Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1

Die Zeit des Abschieds hat begonnen. Die Verfilmung des letzten Harry-Potter-Bandes kommt in zwei Teilen ins Kino. Teil eins ist der bisher düsterste Film der Reihe. Und der beste.

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Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass man einmal in einem Harry-Potter-Film einen Song von Nick Cave und den Bad Seeds hören würde? Wohl niemand. Und doch geschieht genau dies in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. In der Stunde höchster Not, Harry und Hermine sind allein, Ron ist in überschäumender Wut fortgegangen, da erklingt „O Children“ aus dem Radio, das Lied eines Erwachsenen darüber, wie schutzlos seine Kinder sind. Harry steht auf, nimmt Hermine bei der Hand und – sie tanzen. Es ist ein behutsamer, trauriger Tanz, der nur manchmal ein kurzes Lächeln auf ihre Gesichter bringt. Der im Buch nicht vorkommt, und der einen Moment schafft, in dem der sonst so schwermütige Film zu schweben scheint.

Kein gemeinsames Essen im großen Speisesaal in Hogwarts. Keine Klassenkameraden. Kein Quidditch-Mannschaftssport. Es gibt in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes überhaupt nichts Gemeinsames mehr. Die Zauberschule Hogwarts als Handlungsort kommt nicht vor. Sie ist von den dunklen Mächten von Harrys Nemesis Voldemort übernommen worden, ebenso wie das Zaubereiministerium. Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) sind 146 Minuten lang auf der Flucht und versuchen, Voldemorts Horkruxe zu finden und zu zerstören. (Horkruxe sind, wie jedermann weiß, in Artefakte eingeschlossene Teile seiner Seele; durch diese Abtrennung wird der böse Zauberer, wie auch immer das genau funktionieren mag, so gut wie unsterblich.)

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Isoliert von ihrer gewohnten Umgebung, ihren Freunden und Familien – der Film beginnt mit einer Parallelmontage aus ergreifend inszenierten Abschiedsszenen – sind die drei auf sich allein gestellt. Und sie sind erwachsen geworden: Ron hat die breiten Schultern eines Mannes, Harry die Entschlossenheit eines Helden und Hermine die von Zauberhand unendlich geräumige Handtasche einer Dame, in der sich zu jeder Gelegenheit die passenden Utensilien finden. Hermines Darstellerin Emma Watson, die sicher bald ein großer Star in der Post-Potter-Ära werden wird, trägt in einer Szene ein hinreißendes rotes Kleid.

Im Buch wie im Film ist die plötzliche Unbehaustheit natürlich auch eine Metapher für eben jenes Erwachsenwerden; wenn Gewissheiten und Sicherheiten, und, ja, auch die Geborgenheit, verschwinden. Kameramann Eduardo Serra, der etwa auch das visuell eindrucksvolle Mädchen mit dem Perlenohrring (Girl with a Pearl Earring, 2003), fotografiert hat, sucht und findet dafür äußerst ausdrucksstarke Bilder. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes wird zugleich in eine gewisse Tradition gestellt: diejenige des Endzeitfilms nämlich. Das wird erreicht mit vielen Einsamkeits-Totalen, düsterer Stimmung und einer über weite Strecken betont langsamen Erzählweise. David Yates inszeniert hier zum dritten Mal einen Harry-Potter-Film, aber diese Gelassenheit des ausführlichen Erzählens stammt wohl eher aus seiner Fernseharbeit: der erstklassigen BBC-Miniserie Mord auf Seite eins (State of Play, 2003)

Eine besonders bedrückende Montage bleibt in Erinnerung: Harry, Hermine und Ron ziehen durch das verlassene Land, bauen hier und da ihr Zelt auf, und dabei ist immer aus dem Off das Radio zu hören, in dem die Namen der von Voldemort getöteten Zauberer verlesen werden. Es ist Krieg, und es fällt einem die Zeile von Georg Heym ein: In den Abendlärm der Städte fällt es weit, Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit …

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Es gibt dennoch hin und wieder etwas zu lachen, und es gibt auch Action, ja, spannende sogar, und eine schauerliche Tonspur voller Knarzen, Schreien und Röcheln. Aber das ist es nicht, was diesen Film so besonders macht. Es ist vielmehr das stete Bemühen, einen wirklichen Film zu drehen – und nicht nur die Verfilmung eines Buches. Das geht nur in begrenztem Maß, weil man sich an die Vorlage nun einmal halten muss. Wo immer aber Yates die Möglichkeit wittert, die dem Film eigenen Mittel anzuwenden, da nutzt er sie. Das gilt für die hinzuerfundene Tanzszene mit Hermine und Harry (Bewegung und Musik sind Bereiche des Films, nicht der Literatur) und für die oben genannten Endzeitfilm-Zitate.

