Happy Feet

Nach dem sprechenden Schweinchen Babe präsentiert der australische Regisseur George Miller diesmal singende und steppende Pinguine in einem handwerklich beeindruckenden Animationsfilm, der als musikalische Außenseiterkomödie beginnt und dann unerwartet eine scharfe Kurve Richtung Öko-Drama nimmt.

Happy Feet

Zum Entsetzen seiner Artgenossen kann der kleine Kaiserpinguin Mumble nicht wie alle anderen singen. Stattdessen ist er ein geborener Stepptänzer und eifert mit seinen „fröhlichen Füßen“ Fred Astaire nach. Die Mutter findet es putzig, der Vater schämt sich, auch weil er für die Kauzigkeit seines Sprösslings verantwortlich ist. Hat er doch das Ei mit dem ungeschlüpften Nachwuchs aus Versehen fallen lassen – ein absolutes Unding. Mumble hadert nicht nur mit dem Dilemma, seine Angebetete Gloria ohne obligatorisches „Herzenslied“ erobern zu müssen, er wird zu allem Übel aus der Gemeinschaft verbannt. Einsam und frustriert schließt er sich den liberaleren, lebenslustigen Adelie-Pinguinen an, die seine Tanzfähigkeiten zu schätzen wissen und lüftet mit ihnen das Geheimnis hinter den schwindenden Fischbeständen.

Die Geschichte vom tanzenden Außenseiter, der um die Gunst des Vaters kämpft und seine Partnerin mit einem Lied gewinnen soll, wirkt wie eine Kombination aus dem mehrfach ausgezeichneten Überraschungserfolg Billy Elliot – I Will Dance (Billy Elliot, 2000) und der populären, Oscar-prämierten Dokumentation Die Reise der Pinguine (La Marche de l’empereur, 2004). Happy Feet eröffnet mit Pinguinen, die zum Prince-Klassiker „Kiss“ die Hüften schwingen und sich in MTV-Manier anbalzen, was umso gewöhnungsbedürftiger ist, da die Nummer ohne jegliches Augenzwinkern vorgetragen wird. Stücke von den Beach Boys, Queen, Frank Sinatra und anderen folgen. Ein wilder und etwas wahlloser, teils unpassender, teils treffsicherer Streifzug durch die Popkultur – Moulin Rouge (2001) on Ice.

Happy Feet

George Miller hat einen visuell mitreißenden, kuriosen Genre-Cocktail gemixt, der seinem eigenen Spaß nicht zu trauen scheint. Für ein bis dahin harmlos leichtes Pinguin-Musical schlägt er während der letzten halben Stunde plötzlich befremdlich dunkle und unstimmige Töne an. Er will vieles auf einmal sein und ist wenig konsequent und durchgängig: Lovestory und Komödie, Revue und Politsatire. Leider auch anspruchsvolles Drama mit umweltfreundlicher Botschaft, womit er die temporeichen und energiegeladenen Action-Sequenzen, die seine und Millers größte Stärke sind, trübt. Atemberaubende Verfolgungsjagden mit einem Seeleoparden und zwei Killerwalen zählen zu den Höhepunkten des aktuellen Animationskinos und entschädigen für manche Unausgegorenheit im Drehbuch.

Nicht zufällig gab Miller sein Spielfilmdebüt mit dem postapokalyptischen Rache-Thriller Mad Max (1979), den er mit Mad Max II – Der Vollstrecker (Mad Max 2: The Road Warrior, 1981) und Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (Mad Max Beyond Thunderdome, 1985) fortsetzte. In ihrer ebenso simplen wie radikalen Aussage, dass allein der Stärkere oder Besondere überlebt, und einem insgesamt kritischen Menschenbild ist die Trilogie weit weniger von Happy Feet entfernt, als es die Genres ahnen lassen. Der gleiche Grundton findet sich unter einer vergnüglichen Oberfläche auch in dem von Miller produzierten und mitgeschriebenen Publikumshit Ein Schweinchen namens Babe (Babe, 1995) und dessen deutlich düsteren und darum vielleicht weniger erfolgreichen Nachfolger Schweinchen Babe in der großen Stadt (Babe: Pig in the City, 1998), bei dem er zusätzlich die Regie übernahm.

