Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird

Fünf Jahre nach dem Ende des Jugoslawienkrieges machen sich drei amerikanische Journalisten auf die Jagd nach einem Kriegsverbrecher.

Hunting Party

Im Oktober 2000 erschien in der amerikanischen Zeitschrift Esquire ein Aufsehen erregender Artikel des Journalisten Scott Andersen mit dem Titel „What I did on my Summer Vacation“. Andersen beschreibt darin, wie er bei einem Aufenthalt in Sarajevo mit vier Kollegen die wahnwitzige Idee hatte, den international gesuchten und bis heute nicht gefassten Kriegsverbrecher Radovan Karadzic ausfindig zu machen, auf dessen Kopf eine Belohnung über fünf Millionen Dollar ausgesetzt war. Das Erstaunliche an der Geschichte ist, dass es den Männern sogar gelang, in die Nähe Karadzics zu kommen, sie aber von der CIA daran gehindert wurden, die Spur weiter zu verfolgen, und umgehend in ihre Heimat zurück fliegen mussten. Die eigentliche Enthüllung der Geschichte war, dass die CIA den Aufenthaltsort Karadzics kennen musste, scheinbar aber kein Interesse an dessen Festnahme hatte.

In Hunting Party – Wenn der Jäger zum Gejagten wird (Hunting Party) greift Richard Shepard (Mord und Margaritas, 2005) diesen Artikel auf und macht die Geschichte mit einer Vielzahl an Übertreibungen und Ausschmückungen Hollywood-kompatibel. Dabei kommt es durch die Dramatisierung des Stoffes auch zu einigen Veränderungen: Die fünf Journalisten werden auf drei reduziert, die als Gegenspieler angelegt sind, und sie dürfen dem gesuchten Kriegsverbrecher zudem sehr viel näher kommen, als es Andersen und seinen Kollegen gelang.

Hunting Party

Der Journalist Simon Hunt (Richard Gere) und der Kameramann Duck (Terence Howard) berichten während des Jugoslawienkrieges aus den größten Gefahrenzonen und werden dadurch zu einem „Dreamteam“ der Kriegsberichterstattung. Während Hunt nach einem Ausraster vor laufender Kamera untertaucht, arbeitet Duck in einer gesicherten Position bei einem großen Fernsehsender. Als sich die beiden ehemaligen Partner anlässlich einer Friedensfeier in Sarajevo wieder treffen, schlägt Hunt seinem alten Freund vor, den „Fuchs“, den gefährlichsten Mann Serbiens, für ein Interview aufzusuchen und anschließend festzunehmen. Das gefährliche Unterfangen droht noch wahnwitziger zu werden, als sich der Journalismusstudent Benjamin (Jesse Eisenberg), der nur wegen seines einflussreichen Vaters mit nach Sarajevo durfte, nicht davon abbringen lassen will, die beiden zu begleiten.–

Obwohl der Film mit einem aktuellen und ernsthaften Thema wie dem Jugoslawienkrieg arbeitet, ist dabei weniger ein Film über Kriegsverbrechen heraus gekommen, als ein rasantes Buddy Movie. Shepard ermöglicht seinen Zuschauern mit der Beziehung zwischen Hunt und der Bosnierin Magda, die durch den „Fuchs“ und seine Truppen grausam beendet wird, auch einen emotionalen Zugang zu den Ereignissen. Zwar verkitscht er hier das Leid des Krieges, indem er die Emotionen seiner Figuren immer wieder in Standbilder einfriert, letztendlich spielen dieses Handlungselement und der tragische Erzähltonfall aber nur eine untergeordnete Rolle. Der eigentliche Coup des Films ist es, ein so ernstes Thema mit viel Leichtigkeit und Wortwitz zu inszenieren, ohne sich auf zynische Weise über den Krieg lustig zu machen.

Hunting Party

Würde es sich bei Hunting Party um einen reinen Unterhaltungsfilm handeln, könnte man Shepard ohne weiteres bescheinigen, dass sein virtuoser Genremix aus Action, Drama und Komödie über weite Strecken gut funktioniert und unterhält. Im Hinblick auf die wahren Ereignisse, die dem Film zugrunde liegen, wirkt es im Rahmen der Fiktionalisierung allerdings etwas undifferenziert, wenn alle Serben als psychopathische Säufer und glühende Verehrer eines Schlächters dargestellt werden. Mit den wenigen Elementen, die von der Originalgeschichte geblieben sind, wirkt es dann auch etwas anmaßend, wenn sich der Film am Ende mit reißerischen Textinserts wie „Nur die unglaublichsten Teile dieser Geschichte sind wahr“ und seinem Enthüllungsauftrag brüstet.–

Zuletzt versucht Hunting Party noch seinen Wirklichkeitsgehalt mit einem kurzen Auftritt der echten Journalisten in einer Bar-Szene zu belegen. Dabei ist dieser Augenblick geradezu bezeichnend für ein im Hollywoodkino häufig auftretendes Missverständnis. Als ob der dekorative Effekt eines Gastauftritts etwas mit der Authentizität des Films zu tun hätte.

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