Hannah

Hannah bewegt sich ängstlich durch ein Leben der Grenzen, das sich vor allem über die Abgrenzung zur Umwelt und Vergangenheit definiert. Als eben diese einbricht, beginnt ein – recht stereotyper und vorhersehbarer – Wandel.

Hannah

Innerhalb der nächsten beiden Wochen kommt Nina Hoss gleich zweimal in die deutschen Kinos, mit Filmen, die jeweils den Namen ihrer Hauptfigur tragen. Christian Petzolds Yella und Erica von Moellers Hannah setzen damit eine junge kleine Tradition deutscher Filme mit weiblichen Protagonistinnen und Titelheldinnen fort. Bei Gisela (2005) wusste die Perspektive zu überraschen, wurde die junge Mutter und Geliebte doch vor allem über die Blicke der begehrenden Nachbarschaft gezeichnet. Valerie (2006) hingegen war ganz extrovertierter Mittelpunkt des Berliner Modeldramas.

Mit Gisela verbindet Erica von Moellers Film vor allem die Wahl des Schauspielers Stefan Rudolf. Neben ihm agieren unter anderem Milan Peschel, Marie Lou Sellem und Mathias Brandt, der aktuell in Gegenüber brilliert. Als wäre das nicht vielversprechend genug ist also auch Nina Hoss zu bewundern. Doch was – zumindest – ein sehenswerter Schauspielerfilm hätte werden können, entpuppt sich spätestens nach einer halben Stunde erzählerisch als gleichsam unentschlossene wie verkorkste Vergangenheitsbewältigung einer jungen Frau.

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Hannah fühlt sich verfolgt. Ist sie paranoid? Wäre durchaus möglich, spricht ihr Umfeld doch immer in nebulösen Nebensätzen von einer offensichtlich psychopathologischen Vergangenheit. In starkem Gegenlicht verfremdete Flashbacks deuten Gewalttat, Suizidversuch oder Nervenzusammenbruch an. Die genaue Klärung scheint egal, geht der Film den Problemen der Hauptfigur doch nicht wirklich nach. Innerhalb von einer halben Stunde hat er alle Ambivalenzen ausgereizt und präsentiert den Ex, die Jugendliebe, als das Phantom. Dessen peinlich beklopptes Benehmen bleibt sinnfrei und dient einzig als Auslöser einer ebenso wenig nachvollziehbaren Reise Hannahs nach Berlin. Die wiederum dient als Annäherung zwischen Hannah und ihrer Tochter Maja. Das Verhältnis der beiden wandelt sich holterdiepolter und ist von einer Szene auf die nächste intakt. Wem jetzt ein geschmackloses Happy End in Form einer Familienzusammenführung schwant, dem sei schmerzvoll Recht gegeben.

Hannah steht in einer Tradition deutscher Filme, die sich gegen das, was man klassische oder auch amerikanische Erzählkonventionen nennt, wendet. Vermutlich zu recht, kann die Stärke der eigenen nationalen Kinematographie doch nur jenseits des internationalen Mainstreams und erst recht des Blockbusterkinos liegen. Zumal dessen Simplifizierungsstrategien in einer offensichtlichen Krise, durch Formate wie das Fantastic Four Franchise nur zu augenscheinlich, münden.

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Allerdings fehlt es Erica von Moellers Film, der sich zunächst auf hitchcockschen Spuren zu bewegen sucht, ehe er den Kurs Richtung freitagabendlicher ARD-Degeto-Produktion einschlägt, abgesehen von einer angemessenen Stoffbeherrschung und einem stringenten Buch vor allem an ästhetischer Sicherheit.

Innerhalb des jungen deutschen Frauenfilm-Quartetts kann sich Hannah deshalb nicht behaupten. So bleibt Nina Hoss’ Darstellung der Hannah vor allem ein Versprechen für den bald anlaufenden Yella, der das eindringliche und nachhaltige weibliche Porträt zeichnet, das man sich schon von Hannah erhofft hätte.

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