiden sich die stories, doch kann man den Film als blockbuster an einem Abend genießen und das Buch in einer Woche an mehreren Abenden. Illuminati ist auf jedenfall sehenswert. Auch wenn der Roman geistreicher ist, ist er auch nicht auf hohem Niveau geschrieben. Dafür vermeidet der Film in einem Moment tatsächlich die dubioseste Handlung.


Tschiva

Also was mir gefehlt halt am Film war der Bezug zum Buch .. Es war wirklich sehr abweichend alles (in meinen Augen) verwirrend gedreht. Vorallem ... Wo ist der Direktor vom Cern?


Dragon

Also ich habe auch leider schmerzlich die nähe zum Buch vermisst. Noch schlimmer war, das ich ständig einem Lachanfall nahe war, wenn Langdon sprach. Mir kam das so nuschelig vor als ober er noch die Watte vom Zahnarzt in den Wangen hat...

Sorry für mich gibt es für das Buch eine 1 mit *
Für den Film leider eine 4-


Adra

Wer das Buch gelesen hat und es ganz nett fand, der sollte den Film meiden; wer das Buch nicht kennt und auf Action/Abenteuer steht ist hier richtig.
Ich habe das Buch gelesen und war entsetzt. Klar, dass manche Dinge gekürzt werden müssen oder gar ganz wegfallen aber muss man unbedeutende Kleinigkeiten mit Gewalt ändern?! Ich denke hier an Namen, gerettete Kardinäle, eine Batterie zum Austausch, Vater wird zu Kollege... alles Dinge, die man ohne Zeit zu verlieren hätte belassen können wie sie waren. Dem Täter hat man ein Hauptmotiv genommen indem man die Vater-Sohn-Beziehung wegließ (er kommt auch längst nicht so überzeugt rüber - wo ist denn eine Endansprache um seine "Kollegen" zu überzeugen?) und der Killer kommt viel zu gebildet daher und scheint nur des Geldes wegen seine Aufträge auszuführen - im Gegensatz zum Buch.
Fazit: Man mag von dem Buch halten was man will, aber eine Verfilmung auf diese Art und Weise hat es nicht verdient.


julie

Ich habe nach ungefähr der Hälfte des Film das Kino verlassen, mir war der Film zu düster und zu grausam. Muss man die verstümmelten Leichen so detailliert zeigen, ist das nötig, damit heutzutage ein Film noch als spannend empfunden wird. Mir wars zu heftig und das wollte ich mir nicht bis zum Ende des Film zumuten. Ich bin enttäuscht.


sk

@dragon: ich kenne kaum jemanden, der nicht aufgrund der synchronstimme irritiert war, mir ging es auch so. arne elsholtz, der hanks seine deutsche stimme leiht, musste sich einer op unterziehen, weshalb er auch nicht für charlie wilsons war zur verfügung stand. jetzt hat sich ihr klang doch deutlich verändert. in solchen momenten fällt einem dann besonders auf, wie tragisch es ist, dass in den meisten städten nur synchronisierte fassungen, vor allem der blockbuster, laufen.

@diego: ich habe die kritik von nino anders gelesen, nämlich vehementer - und würde selbst noch viel radikaler argumentieren.
ich glaube nicht (und wenn ich ihn richtig verstehe, nino auch nicht), dass der film sehenswert und als blockbuster zu genießen ist. allein die völlig unnötigen kameraexzesse sind unzumutbar. ganz abgesehen von dem offensichtlich katastrophalen drehbuch, das so häufig thematisiert wird, ist der film vor allem inszenatorisch völlig misslungen. gerade das komplett computeranimierte rom wirkt mehr als befremdlich und illuminati entwickelt nie ein verhältnis zu den räumen, die er etabliert.
was mch insgesamt verwundert: das ständige rekurrieren auf die literaturvorlage.
ich glaube, der film ist als eigenes medium so schlecht, dass man eine diskussion über ihn als literaturverfilmung gar nicht führen muss.


Saphira

was ich bei dem film einfach absolut schade finde ist das das ende total verändert ist...wieso ist Langdon bitte nicht mit in dem hubschrauber?? wieso steht der Camerlengo nicht auf dem Petersplatz und zeigt seine Brandmarkung??und wo ist überhaupt die story hin?? wieso erfährt man denn nicht wenigstens so die hintergründe?? für mich zeigt der film nur mal wieder das richtig gute bücher nicht verfilmt werden sollten und für alle die das buch gelesen haben ist der film ein absolutes no-go und nur geldverschwendung..ich für meinen teil hatte mir wesentlich mehr versprochen vor allem da ich persönlich sacrileg ganz ok für eine buchverfilmung fand


MsAutumBreeze

Ich habe mir diesen Film letztes Jahr zu Weihnachten gewünscht , weil ich ihn so dermaßen spannend und großartig finde. Er ist zwar düster aber die Realität ist doch auch oft düster , oder ?
Ich kann den Film nur weiter empfehlen ! (:


Reinhold Gruninger

Tom Hanks war in diesem Film der unpassende Darsteller! Man sollte das Buich nicht vor dem Film lesen! Der Film hätte lauten müssen: Eine Fahrt durch Rom. Enttäuschend die Verhunzung des Buchs.


Martin Zopick

Hier ist mal der zweite Teil besser als der erste. Der hier ist spannender und komplexer und wartet am Ende mit mehreren überraschenden Wendungen auf. Gleichbleibend ist das Bemühen um liturgische Korrektheit und ein authentisches Ambiente. Über weite Strecken versuchen Professor Langdon (Tomo Hanks) und die Physikerin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) herauszufinden, wer hinter dem Angriff auf die Kirche steckt. Lange Zeit sehen wir von den Bösewichtern nur einen Killer (Nikolaj Lie Kaas). Dabei kann man den kunsthistorischen und religiösen Hinweisen durchaus folgen. Auch wenn mitunter Kommissar ‘Zufall‘ bei den Ermittlungen behilflich ist, wenn man die vier Elemente und den Fingerzeig mancher Figuren richtig deutet. Die Nachforschungen der beiden Wissenschaftler laufenden parallel zum Konklave der Papstwahl. Ganz nebenbei geht es gesprächsweise auch noch um Galileos Thesen und die Macht der Großkonzerne.
Vor dem infernalen Ende ist ein Highlight, wenn sich Tom Hanks als lebensrettender Taucher betätigt.
Die Schlusspassage wartet mit mehreren überraschenden Wendungen auf. Hier wechseln der Polizeikommandant (Stellan Skarsgard) und der päpstliche Kämmerer Patrick McKenna (Ewan McGregor) eindrucksvoll die Fronten. Bis beim letzten Versuch McKenna vom heldenhaften Papstkandidaten zum selbstgemachten Märtyrer wird. Und der weiße Rauch besagt: ‘ Der Papst ist tot, alle Katholiken sind in Not. Doch sie können sich freuen. Sie haben bald einen neuen.‘ Pompöser, religiöser Nervenkitzel auf der Fortschrittsschiene.


Karina van Hoover

Den Film "Illuminati" fande ich sehr ansprechend und bewegend. Doch nur den Beginn. Der Teil, bei dem der Camelengo kein Held mehr ist, sondern alles auffliegt, macht den kompletten Film kaputt.
Dadurch wird außerdem wieder einmal das Vorurteil, die katholische Kirche sei böse und den Priestern etc. gehe es nur um sich.
Das zieht den Film runter und macht ihn kaputt.






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