I Heart Huckabees
Eine “existentialistische Komödie” über die Identitätskrisen verschiedener Figuren, die sich im formal-inhaltlichen Übereifer des Regisseurs verliert.

I Heart Huckabees deklariert sich selbst als eine “existentialistische Komödie”. Für einen Hollywood-Film mag diese Mischung aus Entertainment und philosophischem Anspruch zunächst überraschen, tatsächlich ist sie jedoch lediglich die Zuspitzung einer aktuellen Tendenz in der amerikanischen Filmindustrie. Es sind Filmemacher wie Wes Anderson, Spike Jonze, Michel Gondry, vor allem aber Drehbuchautor Charlie Kaufman, die in ihren surreal-absurden Tragikomödien menschliches Dasein hinterfragen. Mit seinem neuen Film steuert nun erstmals auch David O. Russell, der zuvor mit Flirting With Desaster (1996) und Three Kings (1999) Publikum wie Kritiker gleichermaßen überzeugen konnte, einen Beitrag zu jener Schule des „new whimsy“, was eine Art „schrägen“ Humors bezeichnet, bei.
Als der Umweltschützer Albert Markovski (Jason Schwartzman) in eine Identitätskrise gerät, engagiert er die “existentialistischen Detektive” Bernard und Vivian Jaffe (Dustin Hoffman, Lily Tomlin), zwei therapierende Metaphysiker, um einen Sinn in seinem Leben zu finden. Dabei sieht er sich, wie auch andere Nebenfiguren, zwischen verschiedenen Welterklärungsansätzen hin- und hergerissen. Es sind die Kämpfe diverser Lebensprinzipe und -philosophien untereinander, die im Zentrum von I Heart Huckabees stehen: Buddhismus vs. Existentialismus, kosmische Verbundenheit vs. Individualismus, Idealismus vs. Kapitalismus, etc. Am Ende obsiegt die Konfusion: alles Sein scheint unerklärlich. Russell ist nicht daran interessiert, einen Lösungsansatz zu bieten; vielmehr versucht er aus den Erklärungsnotständen und -versuchen seiner Figuren Komik zu gewinnen, um eine Satire auf den menschlichen Irrglauben zu entwerfen, das Leben durch Raster und Muster verstehen zu können.

Die Welt des Menschen ist ein Konstrukt - und als solches weist Russell auch seinen Film aus: Die Verspieltheit des Stils - computergenerierte Effekte, Split-Screens, Jump Cuts, Flashbacks, surreale Bildwelten, absurde Situationen, hyperrasantes Erzählen, cartoonhafte Figuren - betont ausdrücklich den Kunstcharakter des Werkes. Zu seinem Leidwesen quillt I Heart Huckabees nicht nur inhaltlich, sondern auch formal über - er erweist sich als “overdirected“. Hinter all den philosophischen Diskursen und artifiziellen Auswüchsen verliert sich zunehmend die eigentliche Geschichte. Der emotionale Zugang zu der Welt der Figuren bleibt verwehrt, so dass man als Zuschauer teilnahmslos das Geschehen auf der Leinwand verfolgt und nihilistisch antworten möchte: Ist doch alles egal.
Auch die Besetzung, darunter immerhin klangvolle Namen wie Dustin Hoffman, Isabelle Huppert, Jude Law und Naomi Watts, vermag das Interesse an den Figuren kaum zu steigern. Einzig Mark Wahlberg liefert die geradlinige, durch Witz bestechende Interpretation eines Feuerwehrmannes, der aus ökologischen Gründen mit seinem Fahrrad zu den Bränden eilt. Anders als Wahlberg wirken viele der Charakterdarsteller zu deplaziert in einem Film, der seine Figuren eher plakativ als psychologisch behandelt, einigen von ihnen - vor allem Huppert und Watts – gelingt es kaum, komisches Potential zu entfalten.

Überhaupt ist es ein Grundproblem dieser Komödie dass sie nur bedingt komisch ist. In Russells übereifrigem Film wirkt die Komik oftmals nur noch gewollt und bemüht. Zu sehr ist der Regisseur damit beschäftigt, die philosophischen Diskurse seiner Figuren an den Mann zu bringen – die beabsichtigte komisch-satirische Wirkung erzielt er nur selten daraus. Russells ursprünglich interessantes Konzept einer Satire über das Philosophieren scheitert letztendlich, weil der Regisseur inmitten des formalen, wie inhaltlichen Tohuwabohus selbst die Distanz und den bissigen Blick auf das Sujet verliert. Die Welterklärungsversuche der Figuren verselbständigen sich und werden zuweilen derartig dominant, dass man den Eindruck einer Schnelleinsteiger-Lehrstunde in Sachen Philosophie bekommt, bei der es nur wenig zu lachen gibt.
Filmkritik von Welf Lindner
Veröffentlicht am 23.03.2005
Kommentare zu I Heart Huckabees
Alex 30.09.2005 17:47
Was für ne mittelmäßige Kritik. Der Film ist unterhaltend, kurzweilig und führt in die Grundproblematik der Menschheit ein, die nach dem 11. September endlich mal etwas öffentlicher diskutiert wird. Die Zwiespaltigkeit der Protagonisten entsteht nur dadurch, daß Ihr Weltverständnis dem der Gemeinschaft in allen Zügen entgegen spricht und unsere Problem oft in der Kindheit liegen, welche wiederum durch die Gemeinschaft bestimmt wird. Wie das Problem lösbar ist, zeigt der Film auf amüsante Weise und verdeutlicht, daß man nur seine Probleme lösen muß. Und Wahrnehmung ist der Schlüssel zu fast allen Problemen der Erde.
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Film-Angaben
Titel: I Heart Huckabees
USA 2005
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: David O. Russell
Drehbuch: David O. Russell, Jeff Baena
Produktion: David O. Russell, Gregory Goodman, Scott Rudin
Darsteller: Jason Schwartzman, Jude Law, Mark Wahlberg, Dustin Hoffman, Lily Tomlin, Naomi Watts, Isabelle Huppert
Kinostart: 12.05.2005
DVD-Angaben
Titel: I Heart Huckabees
Vertrieb: 20th Century Fox
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 102 Minuten
Extras: Audio-Kommentare; Dokumentation; Featurette; 4 unveröffentlichte Szenen; Inside Look; 5 Outtakes; John Brion Musik-Video
Verleih ab: 18.08.2005
Verkauf ab: 25.08.2005
Copyright I Heart Huckabees
Fotos: © 20th Century Fox
BERLINALE 2012

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