I Was a Swiss Banker

Nach einem beherzten Sprung in den Bodensee findet sich der so erfolgreiche wie skrupellose Banker Roger in einer kuriosen Märchenwelt wieder. Und die ist voller Frauen, die etwas von ihm wollen.

I Was a Swiss Banker

Der Sturz ist gewaltig, schon in den ersten Minuten. Roger, ein smarter Porschefahrer und erfolgreicher Banker, wird an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz erwischt. Mit einer roten Tasche voller Schwarzgeld, das er für seine Kunden schmuggeln sollte, flieht er vor der Polizei. Aus Angst macht er sich in die Hose, und der Schweizer Regisseur Thomas Imbach erspart es seinem Schauspieler Beat Marti nicht, sich den nackten Hintern am Gras abwischen zu müssen. Vom selbstgerechten reichen Schnösel zum Hosenscheißer innerhalb weniger Schnitte – es geht, soviel ist deutlich, in I Was a Swiss Banker offenbar um einen Mann, der noch einmal ganz von vorne anfängt.

Die Szene ist einer der letzten Einbrüche der Realität in diesen Märchenfilm, der allerdings immer mal wieder von kleinen Irritationen unterbrochen wird. Auf seiner Flucht springt Roger in den Bodensee, und als er wieder auftaucht, befindet er sich zwar nicht im Lande Oz (Der Zauberer von Oz, The Wizard of Oz, 1939), sondern immer noch in der Schweiz. Aber die sieht reichlich märchenhaft aus, mit übersatt grünen Wiesen und äußerst seltsamen Gestalten. Roger begegnet einer Wassernixe (die allerdings keinen Fischschwanz trägt, sondern einen roten Badeanzug und ein Netzhemd), und wird von einer gutgelaunten Hexe becirct. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer, eher der Realität entlehnter Frauen internationaler Herkunft, die sich für den Beau interessieren, darunter eine schwedische Schäferin, eine türkische Kellnerin und ein blondes Gift.

I Was a Swiss Banker

Zu den Bildern, die man in einem Märchen üblicherweise nicht erwarten würde, gehört in diesem Zusammenhang auch der Anblick von Roger in einer von einer Morgenlatte ausgebeulten Unterhose. Der sexuelle Unterton bezieht sich ungewöhnlicherweise immer auf den Körper des männlichen Protagonisten, der – obwohl ja von Berufs wegen eigentlich ein „Macher“ – der erotischen Zudringlichkeit seiner Gespielinnen wenig entgegenzusetzen hat. Die Hexe jedenfalls freut sich im Voraus darauf, dass der Jüngling bald ihr gehören wird, indem sie Wodka trinkt und reichlich ausgiebig kichert. Oder ihm neugierig in die Hose lugt.

Zwischendurch ist Roger immer mal wieder unter Wasser unterwegs, wo die Nixe auf ihn wartet, und einmal telefoniert er auf dem Grund des Sees sogar mit dem Handy, aber es steigen lediglich Luftblasen aus seinem Mund nach oben – was nicht nur, wie sämtliche Unterwasseraufnahmen, hübsch aussieht, sondern auch ein verspielter Kommentar zu den öffentlichen Dampfplaudereien ist, die man von geschäftstüchtigen Mitmenschen, wie Roger bis vor einigen Filmminuten noch einer war, gewohnt ist.

I Was a Swiss Banker

Thomas Imbach hat eine versponnene Filmfantasie gedreht, die ganz anders als sein letztes Werk Lenz (2006) betont leicht und vergnügt daher kommt. Anders als in früheren Projekten hat er dieses Mal hauptsächlich in 35 Millimeter gedreht, nur wenige Szenen auf Video. Das verleiht seinen Naturbildern eine blendende Schönheit. Wie in einem Roadmovie spielt die Landschaft von I Was a Swiss Banker selbst eine Hauptrolle. Mit dem Unterschied, dass die Straßen durch eine ganze Reihe von Schweizer Seen ersetzt sind, durch die Roger schwimmt und taucht. Diese Landschaft in ihren überwältigenden Rot-, Blau- und Grüntönen bildet aber nur den Rahmen für eine im Grunde ganz einfache, aber kompliziert erzählte Geschichte über so romantische Sachen wie die Suche nach der wahren Liebe in der kapitalistischen Welt. Die eine globale Welt ist: Gesprochen wird Schweizerdeutsch, Englisch, Dänisch, Schwedisch, Türkisch und Rätoromanisch. Auch die ewig neutrale Schweiz, das klingt hier überdeutlich an, kann sich nicht ewig verstecken.

I Was a Swiss Banker

Die Welt der Handys, Spiegelbrillen und Porschefahrer bleibt noch eine ganze Zeit präsent, und zwar in Form der roten Tasche mit dem vielen Geld. Die Inszenierung ist da in ihrer Mischung aus Märchenfilm und Schelmenroman hemmungslos symbolisch – allzu häufig aber auch holprig – und verhehlt ihre Kolportagehaftigkeit keineswegs. Die schmachtende Nixe in ihrem Netzhemd setzt sich einmal sogar auf einen Stein, wie die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen.

Wem dieser manchmal vergnügliche, manchmal aber auch unnötig anstrengende Film zu heterogen ist, der bleibe dennoch bis zum Ende des Abspanns sitzen. Der ist nämlich, wie auch schon der Vorspann, von so ausgesuchter tricktechnischer Poesie, dass man davon keine Sekunde verpassen sollte.

Trailer zu „I Was a Swiss Banker“


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