Harry Potter und der Feuerkelch
Aufregung in Hogwarts: Dieses Jahr wird dort das Trimagische Turnier ausgetragen. Eigentlich ist Harry Potter zu jung, trotzdem als Teilnehmer erwählt. Mike Newell verfilmte den düsteren vierten Teil der Kinderbuchreihe.

Heiß ersehnt ist er, der neue Harry Potter. Bei der Londoner Filmpremiere harrten die Fans mindestens einen halben Tag vor dem berühmten Kino am Leicester Square, um einen Blick auf die Schauspieler zu erhaschen. Die Verfilmung der Jugendbuchreihe, über die die britische Grande Dame Maggie Smith mal lapidar sagte, ihre Rolle als Professor McGonagall sei wie eine anständige Rente, geht in Runde vier und das zum ersten Mal mit britischem Regisseur.
Nach dem Amerikaner Chris Columbus, der Teil I und II als unschuldigen und liebenswürdigen Kinder-Zauberspaß inszenierte und dem Mexikaner Alfons Cuarón, der der Thematik eine deutlich düsterere Atmosphäre verlieh, darf jetzt Mike Newell. Der Brite ist vor allem bekannt für seine Vielseitigkeit und seine Weigerung, sich auf ein bestimmtes Genre festzulegen. Ganz unterschiedliche Filme hat Newell in seiner Karriere gedreht, darunter die erfolgreiche Komödie Vier Hochzeiten und ein Todesfall (Four Weddings and a Funeral, 1994), das Gangsterdrama Donnie Brasco (1997) und das Julia Roberts-Lehrer-Emanzipations-Stück Mona Lisa Smile (2003). Nun hat er sich also dem vierten Band des siebenteiligen Zauberschüler-Epos gewidmet.

Das Verfilmen von Mehrteilern, die um dieselben Protagonisten und Schauplätze kreisen und dazu noch auf den erfolgreichsten Büchern der vergangenen Jahre beruhen, ist ein schwieriges Unterfangen. Die Romane sind meist über 500 Seiten lang und bieten Haupt- und Nebenfiguren viel Raum sich zu entfalten. Im Film können diese natürlich nicht ebenso ausführlich behandelt werden. So entschloss sich Mike Newell beispielsweise, die im Buch durchaus wichtige Thematik der Hauselfen, die Autorin J. K. Rowling als Metapher für Sklaverei benutzt, im vierten Teil bedauerlicherweise gar nicht aufzugreifen.
Auch werden die Potter-Bände von mal zu mal dunkler, mysteriöser und spannender und diese Atmosphäre muss glaubhaft auf die Leinwand übertragen werden. Alfonso Cuarón gelang dies mit Harry Potter und der Gefangene von Azkaban (Harry Potter and the Prisoner of Azkaban, 2003) recht gut: regnerische, nebelverhangene Szenen, die Farben kühl, bisweilen frostig, schnelle Schnitte. Nichts erinnerte mehr an die ruhige und warme Grundstimmung der ersten beiden Teile.

Mike Newell beginnt Harry Potter und der Feuerkelch mit dem Blick auf in Stein gehauene Totenköpfe, aus denen eine lange Schlange kriecht, die sich dann über einen nächtlichen Friedhof schlängelt. Dunkle Zeiten brechen an in der Hexenwelt. Die Muggle-Außenwelt, das heißt die nichtmagische Umgebung, die vor allem durch Harrys Tante, Onkel und Cousin Dudley vertreten wird, lässt Newell außen vor. Stattdessen konzentriert er sich auf das Zauberinternat Hogwarts, das in diesem Jahr Besuch erhält von Schülern zweier anderer Lehranstalten: den wilden Jungs aus Durmstrang mit ihrem grimmigen Schulleiter Igor Karkaroff (Pedja Bjelac) und den damenhaften Mädchen aus Beauxbatons mit der riesigen Madame Maxime (Frances de la Tour).
Zwischen den drei Schulen soll das Trimagische Turnier ausgetragen werden, ein Wettkampf, der bereits seit 100 Jahren aufgrund seiner Gefährlichkeit nicht mehr stattfand. Teilnehmen darf eigentlich nur, wer über 17 Jahre alt ist. Trotzdem speit der Feuerkelch, der die Wahl unter den Berechtigten treffen soll, auch einen Zettel mit Harry Potters (Daniel Radcliffe) Namen aus, obwohl der 14jährige keine Möglichkeit hatte, diesen in den Kelch zu werfen. Dennoch, er muss den Wettbewerb bestreiten und im Folgenden gegen Drachen, Unterwassermenschen und Irrgartenmonster kämpfen.

