Happy-Go-Lucky

Mike Leigh richtet sich in seinem neuen Film gegen die Verdrießlichkeit eines Kitchen-Sink-Realismus: Happy-Go-Lucky ist ein rigoroses Plädoyer für Optimismus und Lebensfreude.

Happy-Go-Lucky

Nach der trostlosen Londoner Nachkriegsszenerie von Vera Drake (2004) kehrt Mike Leigh mit seinem neuesten Werk in die britische Hauptstadt der Jetztzeit zurück. Hier spielten bereits viele der Filme Leighs, die oft in der Tradition eines rauen Sozialrealismus zu verorten waren, den man nicht nur im Ausland schon lange mit der Kinolandschaft Großbritanniens identifiziert. Happy-Go-Lucky erzählt zwar auch von Alltagssituationen und gewöhnlichen Menschen, der Ton des Films ist jedoch nahezu schamlos optimistisch. Eine Zäsur, die gerade nach Leighs schmerzlichem Vorgänger Vera Drake besonders groß ist.

Happy-Go-Lucky

Pulsierendes Zentrum von Happy-Go-Lucky ist die dreißigjährige Poppy (Sally Hawkins), eine Grundschullehrerin, die beim Radeln durch das Londoner West End eingeführt wird und der weder der Verkehr noch der anschließende Diebstahl ihres Fahrrads die gute Laune verderben können. Einen Plot im herkömmlichen Sinn hat der Film nicht, vielmehr begleitet Leigh seine Heldin bei ihren mit kindlichem Enthusiasmus exekutierten Schulstunden, ihren Flamencokursen und Zusammentreffen mit Fahrlehrer Scott (Eddie Marsan), der an Poppys unbeschwerter Art zu zerbrechen droht. Kontinuierlich witzelt die junge Frau mit ihrer Umgebung, dabei wirkt ihr lautes Lachen auf einige ansteckend, auf andere hingegen befremdlich, gar störend. Vielleicht empfindet das auch der Zuschauer zunächst so, schließlich kann eine rücksichtslos fröhliche Person wie Poppy durchaus misstrauisch machen. Und gerade aus dieser Prämisse entfaltet Happy-Go-Lucky seinen außerordentlichen Reiz.

Happy-Go-Lucky

In der losen narrativen Struktur ähnelt der Film Leighs Nackt (Naked, 1993), inhaltlich kann man Happy-Go-Lucky jedoch als dessen Antithese bezeichnen. Johnny, die Hauptfigur aus Nackt, ist ein auf verstörende Weise verbitterter Mann mit einer aufrichtig negativen Weltsicht. Poppys Ansatz ist diesem somit konträr entgegengesetzt, vergeblich wartet man auch auf ihre Läuterung. Wenn Happy-Go-Lucky doch so etwas wie einen Konflikt beschreibt, dann eben den zwischen fundamental unterschiedlichen Lebensauffassungen. Der Choleriker Scott mag in diesem Sinne eine abgemilderte Variante Johnnys sein. Zudem gibt es eine kurze, irreal überhöhte Szene, in der Poppy des Nachts auf einen Stadtstreicher trifft – vorbehaltlos geht sie auf ihn zu, ihre schillernde Erscheinung lässt sie hier fast wie ein Trugbild wirken. Letztlich stoßen in Happy-Go-Lucky auch die hoffnungslosen Protagonisten dieses so quintessentiell britischen Sozialrealismus auf ihr zuversichtliches Gegenstück. Dabei entwirft Leigh jedoch in gar keinem Fall ein idealisiertes Bild unserer Zeit, er behandelt in seiner Charakterstudie eher Fragen des Zugangs und der Haltung.

Happy-Go-Lucky

Sicherlich ist Poppy zunächst einmal ein Sprachrohr für Optimismus, verkommt dabei aber zu keiner eindimensionalen, naiven Figur. Auch sie hat kontemplative Momente, und die wunderbar aufspielende Sally Hawkins verleiht ihr einige Facetten, etwa wenn sich Poppy mit geduldiger Fürsorge um ein misshandeltes Schulkind bemüht. Mike Leigh hat in seinen Filmen oft eine Vorliebe für schauspielerische Improvisation bewiesen, erneut geht seine Strategie hier mit Hawkins voll auf, und es gelingt ihm, den Film ganz um ihre Darbietung und ihren ausufernden Wortwitz herum aufzubauen.

Happy-Go-Lucky

Happy-Go-Lucky mag mit leichter Hand gezeichnet sein und moderate Ambitionen in seinem dahinplätschernden Gestus haben, genau dieses Understatement macht ihn aber so ansprechend und effektiv. Leigh erfordert eine Positionierung des Zuschauers zu Poppys gnadenlosem Optimismus. Natürlich ist ihre Art ein illusorischer, gar wenig salonfähiger Vorschlag für einen Umgang mit den Widerständen unserer Tage, aber Skepsis und Zynismus beiseite, man kommt doch nicht umhin zu hoffen, ihm folgen zu können.

Trailer zu „Happy-Go-Lucky“


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Kommentare


Kritiker08

Auch wenn dieser Film irgendeinen Preis gewonnen hat, er ist absolut nicht sehenswert. Im Kino bin ich fast eingeschlafen. Absolut langweilige Dialoge und das dämliche Grinsen der Hauptdarstellerin ist so was von nervig! Ich habe keine Ahnung was mir der Film vermitteln soll - gute Laune und dann wird alles besser? Ne, bei mir ist das jedenfalls nicht angekommen. Wer ihn unbedingt sehen will, sollte lieber warten bis er auf DVD kommt.
Von einer Skala 1-10 bekommt er von mir eine glatte 2. Warum keine 1? Es gibt noch schlechtere Filme!


Userin Wien

Der beste Kommentar zu diesem Film! Perfekt!!


Kohnert

Tatsächlich enttäuschendes Dahinplätschern der zerfaserten Handlung. Wer die Welt auf diese Weise ändern will, ist ebenso blind wie die Tanzenden auf der Titanic. Oder sollte der Humor des Untergangs gezeigt werden, dann ist dieser Film nicht komisch genug!






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