Head in the Clouds - Mit dem Kopf in den Wolken

Head in the Clouds ist ein episches Liebesdrama vor dem tragischen Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges und der Invasion Frankreichs durch die Nazis. Oscarpreisträgerin Charlize Theron durchlebt eine ménage à trois zwischen leidenschaftlichen Schicksalswegen der Liebe und politischem Kampf gegen den Faschismus. Atmosphärisch gut inszeniertes Kino im Hollywoodformat mit leichten Schwächen in der Charakterzeichnung.

Head in the Clouds

Head in the Clouds heißt zu deutsch in etwa: überglücklich sein, in den Wolken schweben, mit den Gedanken ganz woanders sein. Manchmal hilft es dabei, die Augen zu schließen. Die hedonistische und exzentrische Aristokratentochter Gilda (Charlize Theron) lebt nach dieser Devise. Sie will den Augenblick ohne Rücksicht auf Realität, Vergangenheit oder Zukunft auskosten und zelebriert das gelenkte Schicksal, genährt von Angst, weil ihr als kleines Mädchen eine Wahrsagerin eine düstere Zukunft voraussagte.

Eine stürmische Regennacht im Jahre 1933 führt Gilda in Cambridge in das Zimmer des irischen Studenten Guy (Stuart Townsend), in den sie sich verliebt. Aber das junge Glück scheitert zunächst an ihren Affären und nach dem Tod der Mutter verlässt sie England. Jahre später treffen die beiden in Paris zusammen und die Leidenschaft flammt von Neuem auf. Guy entsagt seiner bürgerlichen Existenz in London und zieht in ihr Atelier im Montmartre, das sie sich mit dem rassigen spanischen Model Mia (Penelope Cruz) teilt. Gilda, mittlerweile erfolgreiche Modefotografin, lebt und liebt ihren wilden und unkonventionellen Stil einer femme fatale. Aber ihr ignoranter Lebensstil zerstört das Glück dieser ménage à trois. Unter dem bedrohlichen Schatten der Machtergreifung Hitlers und dem spanischen Bürgerkrieg kommt es im Streit zur Trennung der drei. Im entscheidenden Augenblick, dem Abschied, fehlt ihr der Mut, ihr eigenes Leben für ein gemeinsames mit den Freunden zu opfern. Der politische Aktivist Guy, gepackt von seinem Idealismus und dem Kampf für die Freiheit, unterstützt in Spanien die republikanischen Truppen gegen die Faschisten und Mia arbeitet in ihrer Heimat als Krankenschwester im Lazarett. Der späten Einsicht und Reue Gildas folgt die unausweichliche Tragik des Schicksals, das man ihr aus der Hand las. 1944 führt dieses Schicksal Guy als Geheimagent und Gilda als Geliebte eines deutschen Offiziers im umkämpften Paris ein letztes Mal zusammen.

Head in the Clouds

Die Kamera zeichnet in Head in the Clouds eine bonbonfarbene Postkartenidylle von der Stadt des Lichts, ein malerisches Stimmungsbild, das bis auf wenige Außenshots in den kanadischen Filmstudios von Montreal gefilmt wurde. Man taucht ein in die Pariser Welt der goldenen 30er Jahre, spürt das savoir-vivre, den Tanz, die Verführung und die Eleganz jenes Mekkas für kreative Künstler jeglicher Couleur. Der Prolog führt uns in schwarzweißen Bildern in ein pulsierendes weltweites Zentrum der Kunst, Mode und des freizügigen Lebens. Dieses Bild von Paris entfaltet sich in schönen Sepiatönen. Regisseur Duigan entwickelte ein Farbkonzept, bei dem jeder der drei Filmabschnitte durch seine Lichtsetzung visuell und inhaltlich akzentuiert wird: der Anfang in Cambridge und London wirkt eher kühl, der Mittelteil mit dem Pariser Apartmentleben im Montmartreviertel sehnsuchtsvoll, warm und lebendig, das Ende im besetzten Paris wieder erschütternd, melancholisch, nüchtern und blass.

Head in the Clouds

Der Film streift am Rande die philosophische Frage von Zufall oder Schicksal und beleuchtet die Konsequenz von Entscheidungen für das eigene Leben und die gemeinsame Liebe, insbesondere in stürmischen Zeiten des Krieges. Osargewinnerin Charlize Theron spielt ihre Rolle der lebenshungrigen Gilda sehr überzeugend, obwohl die späte innere Wandlung der Figur von der selbstsüchtigen und eskapistischen Frau zu einer überzeugten Aktivistin etwas unglaubwürdig wirkt. Ähnlich wie bei den romantischen Hollywood-Kriegsdramen Unterwegs nach Cold Mountain (Cold Mountain, 2003) und Pearl Harbor (2001) verlieren sich die Charaktere gelegentlich in der monumentalen Inszenierung des liebevoll gestalteten Hintergrundes, wodurch die Handlung nicht immer gestützt wird. Für eine filmische Liebesgeschichte, die sich über Jahre erstreckt, fehlt der Figurenskizze und der schicksalhaften Entwicklung der Charaktere aufgrund inhaltlicher Straffung und Zeitsprüngen auch ein wenig Tiefe. Aber dank seiner atmosphärischen Stärken und der detailgetreuen opulenten Ausstattung und Inszenierung ist Head in the Clouds größtenteils ein stilsicheres und durchaus ergreifendes Melodram.

 

Kommentare


Martin Z.

Der deutsche Titel trifft eigentlich nur auf die erste Hälfte des Films zu, denn da treibt Charlize Theron ihre Spielchen mit den Männern. Und auch der Originaltitel ’Kopf in den Wolken’ ist zwar recht blumig, geht aber am Kern des Films vorbei. Denn es ist schon gut gemacht wie Regisseur John Duigan aus dem lockeren Lotterleben der dreißiger Jahre die Kurve kriegt zu einem spannenden Agententhriller, der vom Spanischen Bürgerkrieg bis hin zum von den Deutschen besetzten Paris spielt und die Resistance thematisiert. Und Charlize Theron beweist wieder einmal, dass sie nicht nur eine der schönsten Frauen der Welt ist, sondern eine erstklassige Schauspielerin mit Charakterstärke. Gelungen scheint mir auch der Schluss, der uns die letzte blutig-grausame Konsequenz vorenthält : man weiß, aber muss nicht sehen.






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