Und es gilt auch für die Art, wie das „Märchen von den drei Brüdern“ erzählt wird, jene Geschichte, die in das 21. Kapitel des Buches eingeschoben ist. Wo Joanne K. Rowling schlicht die Textgestalt der eineinhalb Seiten kursiv setzen lässt, bricht Yates in dieser schönen, ambitionierten Sequenz komplett aus dem Film aus und gestaltet das Märchen als fantastisches Schattenspiel, mehr als deutlich inspiriert von den Scherenschnitt-Filmen, die Lotte Reiniger in den 20er Jahren gedreht hat.

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Wiederum andere Einflüsse werden in der Szene im Zaubereiministerium aufgegriffen, die wirkt wie eine Mischung aus Franz Kafka, Drittem Reich und Brazil (1985, Terry Gilliam). Die magische Diktatur des Bösen ist dabei nicht weit entfernt von den hiesigen Diktaturen, mit ihrer Verfolgung und Ausgrenzung aller, die nicht reinen Zauberer-Blutes sind, dem Schüren von Hass und Missgunst, der Manipulation und der nackten Angst. Es war ein weiter Weg, aber nun ist es geschehen: Die Harry-Potter-Reihe hat in Form und Inhalt endgültig das Genre des Kinderfilms verlassen.

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Kommentare


Yvonne

ein unglaublich toller film! so ganz anders als die Vorgänger dieses Teils! Und das liegt nicht nur daran, dass Hogwarts als Handlungsort überhaupt nicht vorkommt, sondern auch, dass es der überhaupt beste Film ist, was die Details aus den Büchern angeht. Er passt einfach ausnahmsweise mal absolut zum Buch! also kein Enttäuschung für diejenigen die das Buch schon kennen. Übrigens noch: wer allerdings die Bücher und vorherigen Filme nicht kennt, hat es reichlich schwer, den Film zu verstehen.
Dafür ist der Film für Fans der absolute wahnsinn! :-)
Bisher war ich ja wirklich oft enttäuscht wenn ich feststellen musste, dass das im Buch ganz anders war als im Film, aber bei diesem Film stören mich die paar abänderungen (wie das Harry nicht einmal mit seinem Tarnumhang unterwegs ist, so wie im Buch)überhaupt nicht!
und was mir besonders gut gefällt, ich persönlich finde es wird nie langweilig und dieser Film ist einfach ganz anders als die vorherigen :)
ich würde in jedem Fall 10 von 10 Punkten vergeben! Hammer! :)


Yvonne2

Es stimmt. Der Film überzeugt vollkommen mit szenerischer Darstellung. Das Zusammenspiel von Musik, Gestik, Mimik und Requisiten lässt den ersten Teil des letzten Films zu einem Meisterwerk in diesem Jahr erstrahlen.
Ich war vor allem von der schauspielerischen Leistung der Darsteller überzeugt. Noch nie sprach die Mimik eine so große Rolle, um die Emotionen auszudrücken, wie in den letzten Bänden.


Matt

Auch ich halte die Verfilmung für sehr gelungen. Kann mich der Kritik also grundsätzlich anschließen. Allerdings habe ich auf Nick Cave bei Harry Potter schon fast gewartet. Mit seinem derzeitigen Outfit könnte Nick Cave auch jederzeit sofort eine Nebenrolle besetzen.

Aber böser Fehler Torsten Funke:
Zitat "...Harrys Nemesis Voldemort..."
Nemesis ist die Göttin des „gerechten Zorns“.


Snoofy

Was soll man dazu sagen. Ich war sehr enttäuscht von dem Film. Trozdem sich der Regisseur viel Zeit genommen hat, hat er es nicht geschafft einen Film zu drehen, den man auch ohne das Buch gelesen zu haben verstehen kann. Daran ändert auch Lord Voldemort die alte Plaudertasche nichts. Warum wurde nicht ein mal über die Horkruxe philosopiert, was und wo sie sein könnten. Warum betrauert Harry die schöne Zeit unter der Treppe während allen neben Charakteren die Show gestohlen wird (dudley, creature, wurmschwanz). In der Szene wo Harry verlauten läßt, dass er Dobby ohne zauberei begraben möchte hab ich gedacht die haben ausversehen eine Szene aus GZSZ dazwischen geschnitten. Und warum kommt hilfe, wenn man mit einer Spiegelscherbe spricht? (Ich weis die erklärende Szene war drin, nur das Harry in deiser Szene nicht den Hauch von verwunderung zeigt.) Und warum sagt Harry plötzlich "Du weist schon wer"? Wäre doch echt mal erklärungsbedürftig gewesen, insbesondere weil Lunas Vater das Wort "Voldemort" als recht gelungene filmische Abkürzung benutzt um die Todesser zu rufen. Der Film hat viele sehr schöne Szenen, aber Details gibt es nicht zu entdecken. Das veiles raus gekürzt werden muß ist klar, aber wenn ein Film in sich Fehler hat, ist das einfach nur schade.


