Ich - Einfach Unverbesserlich

Harte Zeiten für Bösewichte. Superschurke Gru kämpft im Animationsabenteuer Ich – Einfach Unverbesserlich um seinen Titel als der weltgrößte Fiesling und bekommt die Auswirkungen des ausufernden Kapitalismus zu spüren.

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Die Wirtschaftskrise erreicht zunehmend den Animationsfilm. Im Fall von Ich – Einfach Unverbesserlich nicht nur in Form eines geringeren Budgets und Einsparungen bei der Produktion (vergleichsweise geringe 70 Millionen Dollar), sondern auch auf filmimmanenter Ebene: Leidtragender ist Meisterdieb Gru. Zwar hat der es sich in seinem düsteren Anwesen zwischen dem akkurat geschnittenen Rasen und den spießigen Blumenhecken der Vorstadtnachbarn gemütlich gemacht, doch seine berufliche Position als Bösewicht Nr. 1 ist in Gefahr. Grund dafür ist der junge Aufsteiger Vector, der dem in die Jahre gekommenen Schurken Konkurrenz macht. Also muss ein neuer teuflischer Plan her, um den eigenen Ruf zu festigen. Die Lösung: Gru will den Mond stehlen, um so seinen begehrten „Job“ zu behalten.

Am Rande des Kampfes um den Mond setzt Ich – Einfach Unverbesserlich mehrfach gezielte Spitzen auf die Wirtschaftskrise. Etwa als Gru sich für seinen geplanten Mondklau einen Kredit bei der „Bank des Bösen“ abholen will, deren Eingang sich auf einer Herrentoilette befindet und die vormals den Namen Lehman Brothers getragen hat. Bösewicht sein ist ein harter Job und das passende Kreditinstitut ein effizient geführtes Unternehmen, das Anleihen nur noch an die riskantesten, weil profitabelsten Pläne vergibt. Mit solchen Kommentaren auf den rasanten Kapitalismus und seine Folgen weiß der Kinderfilm Ich – Unverbesserlich gelegentlich auch ein erwachsenes Publikum anzusprechen. Höher-Schneller-Weiter, egal, wie hoch der Preis ist oder wie unerreichbar das Ziel. Dieses zweifelhafte Credo hat den Kreis der Schurken fest im Griff. Der Mondklau ist dafür eine ebenso passende wie kluge Metapher.

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Besonders verinnerlicht hat dieses Prinzip der nerdige Streber Vector, der sich, mit reichlich unangebrachtem Selbstbewusstsein und einer guten Portion Narzissmus ausgestattet, an die Spitze des Bösen schleimen will. Dabei scheint dem geltungssüchtigen Ekelpaket jedes Mittel recht, um Gru seine Position streitig zu machen. In bester „Spion & Spion“-Manier bekämpfen sich die beiden mit allerlei absurden wie witzigen Gadgets, von ferngesteuerten Cookie-Robotern bis hin zu Piranha-Kanonen. Unterstützung bekommt Gru von einer Armee sogenannter Minions, die wie kartoffelartige Zwerge aussehen. Warum genau die Wesen die Unterwelt von Grus Anwesen bevölkern, wird zwar nicht erklärt, witzig sind sie aber allemal und verkörpern erfolgreich den kindlichen Hau-drauf-Humor. Mal sind sie Opfer von einem neuen Anti-Schwerkraft-Trunk, mal jagen sie sich aufgrund ihrer Tollpatschigkeit gegenseitig in die Luft und sorgen so für reichlich Schadenfreude beim Zuschauer, ohne dabei allzu sehr in platten Klamauk abzudriften.

Dass die schwer definierbaren Minions zahlreiche Lacher hervorrufen, ist zu großen Teilen den stimmigen Animationen zu verdanken. Die schalkhafte Komik vermittelt sich nämlich nicht durch Worte, sondern gerade durch die reduzierte und dadurch sehr treffende Mimik und Gestik. Auch die beiden Bösewichte erhalten durch die gelungene Optik ihren Charme, vom scharfkantigen, dürren Riesen Gru bis hin zur zu kurz geratenen Brillenschlange Vector, der seinen Seventies-Trainingsanzug ebenso stolz trägt wie den grässlichen Topfhaarschnitt. So tragen die schräg und schrill gestalteten Figuren zur stimmigen Atmosphäre genauso bei wie die humorvolle Geschichte. Das gilt auch für die eingesetzten 3-D-Effekte. Die sind zwar nicht bahnbrechend, fügen sich aber nahtlos in die Handlung des Films ein.

