Ich habe euch nicht vergessen: Simon Wiesenthals Leben und Vermächtnis

Mit vielen Interviews und reichlich Archivmaterial erzählt der Dokumentarfilm Ich habe euch nicht vergessen die Lebensgeschichte von Simon Wiesenthal - des Holocaust-Überlebenden, der es sich zur Aufgabe machte, untergetauchte NS-Größen vor Gericht zu bringen.

Ich habe euch nicht vergessen

Adolf Eichmann war sein berühmtester Fall. Nach akribischer Recherche spürte Simon Wiesenthal den Nazi-Verbrecher 1960 in Argentinien auf. Seitdem nannte man ihn den „Nazi-Jäger“, wohl auch, weil er nicht aufgab, wo andere lieber vergessen wollten. Die erste Sequenz des Films ist ein Zusammenschnitt aus vielen Interviews mit Wiesenthal in verschiedenen Jahrzehnten, die alle in die Frage münden: Wäre es nicht an der Zeit, aufzuhören?

Wiesenthal hörte nicht auf, und mit seiner Hilfe konnten viele geflohene Täter gefunden werden, darunter die KZ-Aufseherin Hermine Braunsteiner und der Lagerkommandant Franz Stangl. Nacheinander handelt Regisseur Richard Trank die einzelnen Fälle ab, dazwischen sind Archivaufnahmen von Wiesenthal selbst und Aussagen von Weggefährten geschnitten. Am interessantesten geraten die Gespräche mit Wiesenthals Tochter Pauline, die sich hier zum ersten Mal vor der Kamera über ihren Vater äußert. Wiesenthal und seine Frau Cyla hatten die NS-Zeit überlebt, 89 Mitglieder ihrer Familien wurden ermordet. Der Titel des Films zitiert das Versprechen, das der in der heutigen Ukraine Geborene den Holocaustopfern gab.

Ich habe euch nicht vergessen

Sehenswert ist Ich habe euch nicht vergessen (I Have Never Forgotten You: The Life & Legacy of Simon Wiesenthal) aber nur wegen Wiesenthals aufregender Lebensgeschichte, nicht wegen der Art, wie sie erzählt wird. Es ist eher eine Hommage als ein differenziertes Porträt geworden, was allerdings nicht sehr verwundert: Die Produktionsfirma ist die Dokumentarfilm-Abteilung des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles. Dazu kommt die sehr konventionelle Machart, die hin und wieder von visuellen Spielereien unterbrochen wird, und vor allem - und das stört dann wirklich ungemein - der penetrante Einsatz von Musik. Nahezu ständig, selbst während der Interviews, strömen gefühlvolle Geigentöne auf den Zuschauer ein, die ihn zur Bewunderung oder zur Rührung einladen sollen. Man fühlt sich schnell manipuliert, was schade ist, denn der vitale, witzige, traurige, nachdenkliche und kämpferische Simon Wiesenthal verfügt über genügend Charisma, um einen ganzen Film auch ohne solche akustischen Ausrufezeichen zu tragen.

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