Echnaton

Ich kann mich dem Kritiker in seiner überschäumenden Freude über diesen Film leider nicht anschließen.
Zwar ist die Atmosphäre düster und dem Ende angemessen, aber insgesamt ist der ganze Film nicht nur langatmig sondern über weite Strecken auch langweilig.
Typisch Roadmovie möchte man da sagen, aber leider beschränkt sich der Regisseur auf den Weg, ergeht sich in endlosen Landschaftsaufnahmen und lässt so die Handlung zur Nebensache verkommen.
Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern wann ich im Kino zuletzt dermaßen oft gähnen musste.
Man hätte diesen Film ohne Probleme auf 90 Minuten verkürzen können ohne irgend etwas Entscheidendes weg zu lassen.
Weggelassen hat man statt dessen mehr oder weniger alle Nebencharaktere, mehr als ein paar Zweizeiler waren für niemanden drin. Die Dialoge der Hauptdarsteller schwächeln zudem auch noch auffallend.
Vielleicht erbarmt man sich beim Filmstudio und bringt, wenn wir den zweiten Teil halbwegs wach überstanden haben, einen verkürzten Zusammenschnitt heraus, 'Harry Potter neundreiviertel' vielleicht?
Fazit: am eigenen Anspruch gescheitert.


Tan

Ganz so begeistert, wie der Kritiker war ich nicht. Natürlich war der Film gut, sehr gut, denke ich, aber ich habe bessere Filme gesehen.
Ja, man hat gesehen wie Harry, Ron und Hermine sich alleine durch die böse Welt kämofen mussten. Doch ich habe soviel vermisst. Im Buch wurde andauernd geschrieben, wie Harry auf die Karte des Rumtreibers geguckt hat, oder wie er sich darüber geärgert hat, dass Snape Schulleiter ist. Oder um das nicht zu vergessen: Es wurde nicht gezeigt wie Kreacher sich verändert hat und ein halbwegs höflicher Elf geworden ist und auch Mitleid von Harry und Hermine (Ron hat ihn ja gehasst), weil sie befürchteten, die Todesser hätten ihn geschnappt. Außerdem habe ich die Szenen in Sirius und Lunas Zimmer vemisst. Ja, Sirius Zimmer wurde gezeig. 'ne halbe Minute lang. Dabei wurde so viel von J.K Rowling geschrieben. Zum beispiel die Gryffindor Farben an den Wänden oder die Bikini Models (xD) Oder das Bild von Harry auf dem mini- Besen! Und ich hätte mehr Trauer um Moody sehen wollen.

Aber sonst war der Film super! Schön gefilmt, besonders der anfang und die Geschichte von den drei Brüdern und nicht zu vergessen Dobbys Tod. Das war die emotionalste und beste Stelle des ganzen Films finde ich. :) :I


Ana

Hab den Film gestern gesehen und bin im Großen und Ganzen zurfrieden. Hab ja auch alle Teile mindestens einmal gelesen.
Das mit den Horkruxen wurde bereits im sechsten Teil, sowohl Buch als auch Film, ausführlich erklärt, da kann man es den Machern nicht zum Vorwurf machen, es hier nicht noch einmal zu erläutern.

Mein Kritikpunkt betrifft allerdings den Cast. Rufus Scrimgeour, Fenrir Greyback und Mundungus Fletcher entsprechen so gar nicht den Vorgaben aus dem Buch. Sicher ist es toll, David Nighy auf der Leinwand zu bewundern, aber als Zaubereiminister ist er einfach zu schmächtig. Im Buch wird er mit einem alternden Löwen verglichen, da stimmt ja gar nichts. Greyback hat gerade mal ein vernarbtes Gesicht, für einen Werwolf wirklich zu wenig. Und Fletchers ungepflegte Haarmähne kam buchstäblich zu kurz :-).
Alles in allem ein gelungener Potter, ab und zu nicht ganz FSK12, möchte man meinen, aber wohl gerade deswegen so erwachsen wie selten. Ich beglückwünsche die Macher zu der Idee, den Film auf zwei Teile aufzuteilen.


Lena

Hallo,

der Film ist gelungen. Die Umsetzung ist hier viel besser als in "... und der Halbblutprinz" gelungen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.


Astrofee

Sehr guter Film ich finde es der beste Teil von allen.


Steffen

Was für ein toller Film, alle Teile waren sowohl als Bücher als auch als Kinofilm absolut zu empfehlen und fesseln nicht nur Kinder.






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