Honey Baby

Ein halb vergessener Popstar lernt auf einer Tournee durch Osteuropa die geheimnisvolle Blondine Natasha kennen und verliebt sich in sie. Der neue Film Mika Kaurismäkis orientiert sich am Mythos von Orpheus und Euridike.

Honey Baby

Halle an der Saale gehört nicht unbedingt zu den Orten, die oft in Kinofilmen zu sehen sind. Dies wird sich wohl kaum so bald ändern, auch wenn die größte Stadt Sachsen-Anhalts, die zu DDR-Zeiten vor allem als Standort der Chemieindustrie bekannt war, als Ausgangspunkt für Mika Kaurismäkis neuen Film dient. Denn den Figuren in Honey Baby geht es vor allem darum, möglichst schnell aus der Ostdeutschen Provinzstadt zu verschwinden.

In Halle gestrandet ist der ehemalige Popstar Tom Brackett (Henry Thomas), dessen Karriere nach dem Umzug von Amerika nach Europa in eine Sackgasse geraten zu sein scheint. Sein schmieriger Manager Martin (Bela B. Felsenheimer) schickt ihn, nachdem sein Klient in Deutschland nicht einmal mehr auf Hochzeitsfeiern ankommt, auf eine ausgedehnte Tour durch Osteuropa. Schon vor dem ersten Konzert gerät die Reise außer Kontrolle, als Tom Natasha (Irina Björklund) kennen lernt, die ebenfalls Halle verlassen hat, und nun vor ihrem Verlobten Karl (Helmut Berger) fliehen muss, den sie kurz vor der Hochzeitsfeier sitzen ließ. Bald verlieben sich die beiden und geraten in den Weiten Osteuropas in immer seltsamere und zunehmend surreale Abenteuer. Als Tom jedoch herausfindet, dass Natasha ihm nicht die ganze Wahrheit über ihre Vergangenheit erzählt hat, scheint das Glück des jungen Paares für immer zerstört.

Honey Baby

Honey Baby orientiert sich an der Orpheus-Sage, die letztes Jahr auch Helmut Dietls Vom Suchen und Finden der Liebe als Inspirationsquelle diente. Der Mythos erzählt die Geschichte eines Sängers, der vergeblich versucht, seine früh verstorbene Geliebte Euridike aus der Unterwelt zu befreien. Kaurismäkis Umgang mit dem griechischen Mythos erinnert an Oh Brother, Where Art Thou? (2000) der Coen Brüder, die mit der klassischen Vorlage, in ihrem Fall Homers Odysee, ebenfalls spielerisch umgingen und von Anfang an nicht den Anspruch erhoben, eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Vorlage zu bieten. Auch Honey Baby verwendet die mythologischen Motive nur als vagen Hintergrund eines teilweise schwungvoll inszenierten Roadmovies, der in einem wildromantischen Osteuropa spielt, welches von Prostituierten, wandernden Artisten und Balletttänzerinnen bevölkert ist. Manchmal scheint Kaurismäki von seinen Figuren und ihren Marotten fast zu sehr begeistert zu sein, was den Film stellenweise etwas bemüht pittoresk, teilweise sogar kitschig wirken lässt.

Dass Honey Baby trotz einigen hieraus resultierenden schwächeren Sequenzen, die sich mit zunehmendem Voranschreiten der Handlung mehren, funktioniert, ist vor allem den ausnahmslos großartigen Schauspielern zu verdanken. Neben dem wie stets herausragenden ehemaligen Superstar des europäischen Autorenfilms Helmut Berger ist es vor allem Henry Thomas, der als resignierter, sensibler Musiker eine Idealbesetzung darstellt und dafür sorgt, dass die allgegenwärtigen Klischees nicht Überhand nehmen. Thomas steuert auch einige Lieder zu dem stimmungsvollen Soundtrack bei, der das Liebespaar auf seiner Reise begleitet.

Honey Baby

So kann man Honey Baby letzten Endes nicht böse sein, auch wenn sich die Erkenntnis einstellt, dass die Geschichte, die Kaurismäki uns erzählt, doch nicht so originell ist, wie sie anfangs erscheint. Wer ein paar andere Filme des Regisseurs gesehen hat und mit den Arbeiten seines Bruders Aki (Der Mann ohne Vergangenheit, Mies vailla menneisyyttä, 2002) oder dem Werk Jim Jarmuschs (Broken Flowers, 2005) vertraut ist, wird nicht viel Neues entdecken können. Die internationale Arthouse-Kinoszene hat längst ihr eigenes Bilderrepertoire aufgebaut. Dieses ist zwar von dem Hollywoods durchaus verschieden, funktioniert jedoch – zumindest manchmal – nach ähnlichen Regeln. Denn Honey Baby will den Zuschauer genauso wenig überraschen oder herausfordern wie der Großteil der amerikanischen Mainstreamproduktionen, sondern liefert ihm genau das, was er erwartet: skurrile, träumerische Charaktere, schöne Landschaften und gute Musik. Daran ist natürlich auch gar nicht so viel auszusetzen.

Kommentare


Najane

Das soll wohl ein Witz sein: Kein bißchen erinnert diese Schinken an das Werk der Coen-Brüder. Man merkte, dass das "Mystische" gewollt war... Das Symbolhafte war mir fast peinlich, denn es überfiel einen, wie ein Holzhammer. Es gibt besser Filme.






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