Handbuch der Liebe

Geschichten über die Liebe gibt es wie Sand am Meer. Der italienische Regisseur Giovanni Veronesi ließ sich von dieser Materialfülle nicht abschrecken und fügt durch seinen Film Handbuch der Liebe (Manuale d’amore) dem scheinbar unermesslichen Fundus romantischer Erzählungen gleich vier weitere hinzu.

Handbuch der Liebe

Da wäre zuerst einmal die Geschichte des jungen Tomasso (Silvio Muccino), der sich auf den ersten Blick unsterblich in Julia (Jasmine Trinca) verliebt. Im weiteren Verlauf des Films treten noch der Fahrlehrer Marco (Sergio Rubini) und seine Frau Barbara (Margherita Buy) auf, deren kinderlose Ehe nicht mehr so recht funktionieren möchte, die Polizistin und betrogene Ehefrau Ornella (Luciana Littizzetto), sowie der nach vielen Ehejahren von seiner Frau verlassene Arzt Goffredo (Carlo Verone).

„Sich verlieben“, „Sich auseinanderleben“, „Betrogen werden“, „Verlassen werden“: Diese vier Schlüsselerlebnisse prägen nach Ansicht Veronesis das Phänomen Liebe. Die zitierten Kapitelüberschriften verweisen auf ein passives Subjekt. In der Tat wird keine der vier Episoden durch aktives Handeln geprägt. Eine große Rolle kommt stattdessen dem Zufall zu. Tomasso etwa lernt seine große Liebe nur aufgrund seiner abergläubischen Angst vor schwarzen Katzen kennen.

Handbuch der Liebe

Handbuch der Liebe ist eine leichte, größtenteils gut funktionierende romantische Komödie, die von ihrem episodenhaften Aufbau profitiert. Keine der vier Geschichten könnte einen Spielfilm über die volle Länge tragen, da die Figurenkonstellationen sich jedoch stets nach einer knappen halben Stunde ändern, kommt nie Langeweile auf. Außerdem nimmt der Regisseur seinen Film auch hinsichtlich seiner parabelhaften Struktur nicht zu ernst. Die Haupt- und manche Nebenfiguren wenden sich oft direkt an das Publikum, kommentieren ihre eigenen Handlungen und brechen so die Illusion einer geschlossenen filmischen Welt. Auch das titelgebende Handbuch, eine Art Ratgeber für verzweifelte Liebende in allen Lebenslagen, wird schließlich in die Handlung eingeführt, die darin enthaltenen Vorschläge erweisen sich jedoch als alles andere als nützlich. Handbuch der Liebe will nie mehr sein als ein selbstreflexives Spiel mit verschiedenen Figurenkonstellationen.

Nicht alles funktioniert gleich gut. Insgesamt scheint Veronesi die Darstellung der Männerfiguren um einiges besser zu gelingen als die der weiblichen Charaktere. Auch deshalb fällt die dritte Episode, in deren Mittelpunkt die Polizistin Ornella steht, trotz der intensiven darstellerischen Bemühungen Luciana Littizzettos im Vergleich mit den anderen Abschnitten deutlich ab. Doch auch Ornellas etwas bemüht wirkendes Leiden als betrogene Ehefrau kann man dem sympathischen Film nicht übelnehmen.

 

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