Hustle & Flow

Der Zuhälter Dee Jay wird durch die Begegnung mit einem geheimnisvollen alten Mann wieder an seinen Jugendtraum erinnert und versucht mit der Hilfe einiger Freunde als Rapper Karriere zu machen. Doch zunächst brauchen sie erst mal einen Hit.

Hustle & Flow

Es ist allgemein bekannt, dass Hip Hop eine Musik ist, deren Ursprung in den schwarzen Ghettos amerikanischer Großstädte liegt. Dass heute immer noch die meisten Rapper aus einer ärmlichen Umgebung stammen, wird in Musikvideos gerne vom Protzen mit dem neu gewonnenen Ruhm in den Hintergrund gedrängt. Statt einer Bestandsaufnahme des „wahren“ Lebens auf der Straße, schmückt man sich lieber mit Statussymbolen wie großen Klunkern, dicken Autos und leicht bekleideten Frauen und stilisiert die eigene Person zum ultimativen Helden.

In seinem zweiten Spielfilm Hustle & Flow erzählt Regisseur Craig Brewer die Geschichte von Dee Jay, einem in die Jahre gekommenen Zuhälter, der seinen Jugendtraum verwirklichen möchte und eine Karriere als Rapper anstrebt. Das Porträt einer Erfolgsgeschichte ist jedoch in einem Stadium weit vor Reichtum und Erfolg angesiedelt, wo die Songs noch in einem selbst gebastelten Studio innerhalb der eigenen vier Wände aufgenommen werden und das größte Problem ist, wie man die Musik möglichst schnell unter die Leute bringt.

Dee Jay beginnt seinen alten Traum wieder voller Ehrgeiz zu verfolgen nachdem ihm ein alter Mann vor einem Stripclub ein Keyboard verkauft und Dee Jay kurz darauf einem Schulfreund begegnet, der sich mit der Produktion von Musik auskennt und zudem über das nötige Equipment verfügt. Im Folgenden zeigt der Film detailliert die Entstehung eines Songs: Sowohl die euphorischen Momente, in denen sich spontane Eingebungen als geniale Ideen entpuppen, sowie die kreativen Durststrecken. So wechselt auch der gesamte Film immer wieder zwischen der Darstellung harter Alltagsrealität und der Utopie, dass es jeder zu etwas bringen kann.

Hustle & Flow

Mit Terrence Howard, der kürzlich in L.A. Crash(Crash, 2005) und Ray (2004) zu sehen war, wurde ein auf Nebenrollen festgelegter Darsteller gefunden, der sich in klassischer method-acting-Manier ganz in die Figur des etwas schmierigen Zuhälters einlebt. Dem Konzept der Verschmelzung mit der Figur verschrieben, singt Howard dann selbstverständlich auch die Rapparts selber ein, wobei der fertige Song über seine Funktion als Soundtrack hinaus nur wenig taugt.

Das Erfrischende an Hustle and Flow ist die Charakterisierung seines Protagonisten. Während Filme wie 8 Mile (2002) oder Slam (1998) ebenfalls den steinigen Weg zu Anerkennung und Erfolg nachzeichnen, sich aber in erster Linie ganz auf den auch im realen Leben rappenden Hauptdarsteller und die auf seine Person zugeschnittene Figur konzentrieren, gibt es in Hustle & Flow nur einen fiktiven und auch nicht durchgehend sympathischen Charakter. Besonders im Umgang mit den drei Frauen, die mit ihm zusammen leben, kommt sein egoistisches und unsensibles Wesen deutlich zum Vorschein. Dafür richtet der Film seine Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf Dee Jay, sondern zeigt die Aufnahme eines Songs als Teamwork, bei dem Freunde und Musikerkollegen ebenso beteiligt sind wie der im Vordergrund stehende Rapper.

Als Film mit überwiegend schwarzer Besetzung und zwei weißen Figuren, bei denen man sich nicht dem Gefühl entziehen kann, dass es sich hier um die Erfüllung einer Quote handelt, merkt man, dass auch in Filmen mit afroamerikanischen Themen meist dieselben Leute ihre Finger im Spiel haben. Produziert wurde das Ganze schließlich von John Singleton, der Anfang der Neunziger mit Boyz n the Hood (1991) weniger politisch als Spike Lee und nicht ganz so reißerisch wie Blacksploitation-Filme den Versuch unternahm ein sozialkritisches schwarzes Kino zu etablieren und heute weitaus publikumswirksamer operiert, wovon man sich zur Zeit im Kino mit ilmid:313]Vier Brüder(Four Brothers) überzeugen kann.

Hustle & Flow

Neben einem bekannten Produzentennamen kann sich Hustle & Flow auch mit dem Publikumspreis des Sundance Filmfestivals schmücken. Das von Robert Redford ins Leben gerufene Festival gibt sich seit mittlerweile zwei Jahrzehnten als größte Plattform für den unabhängigen Film aus und ist genau dies nicht. Die dort gezeigten und prämierten Filme wären zwar nicht ohne weiteres als Blockbuster möglich, aber abgesehen von einem gewissen Indie-Look unterscheiden sich die Filme dramaturgisch, schauspielerisch und ästhetisch kaum von Großproduktionen mit einem sozialkritischen Ansatz. So sind die vermeintlichen Indies keine Gegenentwürfe zu herrschenden Konventionen, sondern kosten einfach weniger Geld, zeigen Schauspieler in Hauptrollen, die sonst nur Nebenrollen bekommen und haben ein wenig mehr Mut sich an Grenzen zu bewegen, überschreiten diese aber nicht.

Auch Hustle & Flow, der in diesem Fall als Prototyp eines Sundance-Films gesehen werden kann, weist einige Aspekte auf, die bei einer größeren Produktion so nicht denkbar gewesen wären. So verfällt der Film nicht ins politisch Korrekte, wenn er die fragwürdige Beziehung zwischen Dee Jay und „seinen Frauen“ darstellt und hält sich auch mit Pathos, der bei so einer Erfolgsgeschichte geradezu unvermeidbar scheint, weitgehend zurück. Am Schluss, nachdem so manche Hürde von Dee Jay bewältigt wurde und ihn der Ghetto-Alltag oft genug eingeholt hat, nimmt sich der Film dann doch noch die Freiheit pathetisch zu sein und seinen Protagonisten als Helden zu feiern.

Kommentare


I.

Der Film ist alleine deswegen schon interessant, weil er es schafft Momente gefühlvoll und doch unübertrieben emotional darzustellen und genau deswegen realistisch wirkt. Einer der besten Hip-Hop Filme. Der Soundtrack ist auch cool.






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