Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis

Diese britische Parodie auf Actionblockbuster und Polizei-Buddy-Filme bringt mehr Liebe für diese Genres auf (und mehr Intelligenz ins Spiel) als die meisten ernst gemeinten Versuche.

Hot Fuzz

Danny Butterman (Nick Frost) hat sie alle gesehen, die wilden Action- und Polizeifilme aus Hollywood – und hat somit eine vage Ahnung davon, wie das Leben eines Polizisten jenseits seiner harmlosen Kleinstadt Sandford aussehen könnte. Also quetscht er den frisch aus London versetzen Kollegen aus: Ob er schon einmal im Sprung geschossen habe? Ob er schon einmal im Sprung beidhändig geschossen habe? Ob es stimme, dass es eine Stelle im menschlichen Kopf gebe, wenn man die treffe, dann explodiere er?

Ein Film wie Hot Fuzz, dem für den deutschen Start der völlig überflüssige und zudem in diesem Kontext komplett unsinnige Untertitel Zwei abgewichste Profis beigegeben wurde, ist natürlich ein Jungsfilm, aber ein ziemlich kluger: Er funktioniert nicht nur als Genreparodie hervorragend, sondern weiß auch sein Publikum da abzuholen, wo es wartet: im Kinosaal und vor dem Fernseher. In der Person von Danny bietet Hot Fuzz eine Identifikationsfigur für den leicht übergewichtigen Filmfan, in dessen Junggesellenwohnung das einzige aufgeräumte Zimmer jenes zu sein scheint, das die enorme DVD-Sammlung beherbergt. Und er bietet zugleich in Gestalt des knallharten Polizisten Nicholas Angel (Simon Pegg) einen klassischen Kino-Actionhelden, jedenfalls fast.

Hot Fuzz

Nicholas ist ein Londoner Vorzeigepolizist - hochintelligent, promoviert und motiviert, Experte in Nahkampf und Terrorismusbekämpfung, mehrfach ausgezeichnet, kurz: Er ist viel besser als alle seine Kollegen und Vorgesetzten zusammen, und weil das ein schlechtes Licht auf den Rest des Teams wirft, wird er kurzerhand in die langweiligst-mögliche Ecke Englands versetzt, ins winzige Städtchen Sandford, wo seit Menschengedenken kein nennenswertes Verbrechen mehr geschehen ist.

Natürlich trügt die Oberfläche, und als ob Miss Marple sich mit den „Bad Boys” Martin Lawrence und Will Smith aus Bad Boys II (2003), einem von Dannys Lieblingsfilmen, zusammengetan hätte, entpuppt sich Sandford nach und nach – nichts ist ja mörderischer als die soziale Kontrolle einer Dorfgemeinschaft – als ein einziger Abgrund des Verbrechens, Schusswaffengebrauch inklusive. Wie es sich für echte Buddies gehört, müssen die ungleichen Partner dann bei Bier und Filmen erst zusammenfinden, und selbstverständlich werden sie später synchron springen und beidhändig auf die Bösewichter feuern, was das Waffenlager hergibt.

Hot Fuzz

Regisseur Edgar Wright sowie seine Hauptdarsteller Pegg und Frost haben vorher mit Shaun of the Dead (2004) bereits gemeinsam eine liebevolle Parodie auf den Zombiefilm gedreht, und gelegentlich sieht man auch in Hot Fuzz noch die Vorliebe des Teams für den Splatterfilm förmlich herausspritzen.

Was Hot Fuzz weit von den in letzter Zeit so zahlreichen „Parodien” wie zuletzt Fantastic Movie (Epic Movie, 2007) und Scary Movie 4 (2006) absetzt, ist nicht nur der liebevolle Umgang der Macher mit dem parodierten Material, sondern auch, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Hot Fuzz hat – so absurd die Vorgänge im Einzelnen auch sein mögen – eine durchgehende und in sich logische Handlung, und setzt dort Intelligenz und Ausdauer ein, wo sonst allzu oft nur billiger Klamauk und schnelle Lacher erwartet werden können.

So werden Nicholas’ andauernde Vorahnungen stets mit Unheil verkündenden Basstönen unterlegt, und die Menschen in Sandford tragen fast sämtlich Namen à la „Shooter” und „Skinner” – aber Wright und Pegg, die zusammen das Drehbuch verfasst haben, lassen sich viel Zeit, bevor sie solche Anspielungen auflösen. Auf dem Weg dorthin setzen sie dann so hübsche Einfälle um, wie etwa den ewig anzügliche Zoten reißenden Polizisten – noch so eine stereotype Figur des Polizeifilms – mit einer Frau zu besetzen, was erst peinlich berührend und irgendwann nur noch brillant wirkt.

Hot Fuzz

Dass Nicholas Angel so seine Probleme mit dem weiblichen Geschlecht hat, wird übrigens schon frühzeitig klar – stattdessen pflegt er lieber seine Pflanze. Weniger aufdringlich als hier von Wright inszeniert, kann man Luc Bessons Léon – Der Profi (Léon, 1994) kaum seine Referenz erweisen.

