Hancock

Will Smith als unausstehlicher Mann aus Stahl, ausgestattet mit der Superkraft, die stets das Gute will und stets Verwüstung schafft: Peter Bergs Hancock hat, wie sein Held, viele Ecken und Kanten.

Hancock

John Hancock ist ein richtiger Mistkerl, einer, den keiner leiden kann und für den seine Mitmenschen noch weitaus schlimmere Schimpfworte finden als das eben genannte. Wo er auftaucht, herrschen Chaos, Sachschaden und eine gewaltige Alkoholfahne. Dass Hancock ein unverwundbarer Superheld mit schier unbegrenzter Kraft ist, macht die Sache nicht besser. Etwas von seiner negativen Aura scheint auch jenseits der Leinwand zu wirken – bei den US-Kritikern ist der Film von Regisseur Peter Berg (Operation: Kingdom, The Kingdom, 2007) fast ausnahmslos durchgefallen. Von riesigen dramaturgischen Löchern ist da die Rede, von einem unentschiedenen Mischmasch. Das Branchenblatt Variety fürchtet gar, Hancock werde zu einem echten Test für die Unverwundbarkeit von Will Smith an der Kinokasse.

Hancock

Nun, so wie der PR-Agent Ray (Jason Bateman) im Film bemüht ist, Hancocks Bild in der Öffentlichkeit gerade zu rücken, wollen wir hier auch einmal einen Imagewechsel versuchen. Hancock, der Film, ist besser als sein Ruf.

Zugegeben, der größte Charme liegt in der Grundidee, weniger in der Ausführung. Eine Komödie über einen grobmotorisch gestörten Alkoholiker mit Superkräften, der selbst dann nur Unheil anrichtet, wenn er helfen will, das ist durchaus ein frischer Ansatz für ein lange ausgereiztes Genre. Besonders, weil er statt der Über-Korrektheit und der guten Umgangsformen manch anderer Weltenretter mit einer gehörigen Portion in jeder Hinsicht unkorrekter Gossensprache agiert.

Hancock

Hancock hat zudem fast ausnahmslos zündende Dialoge und einige wirklich gelungene Slapstickmomente. Smiths asozialer Superheld und Charlize Theron, die die Vorort-Ehefrau des idealistischen PR-Mangers spielt, haben ein Verhältnis zueinander wie Feuer und Eis und beide ganz offensichtlich viel Spaß an ihren Rollen. Jason Bateman, der schon Juno (2007) mit seinem grundehrlichen Gesicht bereicherte, bildet das ahnungslose Zentrum zwischen den beiden. Das macht die wahrhaft hanebüchene dramatische Entwicklung gegen Ende mehr als wett. Und auch wenn der Bösewicht namens Red wie mit einer Schrottpresse in die Handlung gedrückt wirkt, sein Darsteller ist immerhin Eddie Marsan, und der darf hier einfach wunderbar fies sein und seine Rolle als Soziopath aus Mike Leighs Happy-Go-Lucky (2008) ins Comichafte treiben.

Hancock

Ärgerlich an Hancock ist allenfalls, dass er wirklich sehr gut hätte werden können, dass statt des billigen und schmutzigen Vergnügens, das er bietet, eine große, bissige Satire hätte entstehen können. Ansätze dafür sind einige vorhanden, etwa in der Behandlung des Themas Public Relations und der Manipulation von Medien und Öffentlichkeit. Oder in der Zeichnung eines Helden, der ungefragt überall eingreift und dabei das Kunststück fertig bringt, sowohl die Gangster als auch die Geretteten gegen sich aufzubringen. Das kommt einem, bezogen auf so manchen Kriegsschauplatz in der jüngeren Geschichte, ja durchaus bekannt vor.

Anders als dem ungefähr zur selben Zeit anlaufenden Der unglaubliche Hulk (The Incredible Hulk) – und so ziemlich allen anderen Filmen dieser Art – liegt Hancock keine Comicbuch-Vorlage zugrunde, was den Autoren die Freiheit gab, etwas völlig Neues zu schaffen. Aber für ein Werk aus einem Guss waren im Laufe der bis zur Mitte der neunziger Jahre zurückreichenden und ungewöhnlich schwierigen Produktionsgeschichte wohl zu viele Ideengeber mit dem Projekt befasst, darunter übrigens kein geringerer als Michael Mann.

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Kommentare


Tom

Danke, endlich mal eine faire Kritik!
Ok, stimmt, der Film hat einen eher blassen Bösewicht, aber mich hat das nicht gestört, da ich die Beziehung der Hauptfiguren zueinander interessant genug fand und weil der Streifen insgesamt sehr kurzweilig war.
In dem Saal, wo ich Hancock gesehen habe, gabs jede Menge Lacher und viele Leute haben nach der Vorstellung applaudiert. Der Film ist beste Kinounterhaltung und ausserdem einer der wenigen intelligenten Superheldenfilme, die ich bisher gesehen habe (Die Anderen sind Iron Man und Batman 1 und 2, nicht jedoch Spiderman, der ist moraltriefend und saublöd!)


Mischa

Im großen und ganzen fängt der Film intressant an, ein Einblick in das Leben von Hancock, doch bereits hier fällt auf wie unrealistisch die gesamte Situation ist..
Ich meine, ein Typ mit Superkräften pennt auf einer Bank und wird von niemandem Beachtet, ein Penner eben.
Natürlich ist ein Typ der Autos herumwerfen und fliegen kann jedem egal oder was? Ich wage zu bezweifeln dass die Öffentlichkeit wirklich sojemanden einfach auf der Parkbank pennen lassen würde ohne dass sich Menschenmassen um ihn sammeln würden etc.

Die Story geht jedenfalls sehr oberflächlich weiter und wirkt ebenfalls mehr als unrealistisch..

So wird Hancock z.B in einem normalen Gefängniss eingesperrt, man unternimmt nicht den Versuch hier ein spezielles Gefängniss bzw. eine Spezielle Zelle zu konstruieren oder sowas, ebenfalls stört es niemanden, dass er den Kopf eines Häftlings in den Ar*** eines anderen gesteckt hat..

Ebenfalls liefern sich dann Hancock und Mary, welche ebenfalls Superkräfte besitzt, einen heftigen Kampf.. Dass dabei die Halbe Stadt zerstört wird, scheint niemanden zu Intressieren..

Sehr unrealistisch ist auch, dass Hancock bereits nach einer einzigen Heldentat zum von allen gefeierten Superheld wird, obwohl er vorher für jeden das größte "Arschloch" war.

Davon, dass die Coumputeranimation z.B in der Flugszene am Anfang alles andere als realistisch wirkt, will ich jetzt mal nicht reden..

Bei diesem Film wurde meiner Meinung nach nur eine kleine Grundstory entworfen in welche man ein paar Gags und einen großen Haufen Zerstörung und Action gepackt hat.
Logik und Tiefsinnigkeit blieben fast volkommen auf der Strecke..

Alles in allem weist der Film einige doch sehr witzige Stellen auf, Actionfans kommen ebenfalls auf ihre kosten, wer jedoch eine vernünftige Story erwartet wird hier sehr enttäuscht sein und sich immer wieder über die Unstimmigkeiten aufregen.






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