Hannibal Rising
Wer schon immer wissen wollte, woher Hannibal Lecters Appetit auf Menschenfleisch stammt, wird mit Hilfe von Hannibal Rising diese Wissenslücke schließen können. Weitergehende Erwartungen sollte man an den Film lieber nicht richten.

Seitdem George Lucas seiner klassischen Star Wars-Trilogie (1977-1983) eine ebenfalls dreiteilige Vorgeschichte verpasste (1999-2005) scheint sich das Hollywoodkino auf der Suche nach den Ursprüngen seiner Mythen zu befinden. Immer neue Prequels, ob zu Horrorfilmklassikern (Texas Chainsaw Massacre: The Beginning, 2006) oder zu Superheldenserien (Batman Begins, 2004) werden auf den Markt geworfen. Selbst James Bond musste sich im letzten Herbst die Frage nach seinen Wurzeln gefallen lassen (Casino Royale). Nun hat diese neue Welle der Produktdifferenzierung auch Hannibal Lecter erreicht, den berühmtesten fiktionalen Serienkiller der Filmgeschichte. Beruhend auf mehreren Romanen des Schriftstellers Thomas Harris machte der psychopathische Massenmörder erstmals 1988 in Michael Manns Blutmond (Manhunter) die Leinwände unsicher, bevor er durch Jonathan Demmes Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs) in der Gestalt Anthony Hopkins’1991 endgültig zum Star avancierte.
Hannibal Rising ist inzwischen bereits der fünfte filmische Beitrag zum Lecter-Franchise, allerdings ist der Streifen erst der zweite in der Reihe, in welchem Hannibals eigenes blutiges Handwerk im Mittelpunkt steht. Sowohl in Das Schweigen der Lämmer als auch in Blutmond sowie dessen Remake Red Dragon (2002) trat die Figur vor allem als Unterstützer des FBIs während der Ermittlungen zu anderen Verbrechen auf. Nur in Ridley Scotts Hannibal (2001), dem vierten Film der Serie, war der Serienkiller in größerem Ausmaß bei der Arbeit zu bewundern.

Hannibal Rising beginnt mit der Geschichte des jungen Lecter (Aaron Thomas), der in den Wirren des zweiten Weltkriegs seine Familie verliert und mit ansehen muss, wie seine kleine Schwester Mischa (Helena Lia Tachovka) von deutschen Soldaten getötet und gegessen wird. Nach Kriegsende flüchtet der inzwischen erwachsene Hannibal (nun gespielt von Gaspard Ulliel) nach Frankreich und trifft dort die Japanerin Lady Murasaki (Gong Li), die Frau seines Onkels, mit der er trotz des Altersunterschieds eine Affäre beginnt. Durch einen Zufall gelangt er in den Besitz von Informationen, die es ihm ermöglichen, die Mörder seiner Schwester ausfindig zu machen. Lecters lange und blutige Karriere kann beginnen.
Der Anfang von Hannibal Rising ist fulminant. Die erste Viertelstunde des Films entwirft ein dynamisches Szenario an der russischen Front des zweiten Weltkriegs voller fieser deutscher Nazisoldaten und jeder Menge Explosionen. Doch Webber hat sein Pulver schnell verschossen. Sobald die Haupthandlung ansetzt, entwickelt sich sein Streifen zu einem berechenbaren Serienkillerfilm, der weder in seiner Inszenierung noch in Sachen Handlungsaufbau an die berühmten Vorgänger anschließen kann.
Der Niedergang des Hannibal-Franchises hatte bereits mit Red Dragon begonnen, der Michael Manns stilsicheres Meisterwerk Blutmond in einen uneffektiven Allerweltsthriller verwandelte. Auf den uninspirierten Blockbusterlieferant Brad Rattner folgt nun mit Peter Webber ein Regisseur, der sich nicht so recht entscheiden zu können scheint, ob er einen gediegenen Ausstattungsfilm oder einen geradlinigen Thriller – der Handlungsaufbau scheint letzteres nahe zu legen – inszenieren möchte. Heraus kommen dann meist auf Hochglanz polierte Bilder, die stets im erstbesten Bildklischee erstarren. Die Filmserie, bis zu der opulent produzierten, kriminell unterschätzten Kannibalen-Romanze Hannibal in den Händen von Hollywood-Auteurs der ersten Liga, verwandelt sich spätestens mit Hannibal Rising in ein Horror-Franchise unter vielen.

