Hui Buh - Das Schlossgespenst

Hui Buh – Das Schlossgespenst von Sebastian Niemann ist ein Kinderfilm-Potpourri, das den Bezug zum Hörspiel lediglich als Legitimation nutzt, ohne an dessen Einfallsreichtum heranzureichen.

Hui Buh - Das Schlossgespenst

„Manche Leute sagen, es gibt Gespenster. Manche Leute sagen, es gibt keine Gespenster. Ich aber sage: Hui Buh ist ein Gespenst.“ Diese Worte des Erzählers Hans Paetsch haben sich allen Fans Hui Buhs ins Gedächtnis eingegraben. Und so beschwört der auch im Film Hui Buh – Das Schlossgespenst von Paetsch gesprochene Satz Erinnerungen an durchwachte Nächte und schaurige Geisterstunden im Kinderzimmer herauf. Das Hörspiel war in den 80er Jahren ungefähr so populär wie „Die drei ???“ und verhalf dem Autor Eberhard Alexander-Burgh zu Ruhm. Mit viel Wortwitz und natürlich der unverwechselbaren Stimme Hans Clarins, die dem Spukgespenst Leben einhauchte, wurde Hui Buh zum Kulthörspiel. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es verfilmt werden würde. Unter der Ägide von Regisseur Sebastian Niemann (Das Jesus Video, 2002) wurde das Projekt umgesetzt, und so spukt das einzig behördlich zugelassene Gespenst von Schloss Burgeck nun durch unsere Kinos.

Die Grundhandlung des Films beruht auf Burghs Hörspiel, bringt allerdings auch einige neue Züge in die Geschichte ein. Bevor Hui Buh zu dem wurde, was es ist, pflegte es als possenhafter Ritter Balduin (Michael Bully Herbig) auf seinem Pferd Rosalinde durch die Welt zu reiten und sich mit kleinen Gaunereien über Wasser zu halten. An einem Freitag den 13. wird er auf frischer Tat ertappt und von Ritter Adolar (Nick Brimble) verflucht. Der Blitz schlägt in Balduin ein und erweckt das Gespenst zum Leben, das seitdem die Besitzer von Schloss Burgeck zu vertreiben versucht. Nur Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) lässt sich nicht verscheuchen, und so muss Hui Buh seine Kreativität walten lassen, um wieder Herr über das Schloss zu werden. Anders als im Hörspiel tauchen im Film böse Rachegeister auf, die diese Aufgabe erschweren und dem Geist damit drohen, ihn in der Seelensuppe auszulöschen.

Hui Buh - Das Schlossgespenst

Während Ritter Balduin an den tollpatschigen Don Quijote erinnert, ist Hui Buh eher eine Hommage an Oscar Wildes vom Pech verfolgtes Gespenst von Canterville, dem ähnliche Missgeschicke passieren. Was im Hörspiel allerdings Klein und Groß fesselte, reicht im Film nicht aus, um die Spannung über knapp 100 Minuten zu dehnen. Zu sehr wird mit Klischees gearbeitet, die an US-amerikanische Kinderfilme wie Kevin allein zu Haus (Home alone, 1990) erinnern. Slapstick mutiert zu Klamauk, noch unterstrichen durch das überzogene Spiel Rick Kavanians, der die Figur des Charles mit pseudo-französischem Akzent versieht und eher an seine homosexuelle Vorgängerrolle in (T)raumschiff surprise – Periode 1 (2004) erinnert. Die ruhige Darstellung Herbsts und Ellenie Salvo Gonzáles, die die Zofe der Leonora Gräfin zu Etepetete (Heike Makatsch) verkörpert, geht neben Kavanian und den anderen typenhaften Figuren völlig unter und wirkt deplaziert.

Überhaupt ist so einiges nicht ganz stimmig in Hui Buh – Das Schlossgespenst. So gewinnt man den Eindruck, der Regisseur versuche sämtliche Genres abzuklappern und verschiedenste Filme zu zitieren. Charles’ rettender Sprung durch das Burgfenster erinnert an eine japanische Kampffigur à la Matrix. Das Äußere des bösen Geistes Daalor (ebenfalls Nick Brimble) ist dem Science-Fiction-Bereich entlehnt und hat starke Ähnlichkeit mit der Maske mancher Außerirdischer aus Star Trek. Das Motiv der reinen Zofe und der bösen Gräfin nebst verschütteter Erbsen (hier Perlen) kennt man aus dem Märchen Aschenputtel. So werden verschiedene Handlungsschwerpunkte und Motive aufgegriffen, die meist nicht zueinander passen.

Hui Buh - Das Schlossgespenst

Der Stilbruch setzt sich auch bei Hui Buhs Aussehen fort: Er ist als einzige Figur animiert und würde sich optisch perfekt in Shrek der tollkühne Held (Shrek, 2001) einfügen. Aus welchem Grund die anderen Geister nicht aus dem Computer stammen, sondern durch weiß geschminkte Schauspieler verkörpert werden, ist völlig unklar. Zumal es sich bei Hui Buh um eine Animation Bully Herbigs handelt und nicht, wie im Hörspiel, um den in weiß gewandeten Geist mit dem Federhut auf dem Totenschädel. Dies mag den Sinn und Zweck haben, mit der ‚Marke Bully’ zu werben; dann jedoch hätte man Hui Buh auch gleich durch ihn verkörpern lassen können – natürlich weiß geschminkt.

Bei dieser Mélange darf auch der Harry Potter-Trend nicht außer Acht gelassen werden. So dürfte es keinen wundern, dass der naseweise Sohn der Zofe Konstanzia (Martin Kurz) sich in der Welt der Geister mit den dunklen Mächten anlegt, um seinen verstorbenen Vater zu suchen und nebenbei Hui Buh aus den Fängen des bösen Daalor zu retten. Damit schließt sich der Kreis: Aus dem ursprünglichen Fantasyfilm wird eine Mischung aus romantischer (Science-)Fictionkomödie mit Action-Elementen, Hokuspokus und Herzschmerz. Man gewinnt den Eindruck, der Regisseur könne sich nicht entscheiden, welche Wirkung er eigentlich erzielen will.

Zu den wenigen Lichtblicken gehören die wunderbar böse Heike Makatsch, sowie der bereits verstorbene Hans Clarin, der eigentliche ‚Vater’ Hui Buhs, in der Rolle des Kastellan. Nur hilft die prominente Besetzung von Hui Buh nicht, die deutlichen Mängel auszugleichen.

 

Kommentare


Manuel

Also, ich find den Film zum brüllen komisch, der ist einfach gut und ich find dass Schloss Burgeck toll , ich möcht ihn am liebsten gleich auf dvd! Wann gibts denn eigentlich als DVD zu kaufen !!??


Sabine

Ich finde dieser Film ist grottenschlecht, ein einziger Bully Hörbiger Klamauk, und hat überhaupt nichts mit der eigentlichen Hui Buh Geschichte zu tun.
Nichts ist richtig weder das Aussehen noch die Details.
Nicht mal Hu Buhs "entstehung".
Mein 6 Jähriger Sohn, der mit vorliebe Hui Buh CD´s hört, war super enttäuscht.






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