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Mit zunehmender Spieldauer verliert der Film zwar seinen wirtschaftskritischen Unterton etwas aus den Augen und konzentriert sich auf den konventionellen Konflikt zwischen Freundschaft und Karriere. Auch in jedem noch so fiesen Bösewicht steckt ein guter Kern, so die wenig überraschende Botschaft. Grus „Berufwahl“ als mürrischer Bösewicht gerät zunehmend ins Wanken, die, wie sich herausstellt, von einem hartnäckigen Mutterkomplex verursacht wurde. Grund dafür sind die drei Waisenkinder Margo, Edith und Agnes, die er zunächst für seinen Coup gegen Vector einplant, letztlich aber doch in sein Herz schließt. So funktioniert Ich – Einfach Unverbesserlich als etwas moralinsaurer aber kurzweiliger und unterhaltsamer Animationsfilm für Jüngere auch dann, wenn die politischen Bezüge in den Hintergrund treten. Das verdankt er vor allem den genauso schrägen wie sympathischen Figuren, allen voran den heimlichen Stars des Films, den Minions, und einer durchgängig stimmigen Inszenierung, die weder zu hektisch noch überladen wirkt.

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Kommentare


Jörg Cibis

Für Erwachsene, mit „Fred-Feuerstein-Mentalität“ (die noch dazu schwarzen Humor mögen) ist das ein „Topp-Film“.
Kinder unter 10 Jahren sollte man (nach meiner Meinung) von diesem Film fern halten. Ich wollte, wie in der Werbung angekündigt: „…Ich – Einfach Unverbesserlich“ – den Kinospaß für die ganze Familie als große Preview!...“ mit meinem fünf Jahre altem Enkel einen Kinospaß haben.
Erst nahm der Kleine, völlig verängstigt, die 3-D-Brille ab. Danach bettelte er mit Tränen in den Augen „Opa, ich will raus“. Er hat dann den ganzen Nachhauseweg gebraucht, um durch Erzählen seine Eindrücke zu verarbeiten und wieder ruhig zu werden.
(Ich kann den Film aber nur nach diesen erlebten ersten 20 Minuten beurteilen.)
Hinter mir saß eine größere Gruppe ca. 10-jähriger Jungen und Mädchen. Sie hatten sehr viel Spaß mit der „Action“ im Film. An den Kommentaren war jedoch zu erkennen, dass die (für Erwachsene) wirklich sehr guten Pointen und Vergleiche mit der „realen Welt“ nicht einmal annähernd erfasst wurden. Hier herrschte immer dann Freude, wenn wieder mal eine Figur durch Raketen, Sprengsätze oder ähnliche Mittel k.o. ging.
Also billige „Hau-Drauf-Mentalität“ in dieser Altersklasse.
Wie schon gesagt, es ist ein Film für Erwachsene mit oben genannten Eigenschaften.
Auf keinen Fall aber ein Kinospaß für die ganze Familie.


Lena

Guten Tag Herr Jörg Cibis,
Ich kenne Ihren Enkel ja nicht, aber wenn er bis jetzt nur " Biene Maja" Filme geschaut hat, geb ich Ihnen Recht, der Film " Ich - Einfach Unverbesserlich" ist dann nichts für ihn. Ich war mit meinen Kinder (7+9 Jahren) in dem Film. Meine Kinder und ich fanden diesen einfach nur genial. Man muß den Film einfach mit Humor sehen. Nicht mit der Realität vergleichen. Das kann man eh bei KEINEM Film. Dafür gibt es nun mal Kino, um sich in der Zeit in eine " andere Welt" zu versetzen. Dieses sollten Sie Ihrem Enkel auch beibringen, dass Film einfach nur ein Märchen ist.
Und dieses wird in dem Fim...einfach Unverbesserlich richtig gut rüber gebracht. Halt ein Kinospaß für die ganze Familie !!!!!!!


Gerry

Ein genial gelungener Film, den ich mir mitlerweile schon 3 mal angeschaut habe. Prädikat: Klasse






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