Optisch stellt gerade Harry Potter und der Feuerkelch seinen Regisseur vor große Herausforderungen, die er glaubhaft löst: die Quidditch-Weltmeisterschaft, Harrys Kampf mit dem ungarischen Hornschwanz, die Unterwasserwelt, der Irrgarten und die Begegnung mit dem wiederauferstehenden Lord Voldermort, gespielt von einem nosferatuhaft verkleideten Ralph Fiennes. Newell hatte offensichtlich großen Spaß an der Tricktechnik. Das Quidditch-Turnier, das im Buch einen großen Teil des Anfangs einnimmt, wird hier zwar nur kurz abgehandelt, aber durchaus beeindruckend: ein riesiger Krater mit viel Platz zum Besenfliegen, mit grünem Spielfeld und unzählbaren Stockwerken, auf denen die Zuschauer die Mannschaften aus Irland und Bulgarien beobachten können. Ähnlich überdimensional ist auch der Irrgarten gestaltet: hoch aufragende Hecken, die sich ins Unendliche zu ziehen scheinen. Und Harrys Kampf mit dem Drachen hat Newell gleich um einige Szenen erweitert. Im Film darf das Fabeltier sämtliche Schindeln der Dächer von Hogwarts abdecken.
Man könnte fast behaupten, Mike Newell führe die Herangehensweise seiner beiden Regievorgänger auf symbiotische Weise zusammen. Die Opulenz und Detailversessenheit der ersten beiden Teile verbindet er mit der atmosphärischen Kühle des dritten Teils. Ganz nebenbei beginnt bei Harry und seinen Freunden auch noch die Pubertät, das plötzliche Interesse für das andere Geschlecht, das Newell augenzwinkernd und mit feinem Gespür für den richtigen Ton in Szene setzt – mit Hilfe des Drehbuchautors Steve Kloves, der bereits für die vorigen Potter-Adaptionen verantwortlich war. So ist Harry Potter und der Feuerkelch einmal mehr ein optisch überzeugender, mit der wie üblich beeindruckenden British All-Stars-Riege versehener Film. Er ist unterhaltsam und spannend, die vielschichtige Brillanz der Romanvorlage kann er aber nicht erreichen.
Filmkritik von Meike Stolp
Veröffentlicht am 15.11.2005
Kommentare zu Harry Potter und der Feuerkelch
leon allgeier 05.12.2007 17:18
Der Film ist , in kurzen Worten , einfach klasse.
Ich hab die DVD , die Blueray disk , alles.
Ich meine es gibt bessere , aber der Film ist auch gut.
5 Sterne
Andreas Christoph 09.07.2010 14:57
echt geiler film, wenn man 3 jahre nach der erscheinung bedenkt welche schlechten filme nach diesem noch erschienen sind. aber für diesen film: daumen hoch
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Harry Potter und der Feuerkelch. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Harry Potter und der Feuerkelch
Originaltitel: Harry Potter and the Goblet of Fire
Informeller Titel: Harry Potter 4
Großbritannien, USA 2005
Laufzeit: 157 Minuten
Regie: Mike Newell
Drehbuch: Steve Kloves
Basierend auf Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire) von: Joanne K. Rowling
Produktion: David Heyman
Darsteller: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Brendan Gleeson, Michael Gambon, Robbie Coltrane, Frances la de Tour, Tom Felton, Matthew Lewis, Maggie Smith, Ralph Fiennes, Alan Rickman, Gary Lewis
Kinostart: 17.11.2005
DVD-Angaben
Titel: Harry Potter und der Feuerkelch
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 151 Minuten
Extras: Dokumentation „Vorbereitungen für den Weihnachtsball“; Dokumentation „Gedanken zum 4. Film“; Erweiterte Szenen; Interviews mit Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson; Interaktive Spiele; DVD-ROM
Verleih ab: 31.03.2006
Verkauf ab: 31.03.2006
Copyright Harry Potter und der Feuerkelch
Fotos: © 2005 Warner Bros., Harry Potter Publishing Rights © J.K.R.
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Glaube, Liebe, Tod
R: Peter Kern
Shadow Dancer
R: James Marsh
Marina Abramović: The Artist is Present
R: Matthew Akers
Captive
R: Brillante Mendoza
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Barbara
R: Christian Petzold
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Die Wand
R: Julian Pölsler
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR











2 Kommentare