Hanni & Nanni

Girl Power im Internat „Lindenhof“. Der Versuch, die in die Jahre gekommenen Kinderbuchheldinnen Hanni und Nanni der Gegenwart anzupassen, beschränkt sich auf ein wenig Kosmetik.

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Die Zwillinge Hanni und Nanni, ehemals Identifikationsfiguren heranwachsender Mädchen, heißen eigentlich Pat und Isabel. Als der Schneider Verlag die Buchreihe der englischen Autorin Enid Blyton, im Original „St. Clare's“, übersetzte, waren die eingedeutschten Namen nur eine unter vielen Veränderungen. So wurde die Handlung unter anderem auch von den vierziger Jahren in die Sechziger verlegt und die im Internat praktizierte Sportart Lacrosse in Handball abgeändert. Hinter diesen Eingriffen stand die Absicht, die Geschichten sowohl zeitlich als auch regional der Lebenswelt der heimischen Leserinnen anzupassen.

Auch in der aktuellen Verfilmung Hanni & Nanni wird Blytons Geschichte - tatsächlich handelt es sich um eine freie Adaption des ersten Bandes - an die deutsche Gegenwart angepasst. Jetzt spielen Hanni (Sophia Münster) und Nanni (Jana Münster) also Hockey, besitzen Handys und treiben sich in Berlin-Mitte herum. Gleich in der Eröffnungsszene demonstriert Regisseurin Christine Hartmann, dass sie die angestaubten Mädchenbücher durch eine zeitgemäße Ästhetik aktualisieren möchte und setzt mit einer actionreichen Verfolgungsjagd durch ein Einkaufszentrum auf rasantes Tempo.

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Neben der hohen Schnittfrequenz zeigt sich die Modernisierung vor allem in der Musikauswahl. Heimische Bands wie Queensberry oder Sängerinnen wie No Angel Lucy Diakovska steuern im Stil von Pink einen Soundtrack für angehende Powerfrauen bei. Diese sympathische Tendenz, vor allem ein starkes, selbstbewusstes Bild von Weiblichkeit zu inszenieren, findet sich auch in den meisten Frauenfiguren. Bei den wenigen Männern handelt es sich dagegen um klassische Loser - der Vater der Mädchen (Heino Ferch) etwa ist ein hypersensibler Kochbuchübersetzer.

Sobald die Mädchen von ihren Eltern nach einem vermeintlichen Diebstahl ins Internat „Lindenhof“ gesteckt werden, fühlt man sich dagegen eher an den abgestandenen Humor einer Wirtschaftswunderkomödie mit Peter Alexander erinnert. Neben albernen Verwechslungsspielchen, die sich bei Zwillingen natürlich anbieten, liegt das vor allem an dem aus angestaubten Stereotypen bestehenden Internats-Personal. Da wäre etwa die großmütterlich gutherzige Direktorin (Hannelore Elsner), die lieber ihr Internat in den Ruin treibt, als das Schulgeld zu erhöhen, die strenge, gefühlskalte Co-Direktorin (Susanne von Borsody) und allen voran eine grotesk überzeichnete Französischlehrerin (Katharina Thalbach), deren einzige Funktion darin besteht, von einer Slapstick-Einlage zur nächsten zu stolpern.

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Dazwischen finden sich durchaus Handlungsaspekte, aus denen man etwas hätte machen können: Die Emanzipation der schüchternen Nanni von ihrer aufbrausenden Zwillingsschwester oder die Klassenunterschiede zwischen den Mädchen. Doch der Film will nichts Relevantes über das Erwachsenwerden erzählen, sondern in erster Linie eine unbeschwerte Komödie sein. Gerade von Humor hat Hanni & Nanni aber eine sehr einfach gestrickte Vorstellung. Es ist ein bisschen wie im Zirkus. Wenn etwas lustig sein soll, fällt jemand auf die Nase - Rekordhalter bei solchen Bodenstunts, direkt gefolgt von der Französischlehrerin, ist Oliver Pocher als trotteliger Kaufhausdetektiv. Nicht minder schlimm ist der bemühte Dialogwitz. Sarkastische Bemerkungen wie „Mami, bist du mit Harry Potter zur Schule gegangen?“ sind nicht nur allesamt Rohrkrepierer, sondern werden auch noch einer jungen Darstellerin in den Mund gelegt, die sie nicht richtig betont.

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Man könnte nun versuchen, den platten Humor mit der angepeilten Zielgruppe zu begründen. Zweifelsohne haben Kinder mitunter einen anderen Humor als Erwachsene. Angesichts der verhaltenen Reaktionen der in der Pressevorführung anwesenden Schulklassen scheinen die jüngeren Zuschauer aber nicht ganz so leicht berechenbar zu sein, wie manche Produzenten vielleicht denken.

 

Trailer zu „Hanni & Nanni“


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Kommentare


Elfe

Hallo,

also ich muss sagen ich bin enttäuscht von diesem Film

...behutsam in die Gegenwart?...

nein das war doch mal komplett ein griff ins Klo (sorry für den Ausdruck)
mit Hanni und Nanni hat das nun nichts zu tun, als Buchverfilmung gibt es hierfür eine glatte 6 (in Schulnoten versteht sich)

man hätte sich ruhig etwas mehr Mühe geben können, selbst die Zeichentrickserie ist besser gelungen

also entweder man macht es richtig oder lieber gar nicht

LG

Elfe


ssssssssssss

ich habe alle bücher gelesen und finde diesen film schrecklich ,er hat rein garnichts mit hanni und nanni zu tun auserdem ist er viel zu roosa und das sage ich obwohl ich ein mädchen bin!!!






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