Happy Feet

Sowohl Ferkel als auch Pinguin müssen mehr als nur Tier sein und sich zum Affen machen, indem sie als Schäfer-Schwein oder Tanzbär aus der Art schlagen und amüsieren, um von den Menschen beachtet und verschont zu werden, nicht auf der Schlachtbank zu landen oder zu verhungern. Aber während diese Regel in Babe bereits nach kurzer Zeit festgelegt wird und von da an unterschwellig immer mitschwingt, wiegt sich der Zuschauer von Happy Feet zu lange in der falschen Sicherheit, in einer weitestgehend sinnfreien Komödie über einen steppenden und unglücklich verliebten Pinguin-Outsider zu sitzen. Die unerwartete finale Kollision zweier Lebensräume und der abrupte Einbruch der Realität in die Fantasiewelt, hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, der auch durch ein gemeinsames, versöhnliches Abschiedstänzchen von Mensch und Tier nicht versüßt werden kann.

Kommentare


Jörg

Sind die wirklich guten Ideen schon alle?
Dieser Film befriedigt lediglich das Ego eiteler Computeranimateure. Die Storry geht glatt am eigentlichen Clientel vorbei- Kinder können mit den gegospelten Rockoldies ebensowenig anfangen, wie mit der endlos ins Detail gehende Handlung, die nach spätestens 25 Minuten die Geduld von Groß und klein gewaltig strapaziert. Die Spannung bleibt der Film ebenso schuldig, wie den echten Humor - lediglich ein "Anstandsschmunzeln des allgemeinen kulturignoranten Kinobesuchers" ertönt im Zuschauerraum. Selbst der sonst so erfrischende Humor für die begleitenden Omas, Opas, Mütter und Väter bleibt diesmal weg, stattdessen werden actionreiche Videospielszenen präsentiert, die die Lücke der weggelassenen Zutaten guter Filme füllen sollen. Auch logische oder schlüssige Erklärungen fehlen in der Handlung, was nicht weiter auffällt, wenn man vom ersten Augenblick des Filmes nicht mitdenkt.
Alles in Allem scheint dieser Film ein farbloser Versuch zu sein, das beliebteste Clientel ( Kinder ) der Kinoindustrie hinzuhalten - ich war enttäuscht!


teresa laschewski

In Anbetracht dessen, daß der Film eine Aussage trifft, die auf jeden Fall den meisten Kindern bis 6 Jahren verschlossen bleibt, was das Geringste sein dürfte, zeigt er unnötig überzogene Szenen, in denen völlig unrealistisch z.B. ein Seehund gezeigt wird. Bei allen alltäglich leider unvermeidbaren Schreckensbildern scheint es mir völlig überflüssig zu sein - zudem Kindern - aus solch einer Nähe und in einer solchen Ausführlichkeit den Schlund eines sonst für uns ausgesprochen harmlosen, ja sogar reizvollen Tieres derart schauerlich darzustellen. Wer erlebte diesen Anblick je, außer es fräße ihn gleich ein Tiger - zudem müßte man sich zuvor noch zu ihm umdrehen.
Der Film als solcher gefiel uns schon, jedoch bitte nicht für kleine Kinder, auch wenn das Drumherum rührselig und schön inszeniert ist.
Schade!
Es ist eigentlich nicht nur schade, wenn ein Kind von diesem Film (gehe ich ins Kino, um mein Kind schocken zu lassen?) geängstigt wird (wenn auch unterbewußt). Es ist unverantwortlich, diesen Film mit Altersfreigabe ab 0 Jahren auszuschreiben!!!






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