In der Tat erinnert der Film stark an die seriell produzierten Slasherfilme der achtziger Jahre wie die Streifen der Freitag der 13.–Reihe (Friday the 13th, seit 1981), deren bessere Vertreter allerdings um einiges spannender inszeniert sind als Hannibal Rising. Zwar stehen hier keine promiskuitiven Teenager im Mittelpunkt sondern der psychopathische Killer selbst, die Struktur wird jedoch in ähnlicher Weise von der Abfolge der einzelnen Bluttaten bestimmt. Die Verlagerung des Schwerpunkts innerhalb der Handlung bringt zusätzlich das Problem mit sich, dass Hannibal Rising weder eine angemessene Identifikationsfigur bereithält, noch eine Projektionsfläche erstellt, auf der sich die schrecklichen Taten Hannibals einschreiben könnten.
Auch Lady Murasaki kann diese Rolle, in der in den Vorgängern unter anderem Jodie Foster und Julianne Moore zu bewundern waren, nicht übernehmen. Gong Li ist mit der extrem unterentwickelten Figur sichtlich unterfordert, die nie über das Stereotyp des asiatischen Mysteriums, inklusive jeder Menge esoterischem Allerlei, hinaus kommt. Auch das zweifellos vorhandene Potential des Hauptdarstellers Ulliel wird verschenkt. Der angemessen dämonisch dreinschauende junge Franzose könnte unter anderen Umständen einen veritablen Psychopathen darstellen. Hier jedoch beschränkt sich seine Rolle darauf, mit gegeltem Haar in langweiligen Sets – die Schauplätze greifen von der Leichenhalle bis zum mysteriösen Anwesen auf dem Lande ausnahmslos in biederer Weise Horrorfilmklischees auf – auf Nazijagd zu gehen.
Jede Geschichte hat einen Anfang. Im Falle von Hannibal Rising könnte dieser auch gleichzeitig das Ende darstellen.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 08.02.2007
Kommentare zu Hannibal Rising
Max Payne 14.10.2007 14:38
Die ersten beiden Hannibal teile waren gut ! Aber danach gings immer weiter Abwärts nur noch Blut und Brutalität spielten hier Rollten was leider in den meisten Filme so ist !
Dieser Film ist bescheuert und die Story so Sinnlos das man ihn Kostenfrei machen sollte !
Wenn ich mir einen Film kaufe oder ins Kino gehe zB. zu einem Zweiten Teil von Star Wars oder so , dann erwarte ich verbesserungen , Neuigkeiten , cooler Effekte und alles soll nochmal besser gemacht werden als im Vorgänger doch leider war das hier überhaupt nicht so . Aber das ist nicht der einzige Film dem es so geht es gibt noch viele mehr SAW oder Hostel diese Filme sollte man verbieten die verblöden unsere Gesellschaft doch nur !
Kaycee 23.11.2007 16:26
Also, ich finde den Film "Hannibal-Rising" ganz prima.
Der Schauspieler "Caspard Ulliel" als Hannibal ist von seiner Ausstrahlung her total passend für diese Rolle.
Für mich war die Story auch überzeugend, denn wir kommen nicht böse auf die Welt, wir werden dazu gemacht und die Tendenz ist steigend!
Klar die Story in de Filmen ist vielleicht teilweise übertrieben, doch denke ich das wir nicht weit mehr entfernt sind, von solchen Grausamkeiten.
Franzi 03.01.2008 11:09
Zum Kommentar von Lukas Foerster:
Die Söldner die Mischa essen und die Hannibal dafür jagt sind natürlich keine deutschen Nazi-Soldaten, sondern ehemalige russische Soldaten die zu Plünderern wurden!
Jingsaw 13.02.2008 16:20
@ Max Payne, Du Lusche!
Wenn Du kein Blut sehen kannst, dann kaufe Dir "Dumbo - Der fliegende Elefant". Wobei ich fast befürchte, den würdest Du noch viel grausamer finden...
Du erwartest also von Nachfolgern, dass die immer besser und noch mal besser sind!? *lol* Wo gabs denn sowas schon mal? Das hat es selbst bei Periode 1 bis 3 nicht mal gegeben.
Und wo Du gerade von SAW gesprochen hast. Gerade bei dem gibt es die seltene Ausnahme, dass die Fortsetzungen immer besser und besser wurden. Aber wer meint, sowas geh?verboten, geh spielen... :p
tess 16.03.2008 01:21
also, ich find den film net schlecht.
klar wird er jetzt nicht als der ultimative klassiker in die filmgeschichte eingehen, aber er is ganz nett.
mir fehlt auch noch der tiefgang, im psychologischen sinne gemeint...
ok, die handlung is auch ein wenig platt,aber ganz nett.
Bruce Lee 29.09.2009 21:35
dieser Hanibal teil war gelungen. die geschichte wie der Hanibal zum menschenfresser würd sehr gut dar gestellt. Mann weiss jetzt den Grund. der Schauspieler sehr gut aus gesucht für die Rolle des hanibals. Aber et passt nicht zum Antony Hopkins. Die beiden ähneln sich kein bissen. der einzigste minus Punkt bei diesen Film. Ansonsten passt alles. Die Story gut aus gedacht. Die Vogeschichte sehr gelungen. Ein guter Film. Aber der beste bleibt immer noch das Schweigen der Lämmer.
Skaldik 29.01.2011 22:25
richtig langweiliger 08/15 Horror-Thriller. Keine Charakterentwicklung, kein Aufbau, linearer Ablauf und schnöde Kameraführung. Hätte mit dieser Besetzung eigentlich ein guter Film werden können... schade. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich hattee den Eindruck, dass man einfach Nichts falsch machen wollte.
Habe den Film mit der Erwartung gesehen, dass das Mysterium um das Monster im Schweigen der Lämmer erklärt wird. Aber annscheinend war der junge Hannibal einfach nur ein verwirrtet Teenager der seinezu sehr Schwester geliebt hat... Super spannend
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Film-Angaben
Titel: Hannibal Rising
USA 2007
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Peter Webber
Drehbuch: Thomas Harris
Produktion: Tarak Ben Ammar, Dino De Laurentiis, Martha De Laurentiis
Darsteller: Gaspard Ulliel, Gong Li, Aaron Thomas, Helena Lia Tachovska, Rhys Ifans
Kinostart: 15.02.2007
DVD-Angaben
Titel: Hannibal Rising
Vertrieb: Universum Film
Bild: 2,34:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Spieldauer: 116 Minuten
Extras: keine
Verleih ab: 01.08.2007
Verkauf ab: 03.09.2007
Copyright Hannibal Rising
Fotos: © Tobis
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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