Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los

Prähistorischer Kindersegen zwischen ewigem Eis und unterirdischem Dschungel: Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los ist Kinospektakel der direkten Art.

Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los

Versuchte man sich an einer Charakterisierung der drei „Großen“ des computeranimierten Animationsfilms, könnte das folgendermaßen aussehen: Während Pixar, spätestens seit Wall-E (2008) und Ratatouille (2007), als die großen Melancholiker der computergenerierten Bildwelten durchgehen und die Dreamworks Animation Studios (Shrek, 2001; [filmid:q1270]Kung Fu Panda, 2007) als hippe Eklektiker des Popzitats, so sind die Animateure der Blue Sky Studios die Meister der wilden Effekthascherei. Jüngstes Beispiel: der dritte Teil ihrer kultigen Ice Age-Serie (Ice Age, 2002; Ice Age 2: Jetzt Taut’s, 2006).

In einem Parforceritt der Geschwindigkeiten schleudert Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los (Ice Age: Dawn Of The Dinosaurs) den Zuschauer in eine nicht abreißende Abfolge unkontrollierter Bewegungen, quer durch alle Dimensionen des virtuellen Raums. Schlitter- und Rutschpartien, Verfolgungsjagden, Flüge, Stürze und anschließendes Emporkatapultieren: Blue Skys neuester Streich ist pure Kinetik. Leider konnte der Rezensent sich keinen Eindruck der 3D-Version des Filmes machen, doch schon in 2D ahnt man, um wie viel reiz- und machtvoller sich die Achterbahnfahrten durch die Urgeschichte mit zusätzlicher Tiefenwirkung ausnehmen mögen.

Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los

Die Kleinsten kommen somit in jedem Fall auf ihre Kosten, denn Ice Age 3 ist ein Film von maximaler Hibbeligkeit, der mit seinen Angriffen auf die Sinne genuines Attraktionskino ist: schneller, wilder, bunter. Doch war bisher eines der Gütesiegel der Ice-Age-Saga, als quasi perfekte Familienunterhaltung durchzugehen. Spektakel für die Kleinen, beziehungsreiche Gags und gewitzte Charaktere für die Großen. In letzterem Punkt fällt der jüngste Spross der Reihe unglücklicherweise weit hinter den ersten Teil und die Konkurrenten von Pixar und co. zurück.

Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los

Das beginnt bei der Geschichte, die sich nur sehr selten über ein Dahinvegetieren als Hintergrund für die mannigfachen Aktionsbilder erheben kann. Und das, obwohl das Team rund um Regisseur Carlos Saldanha die Thematik des zweiten Teiles prinzipiell schlüssig fortsetzt. War damals eines der Spannungsfelder die Problematik des Akzeptierens der sozialen Rolle und die Frage nach Geschlechteridentitäten, so versetzt uns Ice Age 3 mitten hinein in den Geschlechterkampf und die Fallstricke des Elterndaseins.

Mammutdame Ellie hat sich von ihrer rebellischen Jugend als eingebildetes Opossum verabschiedet und zur hochschwangeren Super-Frau entwickelt. Zusammen mit Ehegatte Mannie, der als übereifriger und überbesorgter Vater in spe endlich sein spießiges Naturell mit Grund ausleben kann, wartet man auf den arterhaltenden Nachwuchs. Als Faultier Sid jedoch auch Papa spielen möchte und mysteriöserweise drei Dinosauriereier findet, nimmt die Vorhersehbarkeit ihren Lauf. Die Dino-Mama ist böse und entführt das arglose Faultier: Rettung ist vonnöten. Und so stolpern unsere Helden in ein unterirdisches Dschungelparadies, in dem die Dinos noch fressen und brüllen, als sei nie ein Meteorit (oder ein Virus, oder eine Sturmflut) in ihre Mitte gestürzt.

Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los

Wie man es auch betrachtet, das Dinosaurierszenario erscheint bis zuletzt als glückloser Kunstgriff der Autoren, der weniger auf ihre Fantasie, als vielmehr ihre Ratlosigkeit schließen lässt, den reduzierten Eis- und Schneewelten der ersten Teile weiterhin spannende Storys abzuringen. Noch ernüchternder stimmen die Dialoge, sind diese doch derartig überfüllt mit zotigen Kalauern und bemühten Einzeilern, dass sich im gesamten Film nicht ein einziges Zwiegespräch finden ließe, das gänzlich auf ironische oder kitschige Spitzen verzichtet. In Union mit dem ununterbrochenen Bombardement der Actionsequenzen wird Ice Age 3 auf Dauer zu einer geradezu schmerzhaften Erfahrung.

Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los

Immer wieder blitzt aber auch der alte Biss der Vorgänger in einzelnen Szenen hervor und produziert wirklich komische, zum Zerbersten komprimierte Kommentare über die Tücken der Liebe und Liebeskriege. Wenn Sid, vor einer wutschnaubenden T-Rex-Mama flüchtend, Sorgerechtsstreitereien diskutiert oder das allbeliebte stumme Eichhörnchen mit einem sexy rot-braunen Weibchen einen Todeswalzer im Kampf um die begehrte Eichel aufs Parkett legt, kommen wirklich alle Generationen auf ihre Kosten.

Und Effekthascherei hin oder her: Auch mit digitalem Muskelgeprotze lassen sich teils subtile Botschaften vermitteln. Ob sich das buttweich animierte Fell der Eichhörnchendame nun für das lüstern starrende Männchen oder den Zuschauerblick so formvollendet in Zeitlupe wiegt, bleibt in andeutungsreicher Schwebe. Wer hat sich bisher über den Sexappeal des Digitalen Gedanken gemacht? Und die gefahrvolle Fragilität der Geburt wird in einer absolut tollkühnen (vierfachen!) Parallelmontage zu einem Moment wahnsinniger Spannung: Kommt das Kind zur Welt? Gelingt es Diego und Mannie, die blutrünstigen Velociraptoren im Zaum zu halten? Stürzt Sid in den Lavafluss? Gelingt es dem Opossumclan, die Flugdinosaurier abzuschütteln? Da bleibt dann doch wieder nur ein Urteil: Wow.

Trailer zu „Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.