Headhunters

Im Kielwasser der Stieg-Larsson-Verfilmungen kommt ein weiterer skandinavischer Thriller in die Kinos. Darin wird ein arroganter Schnösel erst zum Gejagten, dann zum Mörder und schließlich zum rundum gebesserten Familienvater.

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Er ist schon ein richtiges Ekel, dieser Roger Brown (Aksel Hennie). Nicht nur, dass er zutiefst materialistisch und arrogant ist und in seinem Job als Headhunter von beispielloser Chuzpe; er stiehlt nebenher auch noch kostbare Kunstwerke. Denn nur so lässt sich die Villa finanzieren, auf die seine schöne und große Frau (das frühere Model Synnøve Macody Lund) angeblich so viel Wert legt. Roger misst nämlich nur 1,60 Meter und muss so manches an mangelndem Selbstbewusstsein kompensieren.

Als Mischung aus Kapitalismus-Satire und Heist-Movie wäre Headhunters (nach einem Bestseller von Jo Nesbø) vermutlich gar nicht schlecht, würde diese nicht noch durch so viele andere Elemente verdorben. Roger ist bald auf der Flucht, weil ein Manager, der früher Elitesoldat war (Nikolaj Coster-Waldau), hinter ihm her ist. Die Gründe dafür werden zwar genauestens aufgeführt, sind aber unerheblich. Ein Großteil der Geschehnisse reiht sich dann als Prozess der Menschwerdung des Ekel-Kapitalisten Roger hintereinander, der vor immer größeren Gefahren davonrennen muss. Er lernt Demut, indem er sich in einer großen Grube mit menschlichen Exkrementen versteckt, und wird schließlich tatsächlich ein neuer Mensch, mit geschundenem Gesicht und abrasierten Haaren (zuvor trug er eine blonde Matte von ausgesuchter Schnöseligkeit).

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Auf dem Weg zur Läuterung gibt es in Headhunters eine Menge Kollateralschäden, zum Beispiel einen von einem Gabelstapler aufgespießten Hund, der dann, wohl zum Zwecke der Publikumsbelustigung, noch eine Zeitlang durch die Gegend gefahren wird, sowie zwei sehr dicke Polizisten, die bei einem wirklich sehr üblen Autounfall als Knautschzone missbraucht werden. Man merkt: Dieser Film will nicht nur ein braver skandinavischer Thriller sein, dieser Film will sich richtig etwas trauen. Fast vergessen: Es gibt bei diesem Unfall auch noch ein komplett zerschmettertes Gesicht zu sehen, Splatter-Elemente kommen zur Mischung also auch noch hinzu.

Das wären alles für sich genommen vielleicht keine ganz schlechten Einfälle. Das Problem ist nur, dass Headhunters es nicht für eine einzige Minute schafft, zu einer überzeugenden, konstant durchgehaltenen Gestalt zu werden. Denn vor allem will er eine romantische Liebesgeschichte sein, in der alles gut wird. Die ganze unappetitliche und teilweise sadistische Handlung ist unterlegt mit einer Ebene ziemlicher Rührseligkeit. Es mag Zufall sein, aber unter den Koproduzenten dieser norwegisch-deutschen Veranstaltung wird der Name Hans-Wolfgang Jurgan aufgeführt. Das ist der ehemalige, kürzlich geschasste Degeto-Chef, der für zahlreiche Meilensteine der seichten Fernsehunterhaltung verantwortlich zeichnet.

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Und so findet sich in dieser Splatter-Schnulze manch gefühlsduselige Szene, die so gar nicht zum Rest passen will (oder umgekehrt). Wenn Roger mit der Pistole in der Hand und einer Leiche auf dem Bett Auge in Auge mit seinem Feind konferiert, dann reden die beiden Männer nicht über Fußmassagen oder Bibelzitate, wie das der hier offenbar als Inspiration dienende Quentin Tarantino seinen Figuren angedichtet hat, sondern darüber, wie man „richtig liebt“. Blutig wird es dann trotzdem.

Aber am Schluss von Headhunters steht eine Schwangerschaft, und zwar eine eheliche, also der Inbegriff aller Fernseh-Romantik. Nur kurz zuvor hatte Roger eine andere Frau getötet, mit einem Schuss aus einer im Schritt versteckten Pistole. Über die tiefenpsychologischen und zeichentheoretischen Verbindungen, die es zwischen diesen beiden Szenen gibt, denkt man besser gar nicht erst nach.

Trailer zu „Headhunters“


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