Hotel Lux

Michael „Bully“ Herbig spielt unter der Regie von Leander Haußmann einen Komödianten im berüchtigten Moskauer Hotel Lux. Hört sich schräg an, ist aber gut.

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Man sollte nicht jeden Film, der aus den dunklen Zeiten der jüngeren europäischen Geschichte eine Komödie zu machen versucht, gleich mit Ernst Lubitschs Sein oder Nichtsein (To Be or Not to Be, 1942) vergleichen. Das geht aus Sicht des Kritikers nie gut – wie man zuletzt etwa bei vielen Reaktionen auf Mein bester Feind (Wolfgang Murnberger, 2011) und Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler von Dani Levy (2006) beobachten konnte. Und Letzterer hatte als Hitler immerhin Helge Schneider!

Hotel Lux hat Bully Herbig. Nicht als Hitler, sondern als Stalin, und auch nicht eigentlich als Stalin, sondern als Stalin-Parodist, als Komödiant. Der Film beginnt mit einer wahrlich fulminanten Show: Hitler und Stalin auf einer Kleinkunstbühne im Berlin des „Dritten Reichs“, die vereint „Ein Freund, ein guter Freund“ singen. Später sieht man auf dieser Bühne einen als Juden verkleideten Nazi, der Hitler würgt und mit einer Axt auf ihn losgeht. Hinter der Bühne aber hat noch alles seine Ordnung. Da haben die Schauspieler Hans Zeisig (Herbig) und Siggi Meyer (Jochen Vogel) ihre Arbeitskleidung in einem Kästchen verstaut: ein falscher kleiner, eckiger Bart neben einem falschen großen, geschwungenen. „Hitler“ steht unter dem einen, „Stalin“ unter dem anderen.

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Zeisig ist im Gegensatz zu seinem kommunistischen Freund Meyer unpolitisch und muss doch aus Berlin fliehen. Durch komödientypische Verwechslungen landet er in Moskau im Hotel Lux. Dort trifft er die schöne holländische Widerstandskämpferin Frida (Thekla Reuten) wieder und wird zum privaten Wahrsager Stalins, diesmal des echten. Michael Herbig, der als Regisseur und Darsteller die erfolgreichsten deutschen Lustspiele der vergangenen Jahre zu verantworten hat, gibt unter der Regie von Leander Haußmann diesen von den Zeitläuften geplagten Mann so, wie es sich für eine Tragikomödie geziemt. Mal lustig, mal ernst. Aber nie schenkelklopfend. Das ist für die Fangemeinde dieses außergewöhnlich vielseitigen Komikers möglicherweise schwer zu schlucken.

Denn das Hotel Lux, liebe Schuh-des-Manitu-Kenner (wiederhole: Hotel Lux, nicht etwa Hotel Jux) ist keine Vergnügungsherberge auf Mallorca, sondern war der Zufluchtsort für europäische Antifaschisten in Moskau. Dort wohnten Herbert Wehner, Johannes R. Becher, Walter Ulbricht, Ho Chi Minh, Tito. Die Hotelgäste gerieten Ende der 1930er Jahre mitten in Stalins Säuberungsaktionen; viele werden nachts vom Staatssicherheitsdienst abgeholt und verschwinden im Gefängnis, die anderen beäugen sich misstrauisch, fürchten, dass im Nachbarzimmer ein Spitzel sitzt.

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Und auf dem Flur spielen die Kinder „Auf der Flucht erschossen“. Jedenfalls hier, im Film, bei dem einem das Lachen in mancher Szene im Halse steckenbleibt. Es gibt auch Tote, und wenn Stalin seine Übersetzer eigenhändig erschießt, weil das Gespräch unter vier Augen bleiben soll, dann weiß man wirklich nicht mehr, in welchem Genre man sich gerade befindet. Wenig später sitzt Walter Ulbricht am Frühstückstisch und baut aus Zuckerstückchen eine Mauer.

Leander Haußmann, der um die Lebenslügen der europäischen Linken weiß, gelingt die schwierige Balance von politischer Farce, Schelmenroman, Boulevardkomödie und Melodram. Die größte Überraschung des Films aber ist Bully Herbig, der hier als Hans Zeisig eine ganz neue Seite zeigt.

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Der Schluss ist dann wieder märchenhaft, mit einer amüsanten Variante des Hitler-Stalin-Pakts. Die Helden fliegen Richtung Hollywood, und der Nachspann zeigt die Gesichter der großen Stars aus der Traumfabrik. Mit Lubitsch jedoch wollen wir all das, wie gesagt, nicht vergleichen, auch nicht im Guten. Schlechtes aber gibt es über Hotel Lux nicht zu sagen.

Trailer zu „Hotel Lux“


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Kommentare


Tai Fei

Allerdings gibt es im Film eine Szene, welche deutlich auf "Sein oder "Nichtsein" hinweist, nämlich wenn es um das Führerporträt geht; sehr schön umgesetzt.






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