Hoppet

Asad und sein Bruder Tigris flüchten aus einem Bürgerkrieg im Mittleren Osten nach Europa. Der Spielfilm erzählt vom Verlust von Heimat und Familie, von neuen Freundschaften und Erfolgen.

Hoppet

Hochspringer richten den Blick stets nach oben. Mit dem Rücken zur Latte und dem Gesicht zum Himmel gewandt fliegen sie über das Hindernis, bevor sie auf einer weichen Matte landen. Beeindruckt von der schwedischen Weltmeisterin und Olympiasiegerin Kajsa Bergqvist, hat sich Asad (Ali Adbulsalam) ihren typischen Hochspringerblick zu Eigen gemacht. Immer optimistisch schaut er lieber nach oben als nach unten und träumt gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tigris (Ronas Gemici) davon, selbst einmal ein erfolgreicher Hochspringer zu werden. Doch das Training mit selbstgebautem Sportgerät findet eines Tages kein glimpfliches Ende. Bomben fallen auf ihre Stadt, die irgendwo im Mittleren Osten liegt. Sie bleiben zwar unverletzt, aber Tigris spricht seitdem kein Wort mehr. Ein paar Jahre später, als Asad zwölf ist, beschließt die Familie, vor dem Bürgerkrieg nach Frankfurt zu flüchten. Um die illegale Ausreise zu erleichtern, sollen die beiden Söhne vorfahren. Die Schlepper schicken Asad und Tigris aber unplanmäßig nach Stockholm, das Handy mit der Nummer der Eltern wird vernichtet.

Hoppet – was ins Deutsche übersetzt „Sprung“ und auch „Hoffnung“ bedeutet – heißt für Asad und Tigris zunächst einmal, tief zu fallen. Wie können Eltern ihre Kinder bei solch einer riskanten Flucht allein lassen? Wenn Asad sich mit Vorwürfen wütend Luft macht, spricht aus ihnen das Nichtbegreifen können eines verletzten Kindes genauso wie das allgemeine Gefühl der Verlassenheit im Exil. Abgesehen von diesen raren Momenten, in denen das Ausmaß des Kummers spürbar wird, präsentiert der norwegische Regisseur Petter Næss (Elling, 2001) seinen jungen Protagonisten als kämpferisches, optimistisches Überkind. Asad gelingt einfach alles: Schwedisch lernen, sich um seinen älteren Bruder kümmern, Freunde finden und zum Schluss sogar ein meisterhafter Sprung zurück ins Glück.

Hoppet

Mit einem pfiffigen Protagonisten, durchgehend leichtem Tonfall und optimistischem Ende erzählt Næss in seinem sechsten Spielfilm auf unterhaltsame und für Kinder anschauliche Weise von einem traumatischen Flüchtlingsschicksal sowie den Schwierigkeiten von Migration und Integration. Als Kind mit quasi erwachsenen Fähigkeiten ist Asad seinen realen Gleichaltrigen jedoch weit voraus, und auch seine Problemlösungsversuche gehen ihm verhältnismäßig glatt und gewitzt von der Hand. Selbst als er über die Trennung von seinen Eltern trauert, erscheint die Erzählung zumeist wie in eine weiche Hochspringermatte gehüllt. So viel Næss seinem Protagonisten zutrauen mag, so wenig konfrontiert er sein junges Publikum mit Wirklichkeitsnähe. Mehr Migrationsmärchen als ernsthafte Auseinandersetzung springt Hoppet oftmals in unglaubwürdige Höhen.

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