Hinter Kaifeck

Bei Hinter Kaifeck stehen selbst eingefleischten Horrorfans die Haare zu Berge. Leider hat das nichts damit zu tun, dass der Film besonders gruselig wäre.

Hinter Kaifeck

Ein kleines Dorf in der oberbayerischen Provinz. Der Fotograf Marc (Benno Fürmann) und sein Sohn Tyll (Henry Stange) sind auf Durchreise und quartieren sich auf dem Hof von Juliana (Alexandra Maria Lara) ein. Die Rauhnächte stehen an, in denen das Dorf traditionell von als Dämonen verkleideten Dorfbewohnern, den sogenannten Perchten, heimgesucht wird. Unter dem Eindruck der düsteren Gestalten sieht sich Marc zunehmend von Alpträumen geplagt, die mit einem ungeklärten Mord, der vor 80 Jahren an der Familie Gruber begangen und nie aufgeklärt wurde, in Verbindung zu stehen scheinen.  Zusehends verstrickt er sich in das dunkle Geheimnis des Dorfes und die mysteriösen Ereignisse werfen ständig neue Fragen auf.

Hinter Kaifeck

In Anlehnung an einen Mehrfachmord, bei dem im Jahre 1922 im oberbayerischen Hinterkaifeck sechs Menschen getötet wurden, erzählt Regisseurin Esther Gronenborn ihre Version der Geschichte. An historischen Fakten liegt ihr wenig, darüber hinaus darf man verwundert sein, dass ein Großteil der Dorfbewohner in akzentfreiem Hochdeutsch spricht und die Kostüme der Perchten eigentlich in Tirol beheimatet sind. Die Sorgfalt, welche der Film hier vermissen lässt, wurde andernorts investiert.

Gronenborn fährt alles auf, was als tauglich für einen ordentlichen Schockeffekt beim Publikum gilt: Gruselige alte Frauen, ausdruckslose Kindergesichter, vernebelte Wälder, undefinierbares Seufzen und Ächzen, stark entsättigte Bilder und dergleichen mehr. Die Freude am Mysteryspiel und das Ergötzen am eigenen Horrorgewand lassen den Plot schnell im Treibsand der Effekte versinken.

Hinter Kaifeck

Zu sagen, Hinter Kaifeck würde dabei Anleihen bei bekannten Genrefilmen wie The Ring (2002) oder Silent Hill (2006) machen, wäre glatt untertrieben. Während der Versuch, Gore Verbinskis Bildsprache zu adaptieren, noch annähernd nachvollziehbar ist, wird schon zu Beginn des Films durch die Kopie der Anfangsszene des weniger formvollendeten Silent Hill ein peinliches Gefühl beim Rezipienten erzeugt.

Dieses Gefühl und die Frage, was der Film auf einer DVD, geschweige denn im Kino zu suchen hat, begleiten den Zuschauer über die restlichen 83 Minuten. Am Ende verhält es sich mit dem Gefühl wie mit der Frage – beides bleibt.

Trailer zu „Hinter Kaifeck“


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Kommentare


GFY85

Also der Film ist zwar nicht der Hit, wenn man ihm aber mangelnde Sorgfalt in der Recherche über Hintergründe vorwirft sollte man wenigstens für eine Kritik soviel Sorgfalt verwenden und Hinterkaifeck nicht als niederbayrisch sondern oberbayerisch betiteln (liegt zwischen Pfaffenhofen und Ingolstadt!!!!)


Tim Geyer

Liebe/r GFY85,

natürlich haben Sie völlig Recht, wenn Sie in diesem Fall auf meine Fehlrecherche Hinweisen.
Tatsächlich gibt der Film bezüglich des Ortsnamens einige Rätsel auf.
So lautet der Titel zwar zweideutig, aber dennoch korrekt Hinter Kaifeck. In einer Szene am Anfang des Filmes hingegen ist ein Ortsschild zu sehen, auf dem es heißt: „Willkommen in Kaifeck“. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Weiler und der liegt weder in Nieder- noch in Oberbayern, sondern gehört zur oberfränkischen Gemeinde Stegaurach.


oldschool70

Ergänzend wäre hinzuzufügen, dass es sehr wohl authentisch wirkt, das Geschehen in "Kaifeck" stattfinden zu lassen.
Bei "Kaifeck", bis 1923 auch als "Vorderkaifeck" bezeichnet, handelt es sich um einen Weiler und heutigen Gemeindeteil vom Waidhofen in Oberbayern, der gut einen Kilometer Luftlinie vom ehemaligigen Originalschauplatz Hinterkaifeck entfernt liegt.
Der Erbauer und Vorbesitzer des Anwesens Hinterkaifeck stammte ursprünglich aus "Vorderkaifeck", was bei der Namensgebung durchaus eine Rolle gespielt haben wird.


Peter

Nun, was bleibt zu diesem "Filmwerk" zu sagen? Ich persönlich finde es katastrophal. Es zerrt an den Nerven - sich 83 Minuten damit auseinander zu setzen. Das hat aber wirklich nichts mit gruseln im eigentlichen Sinne zu tun. Gruslig ist einfach die Umsetzung eines Themas aus dem man hätte viel mehr herausholen können. Daran ändert erst recht nichts Sitten und Gebräuche einfliessen zu lassen die mit der eigentlichen Umgebung der Grundstory soviel zu tun haben wie Milch mit Wein.

Warum lehnt man sich dann überhaupt an einen solchen Fall an und erfindet nicht einfach seinen eigenen 6-fach-Mord?

Gelobt sei die bayerische Filmförderung der man für solchen Schwachsinn dann doch noch gute Euros aus den Rippen leiern kann.


Lukas

Ich Komme aus Weilach das ist circa 6 kilometer von "Hinter Kaifeck" weg ist
Kaifeck gibt es immernoch und hinter kaifeck ist der hofname der dann verfiel






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