Natürlich ist auch Hot Fuzz nicht perfekt: Der Film hat stellenweise Längen, vor allem wenn Vorahnung auf Vorahnung gehäuft wird und eigentlich nichts passiert, außer dass die Suche nach einem entlaufenen Schwan als Running Gag eingeführt wird. Auch ist die Erzählung vom rauen Großstadtcop in der Kleinstadt natürlich alles andere als eine originelle Idee. Und schließlich sind die Actionszenen, vor allem die Verfolgungsjagden, fahrig und hektisch geschnitten, so dass man zügig die Übersicht und fast die Lust auf den Film verliert.

Andererseits hat auch diese Hektik, bis zu einem gewissen Grade, offensichtlich Methode: In Hot Fuzz wird selbst das Zücken eines Kugelschreibers zur schnell geschnittenen Actionsequenz, ganz wie man es bei Jerry Bruckheimer & Co. lernen kann. Wright, Pegg und Frost sind offenbar gerne in diese Schule gegangen und bewerben den Film schon im Trailer damit: „From the guys who watched every action movie ever made”. Wie gesagt, ein Jungsfilm.

Kommentare


B. Wagner

Tja, was soll man sagen? Nach "Shaun of the Dead" haben die beiden Hauptdarsteller wieder einen brillianten Film abgeliefert. Leider ist die deutsche Übersetzung nicht so gelungen, darum kann ich nur empfehlen, den Film sich einmal im Original anzuschauen. 5 von 5 Sternen bekommt er von mir auf alle Fälle.


JIN-ROH

Ich fand den Film ganz ok.Am besten waren die übertrieben strengen Minen von Nicholas. Zum Todlachen. Die trägen Stellen haben etwas gelangweilt und die Aktion Sequenzen wurden für meinen Geschmack etwas zu unübersichtlich geschnitten. Deshalb gibts von mir 4 von 5.
Übrigens ist mir eine weitere Hommage an Leon der Profi aufgefallen. Nicholas kommt in seine Wohnung wo auf dem Tisch der Plüschtier Affe mit einem Zettel von seinem Partner Danny liegt. In Leon der Profi gibt es die gleiche Szene nur mit dem Teddy Bär von Mathilda :)


laZee

Ich hab mich köstlich amüsiert. Wer Shaun of the Dead mochte, wird auch diesen Film mögen. Gerade die vielen kleinen Gags waren der Hammer :D

Zur Synchronisation: Ich fand sie sehr liebevoll, fast die beste Komödiensynchro seit Hot Shots II :), hab aber keinen Vergleich zum englischen Original gehabt.


unknowngirl

der film ist absolut gelungen und mir hat er so gut gefallen das ich es bereue in nicht im kino gesehen zu haben.die actionszenen sind so übertrieben dargestellt das es schon wieder lustig ist.und auch der wechsel zwischen lachern und den morden, die zum teil echt ewtas brutal sind, ist einfach klasse. auch einige paralellen zu shaun of the dead sind sehr witzig wie zb mit dem cornetto.seit langem hab ich wirklich mal wieder bei einem film herzhaft lachen können. nur weiterzuempfehlen


Wojak

Ich habe Shaun of the Dead auf Dvd und werde mir Hot Fuzz auch holen. Der Film ist nur genial.


N/A

Also mir hat es einfach nur Spass gemacht den Film zu gucken.
Teilweise sehr lustige Passagen aber der Film ist nicht in sinnloses und einfach nur kitschiges 3. Klasse Kino begerutscht.


Martin Z.

Ein außergewöhnlicher Filmspass. Die beiden Protagonisten sind nicht ’Dick und Doof’ eher ’Gewissenhaft und Simple’. Mit witzigen Dialogen jagen sie den Verbrechern hinterher mit allen einschlägigen Zutaten: Sonnenbrille, qualmende Reifen, fliegende Autos und die Handlung ist so aufgebaut, dass auch noch Spannung aufkommt. Dabei spielt die ’akustische Kamera’ eine nicht unwichtige Rolle: schneller Schnitt, Standbilder im schnellen Wechsel werden unterlegt mit akustischen Signalen. Das schafft zusätzliches Tempo, aber auch eine humorvolle Unterstreichung des Geschehens. Ungewöhnlich bei einer Polizeikomödie dieser Art, ist dass alles Sinn macht, Schrecksymbole werden wiederholt eingesetzt und punkten umso mehr. Selbst der finale Riesensplatter wird nicht zum Horror sondern zum Riesenspaß, weil der Zuschauer vorher entsprechend konditioniert worden ist. Der Film trifft einen Tonfall, der einen von Anfang an fesselt, immer wieder durch klasse Gags unterstützt. Brit-Comedy der etwas anderen, aber ebenso guten Art. Und die Promis (Dalton, Broadbent) verkaufen sich nicht schlecht. Das ist witzige Unterhaltung die Stil hat, und zwar einen, den sie selbst kreiert hat.






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